Sie sind hier: Home > Gesundheit > Coronavirus >

Depressionen könnten eine Corona-Infektion begünstigen

Studie aus den USA  

Diese Krankheiten könnten eine Corona-Infektion begünstigen

22.11.2020, 16:54 Uhr
Depressionen könnten eine Corona-Infektion begünstigen. Covid-Patient: Bestimmte Krankheiten können den Verlauf des Coronavirus negativ beeinflussen.  (Quelle: imago images/ITAR-TASS)

Covid-Patient: Bestimmte Krankheiten können den Verlauf des Coronavirus negativ beeinflussen. (Quelle: ITAR-TASS/imago images)

Diabetes, Lungenkrankheiten oder auch Fettleibigkeit gelten schon lange als Risikofaktoren für Covid-19. Eine US-Studie hat jetzt auch einen Zusammenhang zu psychischen Erkrankungen hergestellt. 

Dass sich die Corona-Krise negativ auf depressiv Erkrankte auswirken kann, wurde bereits erforscht. Jetzt haben US-Wissenschaftler zusätzlich untersucht, welchen Einfluss psychische Erkrankungen auf den Verlauf einer SARS-CoV-2-Infektion nehmen können. 

Kohortenstudie mit mehr als 60.000 Covid-Patienten

In der Studie, die im November in dem Fachjournal "The Lancet" vorgestellt wurde, haben Wissenschaftler aus Daten von rund 69 Millionen Patientenakten 62.354 Covid-19-Patienten herausgefiltert. Anhand derer Daten haben sie untersucht, ob es einen Zusammenhang zwischen psychischen Erkrankungen und dem Coronavirus gegeben hat. Bei den untersuchten Patienten wurde zwischen dem 20. Januar und dem 1. August 2020 Covid-19 diagnostiziert. 

Die Wissenschaftler haben schließlich Kohorten von Patienten erstellt, bei denen sowohl Covid-19 als auch eine Reihe von anderen Erkrankungen festgestellt wurden. 

Zusammenhang zwischen Covid-19 und psychischen Erkrankungen

Schon zu Beginn der Pandemie gab es den Wissenschaftlern zufolge Bedenken bezüglich der Auswirkungen der Corona-Krise auf die psychische Gesundheit. Umfragen haben demnach ergeben, dass Covid-19-Patienten zu Angstsymptomen neigen, ebenso wie zu Depressionen und Schlaflosigkeit. Im Schnitt haben 22,5 Prozent der Corona-Patienten auch eine neuropsychiatrische Diagnose.

Verschiedene Studien haben außerdem gezeigt, dass Corona-Infektionen auch zu Delirium, manischen Symptomen und schlechtem Gedächtnis führen können.

Auf der anderen Seite stehen den US-Wissenschaftlern zufolge Corona-Risikofaktoren, die durch psychische Erkrankungen entstehen. Im Hinblick darauf haben sie eine große Fall-Kontroll-Studie durchgeführt. Das Ergebnis: Die Wahrscheinlichkeit, an Covid-19 zu erkranken, war bei Patienten mit Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS), bipolarer Störung, Depression und Schizophrenie erhöht. 

Kohortenstudie zum Einfluss von psychischen Erkrankungen 

Um diese Ergebnisse genauer zu untersuchen, haben die Forscher in ihrer Kohortenstudie betrachtet, ob Patienten mit psychiatrischen Vorerkrankungen ein höheres Risiko haben, an Covid-19 zu erkranken.

Zunächst haben die Wissenschaftler dazu bereits bekannte Risikofaktoren herausgefiltert. Dazu zählen unter anderem Alter, Geschlecht, Gewicht und Vorerkrankungen wie Diabetes, Asthma oder Herzerkrankungen.

"Wir haben nicht erwartet, dass die psychiatrische Anamnese ein unabhängiger Risikofaktor für Covid-19 sein wird", erklären die Wissenschaftler in der Studie. "Dieser Befund erscheint robust, wird in allen Altersschichten und bei beiden Geschlechtern beobachtet und war erheblich." 

Krankheitsform und Zeitpunkt der Diagnose nicht relevant

So habe sich ein 65-facher Überschuss an Covid-19-Erkrankungen bei zuvor psychisch Erkrankten ergeben. Dabei habe es keinen Unterschied gemacht, ob die Diagnose vor einem oder vor drei Jahren gestellt worden war. Auch die genaue Diagnose und das Vorhandensein von bereits bekannten physischen Risikofaktoren habe keinen Einfluss gehabt. 

"Trotzdem interpretieren wir diesen Befund vorsichtig, da eine koreanische Studie keinen Zusammenhang zwischen psychiatrischer Diagnose und Covid-19-Diagnose fand, wenn auch in einer viel kleineren Stichprobe und mit weniger Übereinstimmung", betonen die Studienautoren.

Warum könnten psychische Erkrankungen Corona-Infektionen beeinflussen?

Die Autoren vermuten unterschiedliche Erklärungen für den Zusammenhang von psychischen Erkrankungen und einer Covid-19-Erkrankung. Sie zählen beispielsweise Verhaltensfaktoren auf: Wer psychisch erkrankt sei, halte soziale Distanzierungsempfehlungen möglicherweise weniger gut ein. Hinzu kommen sozioökonomische Faktoren und Lebensstilfaktoren wie beispielsweise Rauchen. 

"Es könnte auch sein, dass die Anfälligkeit für Covid-19 durch den entzündungsfördernden Zustand erhöht wird, von dem gesagt wird, dass er bei einigen Formen von psychiatrischen Störungen auftritt oder mit Psychopharmaka zusammenhängt", heißt es in der Studie. 

Allerdings habe die Studie unter anderem auch dahingehend Grenzen, dass soziale und wirtschaftliche Faktoren nicht im Netzwerk erfasst werden und die Ergebnisse dennoch beeinflussen könnten. 

Verwendete Quellen:
  • The Lancet: "Bidirectional associations between Covid-19 and psychiatric disorder: retrospective cohort studies of 62.354 Covid-19 cases in the USA, 9. November 2020

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Ulla Popkentchibo.deOTTOmyToysbonprix.deLIDLBabistadouglas.deXXXLutz

shopping-portal