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Geschwister bloß nicht miteinander vergleichen

dpa-tmn, t-online, sca

08.05.2012Lesedauer: 3 Min.
Die meisten Kinder glauben, dass ihre Eltern einen Liebling hatten.
Die meisten Kinder glauben, dass ihre Eltern einen Liebling hatten. (Bild: Archiv)
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Wer ist Erster? Wer war besser? Darüber entbrennt zwischen Geschwistern immer wieder Streit, egal, ob es um Spiel und Sport, ums Anziehen oder um Lernerfolge geht. Eltern fällt es dabei nicht immer leicht, Aufmerksamkeit und Lob gerecht zu verteilen. Ganz ehrlich: Haben nicht auch Sie ein Lieblingskind? Wie man vermeidet, dass Rivalität zwischen Geschwistern eskaliert. (Testen Sie auch: Wie gut verstehen sich Ihre Kinder miteinander)

Eltern sollten Rivalität nicht fördern

"Besonders bei Kindern, deren Altersabstand gering ist und die das gleiche Geschlecht haben, kommt es leicht zu rivalisierendem Verhalten. Das ist normal und wird sich mal mehr und mal weniger intensiv zeigen", sagt Andreas Hundsalz von der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke). Eltern sollten dafür sorgen, dass jedes Kind ausreichend Zuwendung und Aufmerksamkeit bekommt. Rivalität sollten sie möglichst nicht fördern.

Absolute Gerechtigkeit ist nicht möglich

"Dies können sie erreichen, indem sie die Einzigartigkeit eines jeden Kindes betonen und auf Vergleiche verzichten. Dabei kann es auch hilfreich sein, sie zumindest ab und zu getrennt jeweils durch Mutter beziehungsweise Vater zu betreuen", rät Hundsalz. Letztlich müssten Eltern sich selbst und den Kindern klar machen: Eine absolute Gerechtigkeit gibt es nicht.

Kinder erleben Eltern als parteiisch

Wenn Eltern ein zweites oder drittes Kind bekommen, nehmen sie sich fast immer vor, alle ihre Kinder gleich zu behandeln und mit der gleichen Intensität zu lieben. Mütter und Väter wehren sich meist vehement gegen den Eindruck, ein Kind zu bevorzugen. Aus der Perspektive der Kinder gelingt das häufig aber nicht. Ein Kind kann die Kränkung, weniger als ein Geschwisterkind geliebt zu werden, nur schwer verarbeiten.

Nesthäkchen werden bevorzugt

In Studien geben fünfzig Prozent der Mütter zu, ein Kind zu bevorzugen. Meistens bevorzugen sie das jüngste Kind. Dies ist besonders dann der Fall, wenn das Nesthäkchen ein Mädchen ist, sagt der Kinderpsychologe Wolfgang Bergmann. Auch Problemkinder erhalten manchmal besonders viel Aufmerksamkeit, während die unproblematischen Geschwister weniger beachtet werden.

Ähnlichkeit schmeichelt

Auch der Charakter oder das Äußere des Kindes können dabei eine Rolle spielen. In der Regel schmeichelt Ähnlichkeit den Eltern: Mehr als drei Viertel der Eltern fühlen sich geschmeichelt, wenn ihnen jemand sagt, dass ihre Sprössling ihnen sehr ähnlich ist. Auch als Begründung, warum ihnen ein Kind besonders nah sind, geben viele Mütter an, dass ihnen ein ähnlicher Charakter den Umgang mit dem bevorzugten Kind erleichtere.

Meistens wechseln die Lieblingskinder

Dass Elternteile zeitweise eines der Kinder bevorzugen, ist ganz normal. Meistens wechseln die Lieblingskinder phasenweise. Stellen Eltern aber fest, dass sie ein Kind dauerhaft bevorzugen, sollten sie überlegen, welche Eigenschaften sie in dem einen Kind sehen und bei dem anderen vielleicht vermissen. Genauso wie sich Eltern über Ähnlichkeiten freuen, können sie nämlich auch zu Ärger fühlen, wenn man bei dem Kind eine negative Eigenschaft feststellt, die ein Elternteil an sich selbst nicht mag. Zum Beispiel mag sich ein unsportlicher Vater darüber ärgern, dass auch ein Sohn im Sport immer wieder mit einer Drei oder Vier nach Hause kommt.

Jedes Kind hat seine liebenswerten Eigenschaften

Generell sollten Eltern auch nicht erwarten, dass sie ihre Kinder auf die gleiche Art lieben. Jede Mutter und jeder Vater liebt jedes Kind auf eine eigene Weise, wobei eine Quantifizierung sicher nicht einfach ist. Laut Bergmann ist die Frage so schon falsch gestellt. Denn die Liebe müsse nicht aufgeteilt werden wie ein Kuchen. Gefühle erschöpften sich nicht und könnten auch nicht abgemessen werden wie Backzutaten zu einem Kuchen. Das Maß an Aufmerksamkeit entspricht nicht zwangsläufig dem Maß an Liebe und Zuneigung. Deshalb ist es wichtig, sich und den Kinder klarzumachen, dass sie alle Kinder lieben, jedes auf eine eigene, besondere Weise. Aber nicht mehr oder weniger.

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