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Impfmythen: Was ist dran an den Gründen gegen eine Impfung?

Wird die DNA manipuliert?  

Die drei größten Impfmythen – und was an ihnen dran ist

02.11.2021, 11:45 Uhr
Impfmythen: Was ist dran an den Gründen gegen eine Impfung?. Querdenken Demo: Viele Impfskeptiker haben teilweise absurde Gründe für ihre Entscheidung. (Quelle: imago images/aal.photo)

"Querdenken"-Demo: Viele Impfskeptiker haben teilweise absurde Gründe für ihre Entscheidung. (Quelle: aal.photo/imago images)

Es gibt immer noch Millionen Menschen in Deutschland, die sich aus unterschiedlichen Gründen nicht impfen lassen möchten. Aber was ist wirklich dran an den gängigsten Mythen rund um die Corona-Impfung?

Seit rund zehn Monaten werden in Deutschland Menschen gegen das Coronavirus geimpft. Unzählige Studien, Medienberichte und natürlich einzelne Wissenschaftler, Ärzte, Apotheker und medizinische Fachkräfte liefern seither Informationen rund um Wirkungsweise und Funktion der Vakzine. Trotzdem glauben immer noch viele Menschen an teils absurde Theorien und lassen sich nicht impfen. Ein Aufklärungsversuch zu den drei größten Irrtümern: 

1. Der Impfstoff verändert die DNA

Vor allem den neuen mRNA-Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna wird oft nachgesagt, sie könnten unser Erbgut verändern. Dazu hat der Virologe Professor Lars Dölken bereits im April erklärt: "Diese Behauptung ist ganz klar falsch." Denn die Impfstoff-mRNA gelange nicht in den Kern der menschlichen Zellen – dort, wo die DNA liegt. Der Impfstoff bewegt sich nur in den Außenbereichen der Zellen.

Hinzu komme laut Dölken, dass die Impfstoff-RNA extrem instabil sei. Nach etwa vier Wochen sei demnach "kein einziges Molekül" der Impfstoff-RNA mehr im Körper übrig. "Damit die Impfstoff-mRNA überhaupt unser Erbgut verändern könnte, müsste sie erst einmal von RNA in DNA umgeschrieben werden", so Dölken weiter. "Das können unsere Zellen aber gar nicht." Und selbst wenn das passieren würde und die Impf-mRNA in unsere eigene DNA eingebaut würde, "dies würde sofort durch unser Immunsystem erkannt und die entsprechende Zelle abgetötet". 

Das bestätigt auch die Virologin Melanie Brinkmann im Interview mit ZDFheute: "Das ist wirklich völliger Quatsch. Die mRNA kann sich nicht in unsere DNA, in unser Genom, integrieren." 

2. Die Impfstoffe können Langzeitschäden verursachen

Auch mögliche Langzeitschäden oder Spätfolgen der Impfung spielen für viele Ungeimpfte bei ihrer Entscheidung eine Rolle. Die Impfstoffe seien neu und noch zu wenig erforscht, Langzeitfolgen seien bisher nicht absehbar. Auch dieses Argument entkräften mittlerweile zahlreiche Experten.

So erklärt Biochemie-Professor Klaus Cichutek, Chef des Paul-Ehrlich-Instituts, gegenüber dem ZDF: "Generell ist es bei Impfstoffen so, dass die meisten Nebenwirkungen innerhalb weniger Stunden oder Tage auftreten, in seltenen Fällen auch mal nach Wochen. Langzeit-Nebenwirkungen, die erst nach Jahren auftreten, sind bei Impfstoffen generell nicht bekannt."

Auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung weist darauf hin, dass die meisten Nebenwirkungen bei Impfungen kurze Zeit nach der Impfung auftreten. Professor Carsten Watzl von der TU Dortmund erklärte bei "Phoenix", viele verstünden unter Langzeitfolgen eine Nebenwirkung, die etwa ein Jahr oder später nach der Impfung auftrete. "So etwas passiert nicht", betont der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie. "Nebenwirkungen treten bei Impfungen immer in den wenigen Wochen nach der Impfung auf." Auch auf Twitter betont der Wissenschaftler: "Vor Langzeitfolgen der Covid-19-Impfung muss man keine Angst haben!"

3. Geimpfte sind genauso ansteckend wie Ungeimpfte

Dazu erklärt unter anderem das Robert Koch-Institut, die Impfstoffe würden die Infektionen "in einem erheblichen Maße verhindern". Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand trotz vollständiger Impfung infiziert wird, sei "signifikant vermindert". Dadurch sei dann auch das Risiko einer Übertragung deutlich vermindert.

Doch: "Es muss davon ausgegangen werden, dass einige Menschen nach Kontakt mit SARS-CoV-2 trotz Impfung PCR-positiv werden und dabei auch infektiöse Viren ausscheiden." Das Risiko einer Übertragung sei aber insofern reduziert, dass Geimpfte zur Weiterverbreitung des Virus "nur noch wenig beitragen". Demnach können Geimpfte zwar selbst an Covid-19 erkranken und das Virus auch übertragen, das Risiko für beide Szenarien ist aber deutlich geringer als bei Ungeimpften.

Eine Studie aus Großbritannien zeigt zudem, wie sich die Übertragbarkeit der Delta-Variante bei Geimpften und Ungeimpften entwickelt. Dazu haben die Wissenschaftler mehr als 600 Kontaktpersonen von 471 Covid-Erkrankten analysiert. Die Wissenschaftler fanden so heraus, dass das Risiko einer Übertragung bei Haushaltskontakten, die der Delta-Variante ausgesetzt waren, bei 25 Prozent lag, wenn alle vollständig geimpft waren. Bei den Ungeimpften lag das Risiko bei 38 Prozent.

Zudem hat sich die Viruslast bei den Geimpften schneller reduziert als bei den Ungeimpften, Letztere waren folglich auch länger ansteckend. Doch: Die Viruslast bei Geimpften und Ungeimpften ist zunächst fast identisch. Weil jedoch auch die Immunität bei der Impfung nach einigen Monaten abnimmt, empfehlen mittlerweile zahlreiche Experten eine Booster-Impfung, vor allem für vulnerable Gruppen. 

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Robert Koch-Institut
  • Bundesregierung: "Impfwissen, Teil 2", 8. April 2021. 
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: "impfen-info.de"
  • ZDF: "Warum es keine Langzeit-Nebenwirkungen gibt", 20. Oktober 2021. 
  • Phoenix: "Corona nachgehakt" vom 2. November 2021. 
  • The Lancet: "Community transmission and viral load kinetics of the SARS-CoV-2 delta (B.1.617.2) variant in vaccinated and unvaccinated individuals in the UK: a prospective, longitudinal, cohort study", 29. Oktober 2021. 
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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