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Ja, die Redaktion hat f├╝r diesen Ratgeberartikel alle relevanten Fakten recherchiert. Eine Beeinflussung durch Dritte findet nicht statt.

Wann eine Magenverkleinerung helfen kann

Von t-online, dpa, nsa

Aktualisiert am 08.04.2021Lesedauer: 4 Min.
Adipositas: Eine Magenverkleinerung kann helfen.
Adipositas: Eine Magenverkleinerung kann helfen. (Quelle: Ivan4es/getty-images-bilder)
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Reiner Calmunds Ank├╝ndigung, sein Gewicht bald halbiert zu haben, sorgt f├╝r Aufsehen. Er ist nicht allein: Immer mehr ├╝bergewichtige Patienten entscheiden sich f├╝r eine Magenverkleinerung. Doch es gibt Risiken.

Das Wichtigste im ├ťberblick


  • Effekte: Weniger Appetit, ver├Ąnderter Stoffwechsel
  • Nach Magen-OP das Leben umstellen
  • Kosten├╝bernahme durch die Krankenkasse

Die Magenverkleinerung ist ein drastischer Schritt, um Gewicht zu reduzieren. Immer mehr Deutsche entscheiden sich dennoch f├╝r diese Ma├čnahme, nach der es nicht mehr m├Âglich ist, die gleiche Menge an Nahrung aufzunehmen. Nach Angaben der Krankenkasse Barmer GEK versechsfachte sich die Anzahl solcher Eingriffe zwischen 2006 und 2014 bei den Versicherten, in Deutschlandweit wurden im Jahr 2016 knapp 10.000 solcher Eingriffe vorgenommen.

Die Zahl der Magenverkleinerungen d├╝rfte auch in den kommenden Jahren weiter steigen. Laut Daten der Techniker Krankenkasse aus dem Jahr 2019 ist in Deutschland jeder zweite Mann ├╝bergewichtig, hat also einen BMI von mehr als 25, rund jeder F├╝nfte ist fettleibig oder adip├Âs. Bei Frauen liegen die Werte etwas niedriger.

Sie kennen Ihren BMI noch nicht? Hier geht es zum BMI-Rechner f├╝r Erwachsene.

Von ├ťbergewicht und Adipositas sind zudem immer mehr Kinder und Jugendliche betroffen. Studien zufolge kann sich die Lebenserwartung der Betroffenen um bis zu zehn Jahre verk├╝rzen.

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Ab welchem BMI eine OP infrage kommt

Adipositas ist von der Weltgesundheitsorganisation sowie vom Bundessozialgericht mittlerweile als Krankheit anerkannt. Fettleibigkeit liegt ab einem Body-Mass-Index (BMI) ├╝ber 30 vor. Dabei wird unterschieden zwischen:

  • Adipositas Grad I: BMI 30-34,9
  • Adipositas Grad II: BMI 35-39,9
  • Extremer Adipositas Grad III: BMI ├╝ber 40

Bei krankhafter Fettleibigkeit und einem Body-Mass-Index ├╝ber 40 f├Ąllt den Betroffenen das Abnehmen oft schwer. Eine bariatrische (gewichtsreduzierende) Operation kommt bei extremer Adipositas Grad III in Betracht oder bei einer Adipositas Grad II, wenn schwerwiegende Begleiterkrankungen wie Diabetes, chronische Gelenkschmerzen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorliegen.

Magenverkleinerung: Chirurgische Techniken

In der Adipositas-Chirurgie kommen verschiedene Verfahren zum Einsatz. Am g├Ąngigsten sind restriktive Techniken wie der Schlauchmagen oder das Magenbad sowie der Magenbypass. Der Arzt operiert einen Patienten aber nur dann, wenn die sogenannten konservativen Therapiem├Âglichkeiten wie Kalorienreduktion sowie bewegungs- und verhaltentherapeutische Ma├čnahmen ├╝ber einen l├Ąngeren Zeitraum nachweislich nicht ausreichend waren.

Magenband oder auch Gastric Banding

Restriktive Techniken wie der Schlauchmagen und das Magenband verringern das Magenvolumen. Beim Magenband legt der Chirurg ein verstellbares Silikonband um den oberen Teil des Magens, um dadurch dessen Aufnahmeverm├Âgen erheblich zu verkleinern. Der Patient f├╝hlt sich dadurch schneller ges├Ąttigt und nimmt weniger Nahrung zu sich. Das Magenband l├Ąsst sich je nach Bedarf und gew├╝nschter Gewichtsreduktion anpassen.

Schlauchmagen

Auch hier wird das Fassungsverm├Âgen des Magens verringert. Der Operateur entfernt dazu gro├če Teile des Magens, sodass ein schlauchf├Ârmiges Organ ├╝brig bleibt. Wie beim Magenband ist der Patient schneller satt, allerdings kann sich bei dieser Technik der Magen mit der Zeit wieder ausdehnen. Es kann auch vorkommen, dass sich die Naht an der Magenwand lockert oder platzt.

Magenverkleinerung: Ein gro├čer Teil des Magens wird durch einen vertikalen Schnitt entfernt.
Magenverkleinerung: Ein gro├čer Teil des Magens wird durch einen vertikalen Schnitt entfernt. (Quelle: Gilnature/getty-images-bilder)

Magenbypass

Bypass-Techniken umgehen einen Teil des Verdauungstraktes und schr├Ąnken so die Nahrungsaufnahme ein. Bei diesem unter Vollnarkose durchgef├╝hrten Verfahren verkleinert der Chirurg zuerst den Magen. Anschlie├čend durchtrennt er den D├╝nndarm und vern├Ąht eine tiefer liegende D├╝nndarmschlinge mit dem Ausgang des verbleibenden Magens, sodass die Nahrung nicht mehr den Zw├Âlffingerdarm passiert. Das Ergebnis: Die S├Ąttigung setzt schneller ein, zudem werden Fette nicht mehrvollst├Ąndig verdaut.

Dieser Eingriff hat jedoch lebenslange Folgen: Die ├ťberbr├╝ckung des Zw├Âlffingerdarms begrenzt nicht nur die Nahrungs-, sondern auch die N├Ąhrstoffaufnahme. Wegen der Gefahr eines N├Ąhrstoffmangels m├╝ssen sich Patienten regelm├Ą├čig im Labor auf Mangelzust├Ąnde testen lassen und meist ein Leben lang bestimmte Vitamine, Spurenelemente und Eiwei├č zu sich nehmen.

Effekte: Weniger Appetit, ver├Ąnderter Stoffwechsel

Die Adipositas-Chirurgie kann bei extrem ├╝bergewichtigen Menschen den Gesundheitszustand deutlich verbessern und die Lebenserwartung verl├Ąngern. Die meisten Patienten verlieren innerhalb weniger Monate deutlich an Gewicht. Der Eingriff ver├Ąndert auch den Appetit, das S├Ąttigungsgef├╝hl und den Stoffwechsel. Studien zeigen, dass sich die Blutzuckerwerte oft schon wenige Tage nach einer Operation verbessern.

Nach Magen-OP das Leben umstellen

Eine Magen-OP zur Gewichtsreduktion sollte aus mehreren Gr├╝nden wohl├╝berlegt sein. Zum Einen besteht wie bei allen chirurgischen Eingriffen ein Operations- und Narkoserisiko. Au├čerdem lassen sich die meisten Eingriffe nicht r├╝ckg├Ąngig machen lassen. Sie k├Ânnen zudem weitere Eingriffe wie etwa Hautstraffungen nach sich ziehen. Mangelerscheinungen k├Ânnen dazu f├╝hren, dass die Betroffenen ein Leben lang Vitamin- und Mineralstoffpr├Ąparate zu sich nehmen m├╝ssen.

Hinzu kommt, dass Patienten neue Verhaltensweisen lernen und viel Disziplin aufbringen m├╝ssen. Werden bestimmte Essenspl├Ąne nicht befolgt, drohen Komplikationen, die erneute Operationen nach sich ziehen k├Ânnen. F├╝r die Krankenkassen kommt eine ├ťbernahme der Kosten f├╝r eine Operation darum nur infrage, wenn die Magenverkleinerung laut ├Ąrztlicher Einsch├Ątzung tats├Ąchlich dazu beitragen kann, die Folgeerkrankungen zu verringern.

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Kosten├╝bernahme durch die Krankenkasse

Die Krankenkassen k├Ânnen die Kosten f├╝r eine Magenverkleinerung grunds├Ątzlich ├╝bernehmen. Der Patient muss dazu gemeinsam mit dem Arzt einen Antrag stellen, dem unter anderem ein ├Ąrztliches Attest beiliegt. Der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS) bietet einen Leitfaden zur Begutachtung von Antr├Ągen auf eine Magenverkleinerung. Folgende Anforderungen m├╝ssen demnach unter anderem erf├╝llt sein:

  • BMI gr├Â├čer 40 kg/m2 oder BMI gr├Â├čer 35 kg/m2 mit adipositasbedingten Begleiterkrankungen
  • In Einzelf├Ąllen kann der BMI auch unter 35 liegen ÔÇô etwa bei schwer zu behandelnder Diabetes Typ 2
  • ├ťbergewicht seit mehr als drei Jahren
  • Behandelbare Erkrankungen, die starkes ├ťbergewicht verursachen, wurden ausgeschlossen ÔÇô etwa die Unterfunktion der Schilddr├╝se
  • Lebensalter zwischen 18 und 65 Jahren
  • Mindestens zwei erfolglose Di├Ątversuche, Kuren oder Rehabilitationen, m├Âglichst unter ├Ąrztlicher Anleitung
  • Keine psychiatrischen Krankheiten oder schwerwiegende Drogen- oder Alkoholabh├Ąngigkeit
  • Keine bestehende Schwangerschaft
  • Ausschluss schwerer Stoffwechselerkrankungen

Wie hoch die Kosten der Magenverkleinerung sind, h├Ąngt unter anderem von der Art des Eingriffs, der Operationstechnik sowie dem behandelden Arzt und der Klinik ab. Selbstzahler m├╝ssen je nach Eingriff und Klinikstandort mit Kosten von mehreren tausend Euro bis weit ├╝ber 10.000 Euro rechnen.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte ├ärzte. Die Inhalte von t-online k├Ânnen und d├╝rfen nicht verwendet werden, um eigenst├Ąndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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