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Fettleibigkeit – Wann eine Magenverkleinerung helfen kann

Hilfe für Adipositas-Patienten  

Wann eine Magenverkleinerung helfen kann

28.01.2020, 10:15 Uhr | t-online.de, dpa, nsa

Fettleibigkeit – Wann eine Magenverkleinerung helfen kann. Adipositas: Eine Magenverkleinerung kann helfen. (Quelle: Getty Images/Ivan4es)

Adipositas: Eine Magenverkleinerung kann helfen. (Quelle: Ivan4es/Getty Images)

Immer mehr übergewichtige Patienten entscheiden sich für eine Magenverkleinerung. Viele hoffen auf eine schnelle Gewichtsreduktion und blenden mögliche Risiken aus. Wann eine Magenoperation infrage kommt.

Die Magenverkleinerung ist ein drastischer Schritt, um Gewicht zu reduzieren. Immer mehr Deutsche entscheiden sich dennoch für diese Maßnahme, nach der es nicht mehr möglich ist, die gleiche Menge an Nahrung aufzunehmen. Nach Angaben der Krankenkasse Barmer GEK versechsfachte sich die Anzahl solcher Eingriffe zwischen 2006 und 2014 bei den Versicherten, in Deutschlandweit wurden im Jahr 2016 knapp 10.000 solcher Eingriffe vorgenommen.

Die Zahl der Magenverkleinerungen dürfte auch in den kommenden Jahren weiter steigen. Laut Daten der Techniker Krankenkasse aus dem Jahr 2019 ist in Deutschland jeder zweite Mann übergewichtig, hat also einen BMI von mehr als 25, rund jeder Fünfte ist fettleibig oder adipös. Bei Frauen liegen die Werte etwas niedriger. Von Übergewicht und Adipositas sind zudem immer mehr Kinder und Jugendliche betroffen. Studien zufolge kann sich die Lebenserwartung der Betroffenen um bis zu zehn Jahre verkürzen.

Ab welchem BMI eine OP infrage kommt

Adipositas ist von der Weltgesundheitsorganisation sowie vom Bundessozialgericht mittlerweile als Krankheit anerkannt. Fettleibigkeit liegt ab einem Body-Mass-Index  (BMI) über 30 vor. Dabei wird unterschieden zwischen:

  • Adipositas Grad I: BMI 30-34,9
  • Adipositas Grad II: BMI 35-39,9
  • Extremer Adipositas Grad III: BMI über 40

Bei krankhafter Fettleibigkeit und einem Body-Mass-Index über 40 fällt den Betroffenen das Abnehmen oft schwer. Eine bariatrische (gewichtsreduzierende) Operation kommt bei extremer Adipositas Grad III in Betracht oder bei einer Adipositas Grad II, wenn schwerwiegende Begleiterkrankungen wie Diabetes, chronische Gelenkschmerzen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorliegen.

Magenverkleinerung: Chirurgische Techniken

In der Adipositas-Chirurgie kommen verschiedene Verfahren zum Einsatz. Am gängigsten sind restriktive Techniken wie der Schlauchmagen oder das Magenbad sowie der Magenbypass. Der Arzt operiert einen Patienten aber nur dann, wenn die sogenannten konservativen Therapiemöglichkeiten wie Kalorienreduktion sowie bewegungs- und verhaltentherapeutische Maßnahmen über einen längeren Zeitraum nachweislich nicht ausreichend waren.

Magenband oder auch Gastric Banding

Restriktive Techniken wie der Schlauchmagen und das Magenband verringern das Magenvolumen. Beim Magenband legt der Chirurg ein verstellbares Silikonband um den oberen Teil des Magens, um dadurch dessen Aufnahmevermögen erheblich zu verkleinern. Der Patient fühlt sich dadurch schneller gesättigt und nimmt weniger Nahrung zu sich. Das Magenband lässt sich je nach Bedarf und gewünschter Gewichtsreduktion anpassen.

Schlauchmagen

Auch hier wird das Fassungsvermögen des Magens verringert. Der Operateur entfernt dazu große Teile des Magens, sodass ein schlauchförmiges Organ übrig bleibt. Wie beim Magenband ist der Patient schneller satt, allerdings kann sich bei dieser Technik der Magen mit der Zeit wieder ausdehnen. Es kann auch vorkommen, dass sich die Naht an der Magenwand lockert oder platzt.

Magenverkleinerung: Ein großer Teil des Magens wird durch einen vertikalen Schnitt entfernt. (Quelle: Getty Images/Gilnature)Magenverkleinerung: Ein großer Teil des Magens wird durch einen vertikalen Schnitt entfernt. (Quelle: Gilnature/Getty Images)

Magenbypass

Bypass-Techniken umgehen einen Teil des Verdauungstraktes und schränken so die Nahrungsaufnahme ein. Bei diesem unter Vollnarkose durchgeführten Verfahren verkleinert der Chirurg zuerst den Magen. Anschließend durchtrennt er den Dünndarm und vernäht eine tiefer liegende Dünndarmschlinge mit dem Ausgang des verbleibenden Magens, sodass die Nahrung nicht mehr den Zwölffingerdarm passiert. Das Ergebnis: Die Sättigung setzt schneller ein, zudem werden Fette nicht mehrvollständig verdaut.

Dieser Eingriff hat jedoch lebenslange Folgen: Die Überbrückung des Zwölffingerdarms begrenzt nicht nur die Nahrungs-, sondern auch die Nährstoffaufnahme. Wegen der Gefahr eines Nährstoffmangels müssen sich Patienten regelmäßig im Labor auf Mangelzustände testen lassen und meist ein Leben lang bestimmte Vitamine, Spurenelemente und Eiweiß zu sich nehmen.

Effekte: Weniger Appetit, veränderter Stoffwechsel

Die Adipositas-Chirurgie kann bei extrem übergewichtigen Menschen den Gesundheitszustand deutlich verbessern und die Lebenserwartung verlängern. Die meisten Patienten verlieren innerhalb weniger Monate deutlich an Gewicht. Der Eingriff verändert auch den Appetit, das Sättigungsgefühl und den Stoffwechsel. Studien zeigen, dass sich die Blutzuckerwerte oft schon wenige Tage nach einer Operation verbessern.

Nach Magen-OP das Leben umstellen

Eine Magen-OP zur Gewichtsreduktion sollte aus mehreren Gründen wohlüberlegt sein. Zum Einen besteht wie bei allen chirurgischen Eingriffen ein Operations- und Narkoserisiko. Außerdem lassen sich die meisten Eingriffe nicht rückgängig machen lassen. Sie können zudem weitere Eingriffe wie etwa Hautstraffungen nach sich ziehen. Mangelerscheinungen können dazu führen, dass die Betroffenen ein Leben lang Vitamin- und Mineralstoffpräparate zu sich nehmen müssen.

Hinzu kommt, dass Patienten neue Verhaltensweisen lernen und viel Disziplin aufbringen müssen. Werden bestimmte Essenspläne nicht befolgt, drohen Komplikationen, die erneute Operationen nach sich ziehen können. Für die Krankenkassen kommt eine Übernahme der Kosten für eine Operation darum nur infrage, wenn die Magenverkleinerung laut ärztlicher Einschätzung tatsächlich dazu beitragen kann, die Folgeerkrankungen zu verringern.

Kostenübernahme durch die Krankenkasse

Die Krankenkassen können die Kosten für eine Magenverkleinerung grundsätzlich übernehmen. Der Patient muss dazu gemeinsam mit dem Arzt einen Antrag stellen, dem unter anderem ein ärztliches Attest beiliegt. Der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS) bietet einen Leitfaden zur Begutachtung von Anträgen auf eine Magenverkleinerung. Folgende Anforderungen müssen demnach unter anderem erfüllt sein:

  • BMI größer 40 kg/m2 oder BMI größer 35 kg/m2 mit adipositasbedingten Begleiterkrankungen
  • In Einzelfällen kann der BMI auch unter 35 liegen – etwa bei schwer zu behandelnder Diabetes Typ 2
  • Übergewicht seit mehr als drei Jahren
  • Behandelbare Erkrankungen, die starkes Übergewicht verursachen, wurden ausgeschlossen  – etwa die Unterfunktion der Schilddrüse
  • Lebensalter zwischen 18 und 65 Jahren
  • Mindestens zwei erfolglose Diätversuche, Kuren oder Rehabilitationen, möglichst unter ärztlicher Anleitung
  • Keine psychiatrischen Krankheiten oder schwerwiegende Drogen- oder Alkoholabhängigkeit
  • Keine bestehende Schwangerschaft
  • Ausschluss schwerer Stoffwechselerkrankungen

Wie hoch die Kosten der Magenverkleinerung sind, hängt unter anderem von der Art des Eingriffs, der Operationstechnik sowie dem behandelden Arzt und der Klinik ab. Selbstzahler müssen je nach Eingriff und Klinikstandort mit Kosten von mehreren tausend Euro bis weit über 10.000 Euro rechnen.

Verwendete Quellen:

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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