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Mordfall Mirco: Die Eltern des ermordeten Jungen schildern ihre Erfahrungen in einem Buch


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Mordfall Mirco und die Trauer der Eltern: "Wir werden Mirco wiedersehen"

Von afp, dapd
06.09.2012Lesedauer: 4 Min.
Mircos Eltern - ihre Gefühle haben sie jetzt aufgeschrieben: "Mirco. Verlieren. Verzweifeln. Verzeihen."
Mircos Eltern - ihre Gefühle haben sie jetzt aufgeschrieben: "Mirco. Verlieren. Verzweifeln. Verzeihen." (Quelle: dapd)
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Sie haben das Schlimmste erlebt, was Eltern geschehen kann: Ihr zehnjähriger Sohn Mirco wurde ermordet. Der Mordfall Mirco hat ganz Deutschland bewegt. Verzweifelt sind Reinhard und Sandra Schlitter dennoch nicht. Sie schafften sogar das, was vielen Menschen undenkbar erscheint - sie konnten dem Täter vergeben. Ihre Erfahrungen und Gefühle in dieser schrecklichen Zeit der Ungewissheit haben sie in einem Buch aufgezeichnet, es heißt "Mirco. Verlieren. Verzweifeln. Verzeihen".

Mordfall Mirco - der Schmerz der Eltern

Fast auf den Tag genau zwei Jahre nach Mircos Entführung und Ermordung veröffentlichten die Schlitters ihr Buch "Mirco. Verlieren. Verzweifeln. Verzeihen." Darin berichten sie nicht nur über die Ereignisse seit Mircos Verschwinden am 3. September 2010, sondern schildern vor allem, wie es ihnen gelungen ist, an dem Verlust nicht zu zerbrechen und ihren Frieden mit dem Mörder ihres Sohnes zu schließen.

Sie konnten dem Täter verzeihen

"Es ging uns nicht darum, Mirco ein Denkmal zu setzen", betonte Sandra Schlitter bei der Vorstellung des Buches in Berlin. Auch wenn es eine Rolle gespielt habe, "noch einmal in Erinnerungen zu schwelgen". Am wichtigsten sei jedoch gewesen, zu zeigen, wie sie mit der Situation umgegangenen seien, ohne zu verzweifeln, und wie sie den Weg zurück ins Leben gefunden hätten, sagte die 36-Jährige.

Sie hätten noch einmal anschauen wollen, was sie in den zehn Jahren mit Mirco erlebt hätten. "Ich wollte etwas Positives sehen, damit ich nicht daran kaputt gehe", fügt sie hinzu.

"Es ist beklemmend, darüber zu reden"

Über die Tat zu sprechen fällt den beiden trotz des Buches schwer. "Es ist beklemmend, darüber zu reden", sagt Reinhard Schlitter. Am 3. September 2010 kam Mirco nach einem Besuch auf der Skaterbahn nicht nach Hause. In den Tagen danach habe er "nur reagiert", sagt sein Vater. Im Buch schreibt der 44-Jährige, er habe "wie in Trance" die Verhöre bei der Polizei über sich ergehen lassen. "Man ist nicht im Krieg, man war nicht an einem schweren Verkehrsunfall beteiligt, man kann nur versuchen, einem geliebten Menschen nachzufühlen, der plötzlich räumlich nicht mehr da ist", beschreibt er seine Gefühle.

"Wir haben gefleht, gebeten und gebettelt"

In den ersten Wochen nach dem Verschwinden Mircos zieht sich die Familie zurück, "hält zusammen", wie Sandra Schlitter es ausdrückt. Sie meidet die Presse und lebt von der Hoffnung. Nach 21 Tagen wenden sich die Eheleute in einem Fernsehaufruf an die Öffentlichkeit. "Wir haben gefleht, gebeten und gebettelt, endlich ein Zeichen zu bekommen", schreibt die 36-Jährige. Doch vom Täter fehlt weiterhin jede Spur.

Der Glaube gab den Eltern Halt

Zentral war für die Schlitters - die noch drei weitere Kinder haben, denen sie ein normales Leben ermöglichen wollen - ihr tiefer Glaube an Gott. "Wir haben ihm unsere Gedanken und unsere Verlorenheit mitgeteilt", sagte Reinhard Schlitter über die 145 Tage währende Zeit der Ungewissheit, in der Mirco verschwunden war und die Eltern bangten, hofften und beteten, ihr Sohn möge noch am Leben sein.

Als sich die Hoffnung zerschlug

Die Hoffnung zerschlug sich am 26. Januar 2011, als die "Soko Mirco" unter Leitung von Hauptkommissar Ingo Thiel den Familienvater Olaf H. festnahm, der die Ermittler schließlich zur Leiche des Kindes führte. Der 45-Jährige wurde im September 2011 zu lebenslanger Haft verurteilt.

Hoffnungen, ihren Sohn lebend wiederzufinden, hatte Thiel den Eltern ohnehin von Anfang an nicht gemacht. Auch diese Situation schildern die Schlitters in dem Buch. Für sie als Mutter sei das zunächst "ein Schlag vor den Kopf" gewesen, erinnert sich Sandra Schlitter. Dennoch beschreiben die Eltern die Offenheit des Kommissars als "die beste Chance, das Geschehene zu begreifen".

Verzeihen als bewusster Schritt

Hass auf den Menschen, der ihnen ihr Kind weggenommen hat, hegen die Schlitters nicht. Reinhard Schlitter ist überzeugt: Wenn er Hass empfände, würde er werden wie der Täter. "Der Schritt, dem Täter zu vergeben, war eine bewusste Entscheidung", sagte der 44-Jährige. Hass auf den Mann, der Mirco ermordete, hätte ihre Familie zerstört, ist sich das Paar sicher.

Kontakt zu Olaf H., für den sie laut eigener Aussage beten, haben die Schlitters nicht aufgenommen. "Es gab von Täterseite kein Signal, dass Interesse besteht", sagte Mircos Mutter.

Nie mit Gott gehadert

Gehadert mit Gott haben die Eltern auch in den schlimmsten Momenten nie. "Nicht Gott bringt Leid auf die Erde, sondern der Mensch ist frei, sich für gut oder böse zu entscheiden", ist sich Reinhard Schlitter sicher. "Dieser Mann hat sich für das Böse entschieden."

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Zurückgefunden in den Alltag

Die Familie hat inzwischen zu einem halbwegs normalen Leben zurückgefunden. "Wir führen unseren Alltag weiter, gehen unseren Jobs nach." Auch die übrigen drei Kinder - Julia, Judith und Alex - hätten wieder im Schulalltag Fuß gefasst. "Wir nehmen auch an Feiern teil, wie Hochzeiten und Geburtstagen", berichtete Sandra Schlitter. Es gebe immer wieder Phasen der Trauer, ihr Leben aber könnten sie dennoch führen. Die Eltern sind sich sicher: "Wir werden Mirco wiedersehen." Am 18. September wäre Mirco 13 Jahre alt geworden.

Buchtipp: Sandra und Reinhard Schlitter mit Christoph Fasel: "Mirco. Verlieren. Verzweifeln. Verzeihen", erschienen am 6. September im Adeo Verlag, 17,99 Euro.

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  • Claudia Zehrfeld
Von Claudia Zehrfeld
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