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Pisa-Studie: Harsche Kritik – "Äpfel mit Birnen verglichen"


So schummeln andere Länder bei der Pisa-Studie

Von t-online, dom

05.12.2023Lesedauer: 3 Min.
Eine Schülerin rauft sich die Haare (Symbolbild): Wie aussagekräftig ist die Pisa-Studie?Vergrößern des BildesEine Schülerin rauft sich die Haare (Symbolbild): Wie aussagekräftig ist die Pisa-Studie? (Quelle: imago)
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Müssen wir wirklich neidisch nach Südkorea oder gar China schielen? Kritiker der Pisa-Studie verneinen das. Hier würden Äpfel mit Birnen verglichen.

Alle Jahre wieder bekommen wir Deutschen schlechte Nachrichten: Unsere Kinder schneiden im Pisa-Leistungsvergleich nicht gut ab. Das ist auch 2023 wieder so. Dabei stürzten die 15 Jahre alten Teilnehmer in Mathematik besonders stark ab und landeten im Nationenvergleich auf Platz 26, wie die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am Dienstag in Berlin mitteilte. Sie erreichten einen Punktwert von 475; bei der vorherigen Untersuchung, die 2019 veröffentlicht wurde, waren es noch 500. Im Lesen kamen sie auf 480 (2019: 498) und in Naturwissenschaften auf 492 (2019: 503).

Die Pisa-Studie dient laut OECD dazu, Informationen über die grundlegenden Kompetenzen von Schülern zu erhalten. Es wird Fachwissen abgefragt, das Leseverständnis getestet und die mathematische Grundbildung sowie das naturwissenschaftliche Verständnis anhand von Textaufgaben untersucht. Ziel der Untersuchung ist es, die Schulsysteme der teilnehmenden Länder miteinander zu vergleichen.

"Nationen-Ranking ist eine enorme Verzerrung"

Aber tut sie das tatsächlich? Dem Pädagogen und Historiker Rainer Bölling ist ein Merkmal des Pisa-Testes ein besonderer Dorn im Auge. Er sagte "ndr.de" in einem Interview: "Ein großes Problem ist zum Beispiel dieses Nationen-Ranking, das immer im Vordergrund steht. Da werden Äpfel mit Birnen verglichen."

Bölling erklärt, dass Pisa Stichproben testet, die repräsentativ sein sollen für die 15-Jährigen, um die es geht. Bei diesen Stichproben würden in den Ländern ganz unterschiedlich viele Schüler erfasst. Beim letzten Mal sei Deutschland mit 99,3 Prozent Spitzenreiter bei der Erfassungsquote gewesen. Es seien also so gut wie alle Schüler durch diese Stichprobe repräsentiert worden. In anderen Ländern habe man unter 90, manchmal auch unter 80 Prozent gelegen. "Und das wird dann miteinander verglichen, als wenn es dasselbe wäre", kritisiert Bölling.

Durch den Zustrom von Migranten sei beispielsweise in Schweden der Erfassungsgrad um acht Punkte auf 86 Prozent zurückgegangen, in Deutschland sei er gestiegen. Im Ergebnis heißt das laut Bölling: "Schweden hat sich mit den Zahlen verbessert und Deutschland hat sich verschlechtert. Das ist aber ganz offensichtlich darauf zurückzuführen, dass man in Schweden gesagt hat: Wir haben viele Migranten, die nicht hinreichend die Test-Sprache können – also lassen wir sie raus. In Deutschland werden offenbar alle getestet, egal, ob sie dem gewachsen sind oder nicht. Von daher bedeutet dieses Nationen-Ranking eine enorme Verzerrung."

Böllings Auffassung nach müssen wir Deutschen nicht neidisch nach Japan, Singapur, China oder Südkorea schielen. Er sagt, die erhobenen Daten seien nicht vergleichbar. "Pisa liefert eine Menge an Daten, die interpretiert werden müssen, die teils falsch interpretiert werden. Und deshalb kann man daraus keine wirklichen Schlüsse auf Verbesserungen ziehen", so Bölling im NDR.

Krankmeldung statt Pisa-Teilnahme?

Die Kritik an Pisa gibt es schon seit vielen Jahren. Bereits im Jahr 2019 hatte Heiner Barz, damals Leiter der Abteilung für Bildungsforschung und Bildungsmanagement an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, die Stichprobenziehung kritisiert. Während in Deutschland darauf geachtet werde, dass Kinder aller Schulformen einschließlich der Sonder- und Förderschulen dabei sind, wird anderswo anders entschieden. Barz: "In anderen Ländern kann es vorkommen, dass am Tag der Pisa-Erhebungen den schlechteren Schülern vielleicht nahegelegt wird, sich krankzumelden."

Und auch eine im Wissenschaftsmagazin "Science" veröffentlichte Schrift von Wissenschaftlern aus Harvard und vom Boston College kritisierte die Methodik hinter Pisa. Die Autoren Judith B. Singer (Harvard) und Henry I. Braun (Boston College) stellten fest: "In einigen Ländern werden gerade 15-Jährige aus vermeintlich bildungsfernen Familien ausgespart." So hätten zum Beispiel in Shanghai Jungen und Mädchen, die aus ländlichen Gebieten Chinas zugewandert waren, gar kein Recht auf einen Platz an den städtischen Schulen. Dadurch würden 27 Prozent der Kinder in diesem Jahrgang gar nicht erfasst, und die guten Platzierungen von Ländern wie China, Singapur und Hongkong müssten neu betrachtet werden.

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