Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

"Das Selbstwertgef├╝hl wird massiv getroffen"

Von dpa
Aktualisiert am 07.02.2017Lesedauer: 4 Min.
Cybermobbing: Gemeinheiten der Mitsch├╝ler verbreitet sich rasant ├╝ber soziale Medien und Messenger.
Gemeinheiten der Mitsch├╝ler verbreitet sich rasant ├╝ber soziale Medien und Messenger. (Quelle: klicksafe/Maribelle Photography/dpa-bilder)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo

Die Dem├╝tigung sitzt tief und sie verbreitet sich rasant und unaufhaltbar ├╝ber WhatsApp, Facebook, Instagram, Snapchat und Co. Etwa jeder f├╝nfte Jugendliche war bereits Opfer von Cybermobbing, aber es trifft auch Erwachsene am Arbeitsplatz. Die Folgen k├Ânnen gravierend sein.

Formen von Cybermobbing

  • Cyberstalking: Der Begriff bezieht sich auf das Stalking im Netz, also die Bel├Ąstigung, Verfolgung oder sonstige Behelligung einer Person, etwa des Ex-Partners.
  • Revenge Porn (Racheporno): In manchen Beziehungen verschicken die Partner freiz├╝gige oder intime Fotos und Videos per Handy, das nennt man auch Sexting (Sex + texting). Nach der Trennung werden diese manchmal aus Eifersucht oder Wut ├Âffentlich gemacht. In diversen L├Ąndern und zahlreichen US-Bundesstaaten gibt es Gesetze dagegen, die Opfer sch├╝tzen sollen.
  • Outing: Jeder hat Geheimnisse, die er nicht mit anderen teilen will. Gelegentlich werden sie b├Âswillig im Netz ver├Âffentlicht - "geoutet".
  • "Happy Slapping" (fr├Âhliches Schlagen): Dabei werden gewalt├Ątige ├ťbergriffe - vom spontanen Schlagen auf die Wange bis hin zur sexuellen N├Âtigung - per Kamera aufgezeichnet. Das Material wird dann ins Netz gestellt und das Opfer damit erneut gedem├╝tigt.

Umfrage: Cybermobbing wird untersch├Ątzt

Bei einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Toluna gaben 87 Prozent der Befragten an, Mobbing im Internet werde als Problem untersch├Ątzt. "Cybermobbing ist weiterhin sehr brisant, etwa durch die wachsende mobile Internetnutzung", sagt Peter Widlok von klicksafe.de. Die EU-Initiative koordiniert die Aktionen zum Safer Internet Day in Deutschland. Zudem ist nun eine Stop-Mobbing-Woche ausgerufen worden, um Menschen weiter f├╝r das Thema zu sensibilisieren. Ein enormer Teil der Kommunikation von Jugendlichen verl├Ąuft inzwischen online. Widlok geht davon aus, dass Mobbing sowohl im realen Alltag als auch digital stattfindet.

Was macht Cybermobbing so gef├Ąhrlich?

Zum einen verbreiten und vervielf├Ąltigen sich Gemeinheiten im Netz rasant, zum anderen ist es schwierig, sie zu l├Âschen, erkl├Ąrt Uwe Leest vom B├╝ndnis gegen Cybermobbing. Ein weiteres Problem: Die Anonymit├Ąt senkt die Hemmschwelle. Auch sind sich viele T├Ąter der Folgen ihres Handelns nicht bewusst, weil sie diese nicht direkt mitbekommen. "Die Tr├Ąnen sind nicht sichtbar. Dadurch fehlt der psychologische Reflex aufzuh├Âren, wenn das Opfer am Boden liegt", meint Leest.

Wie verbreitet ist Mobbing im Netz?

So genau kann man das nicht sagen, denn die Zahlen variieren. Eine weltweite Online-Studie des Mobilfunkanbieters Vodafone und des Meinungsforschungsinstituts YouGov von 2015 ergab, dass jeder f├╝nfte Jugendliche schon einmal Opfer von Cyberattacken wurde.

ANZEIGEN
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Meistgelesen
Deutschland hat sich in eine gef├Ąhrliche Lage man├Âvriert
Wladimir Putin 2012 im Kanzleramt in Berlin.


Die JIM-Studie 2016 ("Jugend, Information, (Multi-)Media") des Medienp├Ądagogischen Forschungsverbundes S├╝dwest ergab, dass jeder dritte 12- bis 19-J├Ąhrige jemanden kennt, der im Internet oder per Handy fertig gemacht wurde. Acht Prozent gaben an, bereits selbst Opfer von Cybermobbing gewesen zu sein. M├Ądchen waren etwas h├Ąufiger betroffen (neun Prozent) als Jungen (sieben Prozent).

Welche psychischen und k├Ârperlichen Auswirkungen kann Cybermobbing auf Jugendliche haben?

"Wir wissen aus der Neurologie, dass die Schmerzzentren des Gehirns auf solche Ausgrenzung und Dem├╝tigung reagieren", erkl├Ąrt Joachim Bauer, Neurobiologe und Psychotherapeut von der Uniklinik Freiburg. Das mache sich entweder durch aggressives oder depressives Verhalten bemerkbar. "Das Selbstwertgef├╝hl wird massiv getroffen, Betroffenen ziehen sich vor Scham zur├╝ck." Viele leiteten die Aggressionen an andere weiter. "Sie sind also Opfer und T├Ąter zugleich".

Problematisch sei, dass Jugendliche soziale Medien zur Selbstdarstellung nutzten, um sich ihrer positiven Wirkung zu versichern. "Wenn diese dann zur Plattform der Diffamierung wird, bricht in den Leuten etwas zusammen." Eltern sollten deshalb mit ihren Kindern die Chancen und Risiken solcher Portale besprechen, r├Ąt der Experte. Auch empfiehlt er, im Netz nicht allzu viel von sich preiszugeben.

Meist ist nur von Opfern und T├Ątern die Rede. Aber was ist mit den zun├Ąchst unbeteiligten Zuschauern, den sogenannten Bystanders?

Diese Gruppe hat eine bedeutende Rolle. Denn wenn erste Attacken dort Resonanz finden, k├Ânnen sie sich zum echten Mobbing oder Cybermobbing entwickeln. "Entweder sind es Claqueure, die beispielsweise in Chats Beifall geben oder es sind Verteidiger, die sagen: Es reicht", sagt Franz Hilt vom Pr├Ąventionsprogramm Konfliktkultur. "Man muss dem T├Ąter das Publikum nehmen", sagt Nina Pirk vom Hilfstelefon "Nummer gegen Kummer". "Letztendlich sucht er Anerkennung und eine B├╝hne f├╝r seine Tat." Und: Das Opfer habe schnell das Gef├╝hl, alleine zu sein. "Der leiseste Pieps kann da schon helfen".

Sind nur Jugendliche betroffen?

Nein, Internetmobbing ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, das l├Ąngst nicht mehr nur Jugendliche trifft. "Sie glauben nicht, aus welchen Altersklassen die Leute bei uns anrufen", sagt Leest vom B├╝ndnis gegen Cybermobbing. Bauer zufolge kommt es etwa am Arbeitsplatz immer wieder zu Online-Attacken unter Kollegen. Mobbingopfer fielen h├Ąufig krankheitsbedingt aus. Somit ist Cybermobbing auch ein volkswirtschaftliches Problem.

Hier gibt es kindgerechte Informationen ├╝ber Cybermobbing

Was Cybermobbing ist und wie man sich dagegen wehren kann, wird auf den Internetseiten www.hanisauland.de und www.kindersache.de kindgerecht erkl├Ąrt. Eine Reporterin berichtet auf www.kindernetz.de von mehreren betroffenen Jugendlichen. Sie erz├Ąhlen ihr, wie sie gemobbt wurden und wo sie Hilfe gefunden haben.

Diese Empfehlungen stammen von klick-tipps.net. Der Dienst wird von jugendschutz.net getragen sowie vom Bundesfamilienministerium und von der Stiftung Medienkompetenz Forum S├╝dwest gef├Ârdert.

Weitere Artikel

Beleidigung und Ausgrenzung
Diese Anzeichen deuten auf Mobbing hin
Sch├╝ler auf dem Schulhof: Viele Kinder werden Opfer von Mobbing.

Raus aus der Opferrolle
Cybermobbing ÔÇô So helfen Eltern ihrem Kind
Cybermobbing

Mobbing: Haftung ab sieben
Auch Kinder k├Ânnen rechtlich belangt werden
Mobbing setzt den Betroffenen stark zu.


Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingANZEIGEN

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
DeutschlandEUInstagram
Ratgeber

t-online - Nachrichten f├╝r Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagram

Das Unternehmen
Str├Âer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverl├Ąngerung FestnetzVertragsverl├Ąngerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website