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Experte warnt: "Durchseuchung ist keine Option"

Von Christiane Braunsdorf

Aktualisiert am 30.03.2022Lesedauer: 4 Min.
Straßencafé in Frankfurt am Main: Wann und wie kommt die Nach-Corona-Normalität?
Straßencafé in Frankfurt am Main: Wann und wie kommt die Nach-Corona-Normalität? (Quelle: picture alliance / Daniel Kubirski | Daniel Kubirski/dpa-bilder)
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Die Corona-Inzidenzen schwanken, bleiben aber weiter enorm hoch. Haben wir die Kontrolle verloren? Und stehen jetzt alle Zeichen auf Durchseuchung? Ein Experte warnt eindringlich.

Verwirrung um den Freedom Day: In einigen Bundesländern sollen die Anti-Corona-Maßnahmen Anfang April weitgehend fallen. Andere Länder kündigen an, einige Maßnahmen aufrechterhalten zu wollen. Wie riskant sind Lockerungen zurzeit? t-online fragte den Mathematiker Kristan Schneider, der die Pandemie modelliert.


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t-online: Herr Schneider, einige Bundesländer haben angekündigt, Anfang April zu den sogenannten Basisschutzmaßnahmen überzugehen. Halten Sie das für richtig?

Kristan Schneider: Nein, bei diesen Inzidenzen würde ich dringend davon abraten. Wir brauchen einen klaren Abwärtstrend bei den Infektionszahlen. Bislang ist der nicht erkennbar.

Die Inzidenzen nehmen aber etwas ab oder stagnieren …

Sie sind aber noch nicht niedrig genug, um überhaupt eine Veränderung vornehmen zu können.

Kristan Schneider
Kristan Schneider (Quelle: Helmut Hammer)


Kristan Schneider ist Mathematik-Professor an der Hochschule Mittweida. Sein Forschungsschwerpunkt ist die Modellierung epidemiologischer Prozesse.

Aber sind wir nicht im Grunde in dem Prozess der Durchseuchung?

Nein, das würde noch sehr lange dauern, wenn es überhaupt möglich ist, was ich bezweifle. Bislang haben wir 20 Millionen Genesene, wie das RKI berichtet. Die Dunkelziffer ist sicher höher. Aber um noch zusätzlich 40 Millionen zu erreichen, müssten wir 400.000 Infektionen am Tag über 100 Tage erreichen. Und die Konsequenzen davon sind nicht kalkulierbar. Die Durchseuchung ist aus meiner Sicht keine Option.

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Was meinen Sie damit?

Wir wissen nicht, wie Long Covid sich auswirkt. Wir wissen auch nicht, welche Kosten für Reha-Maßnahmen dieser Menschen auf uns zukommen. Auch die Tatsache, dass viele Menschen durch eine solche Folgeerkrankung aus dem Arbeitsleben gerissen werden, bedeutet enorme Kosten für die Wirtschaft. Alles in allem ist klar: Die unkontrollierte Durchseuchung birgt enorme Risiken und bringt womöglich gar nichts, da man das Virus dadurch nicht ausrotten kann. Vielmehr werden womöglich gefährlichere Varianten entstehen und man steht nach einer sogenannten Durchseuchung schlechter da als zuvor.

Wenn wir nun öffnen wollen, rechnen Sie mit einem Anstieg der Zahlen?

Ja, das hat man zum Beispiel auch in Österreich gesehen. Dort rauschte die Inzidenz von 1.600 auf 3.600 nach oben.

Und das, obwohl auch die Teststrategie verändert wurde? Dann wäre die Dunkelziffer noch viel höher?

Ja, aber auch zum Beispiel die Laborkapazität bestimmt die Obergrenze der zu ermittelnden Zahlen. Ich bin der Meinung, dass bei einem Sieben-Tages-Mittel von ca. 300.000 Neuinfektionen täglich Schluss ist. Ein guter Teil der Kapazitäten ist schließlich an gewisse Berufsgruppen gebunden. Krankenpfleger, Ärzte etc. müssen permanent getestet werden. Wenn sie alles richtig machen, sollten sie sich nicht infizieren.

Man testet also (gerade bei Ärzten) eine Gruppe, die eine hohe Impfquote hat und Maskentragen gewöhnt ist. Natürlich sind diese Tests dann mit hoher Wahrscheinlichkeit negativ. Viele werden zusätzlich auch schon genesen sein. Das Infektionsrisiko ist somit gering. Als Fazit kann man sagen, dass nicht nur eine Obergrenze für die Anzahl der Tests besteht, sondern auch für den Positivanteil.

Nun fordert der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), Thomas Fischbach, die Testpflicht an den Schulen aufzuheben und nur noch symptomatische Kinder zu testen. Wie stehen Sie dazu?

Da ist die Frage, was man erreichen will. Will man die Durchseuchung mit all ihren Risiken, sollte man die Tests gleich ganz lassen. Das Problem ist, dass gerade Kinder oft asymptomatisch infiziert sind oder auch eben schon bevor sie Symptome zeigen, infektiös sind. Außerdem können auch Genesene sich reinfizieren.

Das alles zeigt: Ohne Tests an den Schulen kappt man die Infektionsketten nicht. Und über die Drehscheibe der Berufstätigen werden diese Infektionen weitergetragen und kommen dann eben auch bei denen an, die besonders vulnerabel sind – bei den Menschen ab 60 Jahren. Das beobachten wir gerade. Und wir müssen uns klar sein: Die Hospitalisierungen sehen wir immer mit etwas Verzug.

Das scheint auch eine besonders schwierige Stelle in der Novellierung des Infektionsschutzgesetzes zu sein. Offenbar ist ja nicht wirklich klar, wann eine Region als Hotspot ausgewiesen werden kann. Nun hat Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) nachgelegt und einige Kriterien genannt. Unter anderem gehört dazu, dass eingegriffen werden soll, wenn Patienten in andere Krankenhäuser verlegt werden müssen. Ist es dann nicht eigentlich schon zu spät?

Ja, wenn die Infizierten schon gehäuft in den Krankenhäusern ankommen, ist es eigentlich schon zu spät. Nachträglich kann man nicht bremsen. Und das kann bei verfrühten Öffnungen sehr schnell gehen. Wahrscheinlich muss man das jetzige Niveau der Zahlen dann mit zehn multiplizieren. Und diese Infektionen können ja nicht mehr gezählt werden und werden sich als Dunkelziffer bemerkbar machen.

Also verhagelt uns Corona doch den Frühling?

Ich denke, so sollte man es nicht sehen. Klar ist aber, wir werden in diesem Jahr nicht in gleichem Maße einen Rückgang der Zahlen sehen wie im letzten Jahr. Das Virus behält zwar seine Saisonalität, doch durch die Tatsache, dass Omikron eben so viel ansteckender ist, wird dieser Effekt der sinkenden Zahlen im Frühling ausgebremst. Je länger wir Kontaktbeschränkungen und Masken beibehalten, desto besser stehen die Chancen auf einen entspannten Sommer. Vielleicht muss man es so betrachten.

Aber auch im Sommer wird das Virus nicht weg sein, warnt ja auch bereits der Virologe Christian Drosten.

Nein, davon ist nicht auszugehen. Vor allem müssen wir uns aber auf den Herbst vorbereiten. Und da wäre die Einführung einer allgemeinen Impfpflicht ein wichtiger Schritt.

Herr Schneider, wir danken Ihnen für das Gespräch!

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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Von Christiane Braunsdorf
  • Sandra Simonsen
Von Sandra Simonsen
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