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Windpocken bei Erwachsenen: Ansteckung, Symptome, Behandlung

Nicht nur eine Kinderkrankheit  

Windpocken bei Erwachsen: Darum ist eine Infektion so gefährlich

02.09.2019, 07:08 Uhr | Ann-Kathrin Landzettel, t-online.de

Windpocken bei Erwachsenen: Ansteckung, Symptome, Behandlung. Frau mit Hautausschlag: Windpockenviren sind über mehrere Meter hinweg über die Luft übertragbar. (Quelle: Getty Images/CactuSoup)

Frau mit Hautausschlag: Windpockenviren sind über mehrere Meter hinweg über die Luft übertragbar. (Quelle: CactuSoup/Getty Images)

Fast jeder Mensch erkrankt in seinem Leben an Windpocken. Im Erwachsenenalter taucht die Erkrankung seltener auf, doch verläuft sie dann oft schwerer als bei Kindern. So können Sie sich vor einer Ansteckung schützen.

Windpocken (Varizellen) werden durch Varizella-Zoster-Viren ausgelöst und sind hoch ansteckend. Meist erkranken Kinder an Windpocken, doch auch Erwachsene können sich infizieren. Entweder durch eine Erstinfektion oder weil schlummernde Viren wieder aktiv werden. Dann kann die Erkrankung zum Gesundheitsrisiko werden.

Windpocken bei Kindern zeigen sich durch einen Hautausschlag mit kleinen juckenden und mit Flüssigkeit gefüllten Bläschen sowie Fieber. Die Varizella-Zoster-Viren (VZV), die Windpocken verursachen, gehören zur Familie der Herpesviren. Sie sind nicht nur hoch ansteckend, sondern lassen sich auch nicht so leicht vertreiben. Nach überstandener Erkrankung verbleiben sie im Körper und können Jahre später wieder aktiv werden. Dann zeigen sie sich erneut als Hautausschlag: meist in Form der schmerzhaften Gürtelrose (Herpes zoster).

Was sind Windpocken?

Die Windpockenimpfung hat die Erkrankung in Deutschland reduziert, dennoch zählen Windpocken nach wie vor zu den häufigsten Kinderkrankheiten. Auch Erwachsene können Windpocken bekommen. Gürtelrose ist ebenfalls häufig: Der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zufolge erkrankt jeder fünfte Erwachsene im Laufe seines Lebens daran.

Bei der Gürtelrose zeigen sich die Bläschen meist gürtelförmig am Rumpf auf einer Körperseite. Seltener sind Hals und Kopf betroffen. Meist heilen die Bläschen nach zwei Wochen wieder ab, doch es können auch Komplikationen wie Gehirn- und Nervenentzündungen auftreten.

Windpocken-Ursachen: Wie werden Windpocken übertragen?

Windpockenviren sind hoch ansteckend und – wie der Name vermuten lässt – selbst über mehrere Meter hinweg über die Luft übertragbar. Meist gelangen die Erreger durch das Einatmen kleinster Speicheltröpfchen in die Atemwege. Laut BZgA führt fast jeder Kontakt zwischen einer ungeschützten Person und einem Erkrankten zu einer Ansteckung. Ebenfalls hoch ansteckend ist die Flüssigkeit, die sich in den Bläschen des Hautausschlags befindet.

Gürtelrose wird über Schmierinfektion übertragen

Die Gürtelrose ist weniger ansteckend als Windpocken. Wie das Robert Koch-Institut (RKI) mitteilt, findet bei ihr keine Übertragung über Tröpfchen in der Atemluft statt, sondern über die Flüssigkeit der Gürtelrosebläschen. Der Hauptübertragungsweg bei der Gürtelrose ist daher die Schmierinfektion. Die Viren werden über die Hände weitergetragen und können auf Oberflächen wie Türgriffen, Wasserhähnen und Treppengeländern mehrere Tage überleben. Wer noch nicht an Windpocken erkrankt und auch nicht geimpft ist, kann sich mit Gürtelrose anstecken und eine Windpockeninfektion bekommen.

Windpocken in der Schwangerschaft

In der Schwangerschaft sind Windpocken ein großes Risiko für das Ungeborene. Es kann zu Fehlbildungen, neurologischen Krankheiten oder Augenschäden beim Kind kommen. Um den Geburtstermin herum kann eine Windpockeninfektion für das Neugeborene sogar lebensbedrohlich werden. Laut BZgA sterben 30 Prozent der Kinder. Von einer Gürtelroseerkrankung der Mutter geht hingegen keine Gefahr für das ungeborene Kind aus.

Windpocken-Symptome: Windpocken auf der Haut erkennen

Die Windpockenerkrankung beginnt langsam. Zunächst verspüren die Betroffenen über ein bis zwei Tage hinweg ein leichtes Krankheitsgefühl, das von Kopf- und Gliederschmerzen, Fieber und Unwohlsein begleitet sein kann. Dann bilden sich die juckenden Bläschen und breiten sich über den gesamten Körper hinweg aus. Das Fieber steigt. Nach drei bis fünf Tagen heilen die Bläschen unter Krustenbildung ab. Kratzen kann den Heilungsverlauf verzögern und zu kleinen Narben führen.

Begleiterkrankungen von Windpocken

Schwere Windpockenverläufe sind vor allem bei Kindern, älteren Menschen und Menschen mit einem geschwächten Immunsystem zu finden. Neben bakteriellen Infektionen der Haut bricht schätzungsweise bei jedem fünften Erwachsenen eine Lungenentzündung als Begleiterkrankung der Windpocken aus. Sie zeigt sich meist drei bis fünf Tage nach Ausbruch der Windpocken. Der Verlauf kann schwer sein. Gefährlich ist die Lungenentzündung besonders für schwangere Frauen.

Weitere mögliche Begleiterkrankungen von Windpocken sind:

  • Herzmuskelentzündung
  • Hirnhautentzündung
  • Arthritis
  • Hepatitis
  • Blutungsneigung
  • Nierenentzündung

Windpocken: Wie lange ist man ansteckend?

Die Inkubationszeit von Windpocken beträgt zwischen einer und vier Wochen nach Ansteckung. Betroffene sind bereits ein bis zwei Tage vor Bildung des Hautausschlags ansteckend. Die Ansteckungsgefahr ist erst gebannt, wenn alle Bläschen verkrustet sind. Das gilt auch für die Gürtelrose.

Wie oft kann man Windpocken bekommen?

Wer eine Windpockenerkrankung überstanden hat, ist in der Regel immun – kann aber Jahre später an einer Gürtelrose erkranken.  

So sieht die Therapie von Windpocken aus

Die beste Behandlung bei Windpocken ist Bettruhe, weil der gesamte Körper Ruhe braucht. Medikamente gegen Windpocken gibt es nicht. Es können lediglich die Symptome behandelt werden. Eine wichtige Rolle hierbei spielen juckreizlindernde Salben und Bäder, um Kratzen, Narbenbildung und bakteriellen Infektionen vorzubeugen. Da Windpocken durch Viren ausgelöst werden, sind Antibiotika wirkungslos. Antivirale Medikamente finden meist bei immungeschwächten Personen Anwendung.

Windpocken vorbeugen: Impfung als wichtigste Schutzmaßnahme

Die beste Vorbeugung stellt die Impfung dar. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt Kindern die Erstimpfung ab einem Alter von elf Monaten. Frauen, die schwanger werden möchten und noch nicht geimpft sind, wird ebenfalls zur Impfung geraten. Ebenfalls impfen lassen sollten sich Personen, die

  • im Gesundheitsdienst oder Gemeinschaftseinrichtungen tätig sind,
  • ein geschwächtes Immunsystem haben,
  • vor einer immunsupressiven Therapie oder einer Organtransplantation stehen oder
  • starke Neurodermitis haben.

Aber: Auch geimpfte Personen können an Windpocken erkranken. Dies ist aber eher selten und die Erkrankung verläuft dann meist milder.

So schützen Sie sich und andere

Wichtige Schutzmaßnahmen neben der Windpockenimpfung im Überblick:

  • Ist Ihr Kind an Windpocken erkrankt, informieren Sie die entsprechende Einrichtung und lassen Sie Ihr Kind zu Hause.
  • Meiden Sie als Erwachsener den Kontakt mit an Windpocken erkrankten Personen, wenn Sie selbst noch keine Windpocken hatten.
  • Waschen Sie sich regelmäßig die Hände, um mögliche Viren, die Sie über Händeschütteln, Türgriffe und so weiter aufgenommen haben, abzuspülen.
  • Schwangere und abwehrgeschwächte Personen sollten sich mit einem Arzt in Verbindung setzen, wenn sie mit infizierten Personen Kontakt hatten. Dann ist die Gabe von Antikörpern möglich.
  • Nach Kontakt mit einer an Windpocken erkrankten Person können Sie sich noch innerhalb von fünf Tagen impfen lassen. Dies kann den Ausbruch verhindern oder zumindest den Verlauf der Erkrankung abschwächen. Schwangere können sich jedoch nicht mehr impfen lassen.
  • Sind Sie selbst an Windpocken erkrankt, bleiben Sie zu Hause und vermeiden Sie den Kontakt mit noch nicht erkrankten Personen.
  • Rufen Sie vor einem Arztbesuch in der Praxis an und teilen Sie den Verdacht auf Windpocken mit.
Verwendete Quellen:

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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