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Führt starker Pollenflug zu mehr Coronavirus-Infektionen?

Von dpa-afx
Aktualisiert am 10.03.2021Lesedauer: 3 Min.
Pollenzeit: Wenn Pollen fliegen, reagiert die Körperabwehr in abgeschwächter Form auf Viren der Atemwege.
Pollenzeit: Wenn Pollen fliegen, reagiert die Körperabwehr in abgeschwächter Form auf Viren der Atemwege. (Quelle: Alkimson/getty-images-bilder)
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Im Frühling beginnt die Pollenzeit – bei Allergikern brechen dann unangenehme Symptome aus. Doch welchen Einfluss haben Pollen auf die Corona-Krise? Forscher haben das nun untersucht.

Starker Pollenflug kann einer Studie zufolge das Corona-Risiko erhöhen. Gebe es viele Pollen in der Außenluft, stiegen die Infektionszahlen, berichtet ein internationales Team unter Leitung von Forschern der Technischen Universität München (TUM) und des Helmholtz Zentrums München im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences" ("PNAS"). Anlass zu übermäßiger Sorge gibt die Beobachtung nach Ansicht von nicht an der Studie beteiligten Experten aber nicht.


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Husten: Ein trockener Husten ist ein besonders häufiges Symptom für das Coronavirus. Der Husten kann zusätzlich zu Atemnot führen.
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Corona-Risiko durch Pollen in 31 Ländern untersucht

Die Forscher hatten Daten zu Pollenbelastung und Infektionsraten mit SARS-CoV-2 aus 130 Regionen in 31 Ländern auf fünf Kontinenten analysiert. Die Forscher berücksichtigten auch demografische Faktoren und Umweltbedingungen, darunter Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Bevölkerungsdichte sowie die Ausprägung des Lockdowns.

An Orten ohne Lockdown-Regelungen stieg die Infektionsrate im Schnitt um vier Prozent, wenn sich die Anzahl der Pollen in der Luft um 100 pro Kubikmeter erhöhte. In manchen deutschen Städten seien im Untersuchungszeitraum zeitweise pro Tag bis zu 500 Pollen auf einen Kubikmeter gekommen – zugleich stiegen laut Studie die Infektionsraten um mehr als 20 Prozent.

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Die täglichen Infektionsraten korrelierten mit der Pollenzahl in Ländern mit und ohne Lockdown. Galten in den untersuchten Gebieten Lockdown-Regeln, halbierte sich die Zahl der Infektionen im Schnitt bei vergleichbarer Pollenkonzentration in der Luft. Luftgetragene Pollen könnten einen Teil der Variabilität bei den Infektionsraten erklären; aber auch Luftfeuchtigkeit und Lufttemperatur spielten dabei eine Rolle, schreiben die Wissenschaftler weiter.

Beziehung zwischen Pollenflug und Infektionen

Jörg Kleine-Tebbe, Allergologe und Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) sagt in einer ersten Einschätzung: "Die Korrelation zwischen Pollenflug und Infektionen ist offenbar vorhanden, aber gering ausgeprägt." Es dürfe nun nicht Panik verursacht werden. "Das ist kein extremer Befund."

Der Münchner Infektiologe Clemens Wendtner sagt, dass Pollenexposition im Frühjahr zu einer erhöhten Infektanfälligkeit gegenüber bestimmten Viren führen könne, sei in der Fachliteratur beschrieben und prinzipiell bekannt. "Neu ist, dass dieser Effekt nun auch für das neue Coronavirus, also SARS-CoV-2, wissenschaftlich belegt wurde."

Masken sind weiterhin ein wichtiger Schutz

Man dürfe sich aufgrund eines vermeintlich schützenden Effektes der UV-Strahlen im Frühjahr nicht zu sehr in Sicherheit wiegen und das Masken- und Abstandsgebot vergessen, sagt der Chefarzt für Infektiologie an der München Klinik Schwabing. "Vielmehr sollte im Frühjahr, wenn besonders viele Pollen die Luft belasten können, ganz besonders auf das Tragen einer Partikelfiltermaske geachtet werden: die Maske filtert nicht nur zuverlässig die Pollen aus der Luft, sondern auch die SARS-CoV-2 Viren."

Hier erfahren Sie alles zum aktuellen Pollenflug.

Experten zufolge führen Pollen zu einer veränderten Immunabwehr im Menschen, sodass weniger der gegen Viren gerichteten Abwehr-Botenstoffe produziert werden, sogenannte antivirale Interferone.

Pollen in der Forschung zum Coronavirus berücksichtigen

Die Autoren der Studie geben darüber hinaus an, dass die Pollen die eigentlich heilsame Entzündungsreaktion beeinflussen, die der Körper auslöse, um Viren zu bekämpfen. Wenn viele Pollen fliegen, kann die Zahl der Atemwegserkrankungen daher ansteigen – dies gilt auch für Covid-19. Dabei spiele es keine Rolle, ob Betroffene an Allergien gegen diese Pollen leiden oder nicht.

"Betrachtet man die Verbreitung des SARS-CoV-2, müssen Umweltfaktoren wie Pollen mit in die Rechnung aufgenommen werden. Das Wissen um diese Auswirkungen eröffnet neue Wege für die Prävention und Abmilderung von Covid-19", sagte Erstautor Athanasios Damialis.

Die TUM-Umweltmedizinerin und Mitautorin Claudia Traidl-Hoffmann rät, in den nächsten Monaten Pollenflugvorhersagen zu Rate zu ziehen. "Staubfiltermasken zu tragen, wenn die Pollenkonzentration hoch ist, kann das Virus und den Pollen gleichermaßen von den Atemwegen fernhalten."

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Die weltweite Verbreitung von Covid-19 war den Autoren zufolge im Frühjahr 2020 mit dem ersten saisonalen Höhepunkt beim Flug von Baumpollen auf der Nordhalbkugel zusammengefallen. Unbekannt sei, ob andere Luftpartikel wie Pilzsporen oder Luftschadstoffe ebenfalls eine Rolle spielen könnten.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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Von Christiane Braunsdorf
  • Sandra Simonsen
Von Sandra Simonsen
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