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Das erste Weihnachten mit Kind - drei Regeln gegen Stress

dpa, Johanna Uchtmann

Aktualisiert am 18.12.2014Lesedauer: 3 Min.
Das erste Weihnachtsfest mit Baby - so schaffen Familien ihre eigenen Rituale.
Das erste Weihnachtsfest mit Baby - so schaffen Familien ihre eigenen Rituale. (Quelle: /Thinkstock by Getty-Images-bilder)
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Schnuller

Vor der Treppe steht jetzt ein niedriges Gitter, Zerbrechliches wandert im Regal immer höher, die SchrÀnke haben Kindersicherung. Ist das Baby da, Àndert sich vieles - auch das Weihnachtsfest. Mit Kind stellt die kleine Familie ihr eigenes Fest auf die Beine.

Hannes und seine Partnerin verbrachten das erste Weihnachten mit der kleinen Sophie in Portugal. "Fernab vom sonstigen Trubel", sagt der 32-JĂ€hrige.

Drei Regeln gegen Stress

Richtig so, sagen Experten. Zumindest, wenn der Trubel gleichzeitig Stress bedeutet. Denn der ĂŒbertrĂ€gt sich von den Eltern automatisch aufs Kind, warnt Peter Groß vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP). Psychologische Nabelschnur nennt der Kölner Diplompsychologe diese Verbindung. Stress sollten junge Eltern also so gut es geht vermeiden.

Das muss nicht unbedingt Weihnachten in Portugal bedeuten. Das Prinzip des stressfreien Festes funktioniert auch zu Hause: "Kein unnötiger Aufwand, kein kompliziertes Essen, Baum und Geschenke rechtzeitig einkaufen", rĂ€t Groß.

Am ersten Feiertag zu seinen Eltern, am zweiten zu ihren und abends noch die Freunde von frĂŒher treffen - Besuche können ein Stressfaktor sein. Am ersten Weihnachtsfest mit Kind dĂŒrfe es deshalb ruhig heißen: Wir bleiben mal gemĂŒtlich unter uns, sagt Groß. Das hat auch Hannes so gehandhabt - allein schon der Entfernung wegen. Und die Großeltern? "Die fanden das auch mal okay. Wir haben ja telefoniert", erzĂ€hlt der junge Vater.

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Weihnachtsstimmung - zwischen Faszination und Überforderung

Die psychologische Nabelschnur funktioniert aber nicht nur als Stressmacher, sondern auch als StimmungsknĂŒller. Die Weihnachtsstimmung der Eltern komme beim Baby an, sagt Groß. Blinkende LĂ€mpchen, kleine Figuren, rote Tischdecken lösen Staunen aus. "Da reißt das Kind die Augen ganz weit auf", weiß Groß. Die Wohnung weihnachtlich zu schmĂŒcken, sich und die Familie in Stimmung zu bringen, ist also auch bei SĂ€uglingen keine vertane LiebesmĂŒh.

"Manche Babys mögen diese vielen neuen EindrĂŒcke, manche sind damit aber schnell ĂŒberfordert", weiß Britt Tönjes vom Lehrstuhl fĂŒr Entwicklungspsychologie der Uni Bamberg. SĂ€uglinge signalisieren schnell, welcher Typ sie sind. Und darauf mĂŒssen Eltern auch reagieren. "Ein SĂ€ugling hat noch nicht viele Möglichkeiten, seine Stimmung selbst zu regulieren", sagt Tönjes. Ist die Umgebung zu aufregend, weil das stĂ€ndige Weihnachtsgedudel von der CD nervt, kann er sie nicht ausschalten oder weggehen. "Da muss er eben Mama organisieren", sagt Tönjes - also schreit er.

Ob das CD-Gedudel nervt, ist Geschmackssache. Sehr wahrscheinlich gefalle es einem Baby aber deutlich besser, wenn die Eltern selber singen, regt Tönjes an. Auch Groß weiß: "Im Allgemeinen sind Kinder entzĂŒckt, wenn Eltern singen."

Geschenke spielen keine Rolle

EntzĂŒckt sind SĂ€uglinge auch von Knisterpapier oder Kartons, von KrabbelkĂ€fern oder Lichtreflexen. Deshalb sollten Eltern es mit dem Schenken nicht ĂŒbertreiben. Geschenke seien dem Kind völlig egal, erklĂ€rt Groß. Denn ein Baby kenne den Eigentumsbegriff noch nicht. Es nimmt sich einfach, was ihm gefĂ€llt - und das weicht von den Wertvorstellungen seiner Eltern manchmal ganz schön ab: Die teure Puppe kann sehr spannend sein - aber auch die schmutzige Serviette vom Abendessen.

Zum Festmahl den normalen Brei

Das Abendessen! Was soll bloß auf den Tisch zu diesem besonderen Anlass? Das erste Fest mit Kind kommt schließlich niemals wieder. Im Zweifel der Brei, den es jeden Tag gibt, rĂ€t Tönjes. Zwar dĂŒrften Eltern natĂŒrlich ruhig auch etwas Besonderes pĂŒrieren. Das komme möglicherweise sogar richtig gut an. Abwechslung auf dem Teller könne aber auch nach hinten losgehen. "Wenn das Baby abends ohnehin schon quengelig ist vom aufregenden Tag, lieber bei Gewohntem bleiben."

Auch ungewohnte Orte können das Baby stressen - der Besuch des Gottesdienstes kann deshalb heikel sein. "Das Geschrei könnte vor allem Àltere KirchgÀnger stören, weil sie die Predigt dann nicht verstehen", sagt Tönjes. Ob Eltern es trotzdem wagen, sollten sie davon abhÀngig machen, wie sehr es sie selbst stresst. Besser ist es, auf einen speziellen Kindergottesdienst auszuweichen, der in den meisten Gemeinden am spÀten Nachmittag des 24. Dezembers stattfindet.

Erwartungen an Weihnachten nicht zu hoch schrauben

Als Grundregel zum ersten Weihnachten mit Kind gilt laut Tönjes: "Nicht zu viele Erwartungen haben." Wer enttĂ€uscht ist, dass der Nachwuchs weder dem aufwendigen KarpfenpĂŒree noch dem teuren Beißring Aufmerksamkeit schenkt, ist frustriert. Und Frustration stresst nur wieder. Auch Hannes hat beobachtet, dass es seiner Sophie eigentlich egal war, ob sie in Portugal oder Deutschland ĂŒber Weihnachten staunte: "Das hat sie alles nicht so bewusst mitgeschnitten."

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