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Immer mehr Kinder bekommen Psychopharmaka verschrieben

Von dpa
Aktualisiert am 21.06.2016Lesedauer: 2 Min.
Psychopharmaka f├╝r Kinder: Bei ADHS wird oft Ritalin verordnet.
Ritalin f├╝r den Zappelphilipp ÔÇô der Anteil der Psychopharmaka-Rezepte f├╝r Kinder ist zwischen 2004 und 2012 gestiegen. (Quelle: /dpa-bilder)
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Sind immer mehr Kinder psychisch krank oder verordnen Ärzte vorschnell Psychopharmaka, statt andere Therapien in Betracht zu ziehen? Fakt ist, dass die Zahl der entsprechenden Rezepte zugenommen hat.

2012 bekamen etwa 27 von 1000 Kindern Medikamente wie Antidepressiva oder das ADHS-Medikament Ritalin verschrieben. 2004 waren es 20 von 1000. Das geht aus einer Untersuchung von K├Âlner Forschern hervor, die im Deutschen ├ärzteblatt ver├Âffentlicht wurde.

So erkl├Ąren Forscher den Anstieg

Doch warum ist der Anteil der Heranwachsenden, die mindestens ein Psychopharmaka-Rezept ausgestellt bekamen, derart angestiegen? Das geht aus der Studie nicht eindeutig hervor. Die Gr├╝nde "k├Ânnen vielf├Ąltig sein", sagen die Forscher. Es gebe jedenfalls keine Hinweise darauf, dass 2012 mehr Kinder unter psychischen Problemen gelitten h├Ątten als in den Jahren zuvor.

Sie vermuten einen anderen Grund: Mehr Jugendliche, die bereits eine Therapie mit Medikamenten hinter sich hatten, w├╝rden erneut mit Psychopharmaka behandelt.

Daraus k├Ânne man jedoch nicht ableiten, dass die Heilungschancen der therapierten Kinder und Jugendlichen schlechter geworden seien, sagte Ingrid Schubert von der Universit├Ąt K├Âln, die an der Studie mitgearbeitet hat. "Soweit w├╝rde ich nicht gehen. Man k├Ânnte auch sagen, sie werden vielleicht vern├╝nftiger, weil konsequenter behandelt."

Psycho-H├Ąmmer f├╝r Kinder

Die Neuverordnungen von Methylphenidat (Ritalin) bei ADHS gehen in Deutschland seit 2008 leicht zur├╝ck. Besorgniserregend findet die Wissenschaftlerin dagegen, dass bei Kindern die Zahl der Behandlungen mit Antipsychotika zugenommen hat. "Das sind zum Teil sehr stark wirkende Medikamente, die bei Schizophrenie eingesetzt werden", erkl├Ąrt sie. Schubert und ihre Kollegen fordern gerade bei Antipsychotika zus├Ątzliche Leitlinien f├╝r ├ärzte.

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Zudem m├╝sse ein kritisches Bewusstsein geschaffen werden. Psychische Belastungen von Kindern und Jugendlichen m├╝ssten fr├╝hzeitig erkannt werden. Es gelte, ihnen mit sozialen oder p├Ądagogischen Ma├čnahmen zu helfen, bevor Medikamente n├Âtig werden.

Jedes f├╝nfte Kind "psychisch auff├Ąllig"

Schubert und ihr Team werteten die Daten von ├╝ber vier Millionen gesetzlich Versicherten im Alter von null bis 17 Jahren aus. Nach Angaben der Forscherin gibt es bei rund 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland Hinweise auf psychische Auff├Ąlligkeiten.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte ├ärzte. Die Inhalte von t-online k├Ânnen und d├╝rfen nicht verwendet werden, um eigenst├Ąndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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