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Luftballons, Salz und Co.: Sechs unterschätzte Gefahren für Kinder im Alltag

Luftballons, Salz und Co.  

Sechs unterschätzte Gefahren für Kinder im Alltag

10.06.2021, 07:41 Uhr | Simone Blaß, cch, t-online

Luftballons, Salz und Co.: Sechs unterschätzte Gefahren für Kinder im Alltag. Vorsicht, Strom: Nicht selten kommt es zu Unfällen, weil Eltern nicht alle Gefahrenquellen im Haushalt beseitigen. (Symbolbild) (Quelle: Getty Images/Halfpoint)

Vorsicht, Strom: Nicht selten kommt es zu Unfällen, weil Eltern nicht alle Gefahrenquellen im Haushalt beseitigen. (Symbolbild) (Quelle: Halfpoint/Getty Images)

Egal ob Steckdose, Reinigungsmittel oder Balkon – im Haushalt lauern teils lebensbedrohliche Gefahren für Kleinkinder. Einige davon haben Eltern oft gar nicht auf dem Schirm.

Babys sollten nicht im Auto allein gelassen werden, an den Backofen gehört eine Kindersicherung und Medikamente sollten weggeschlossen werden – solche Sicherheitstipps erhalten Eltern immer wieder. Es gibt aber auch Gefahren im Alltag, die viele nicht bedenken.

Im Kleinkindalter passieren die meisten Unfälle zu Hause

Wie wichtig eine Unfallprävention ist, zeigt die Statistik: Pro Jahr müssen über 200.000 Kinder nach einem Unfall jedweder Art im Krankenhaus behandelt werden. Fast 200 davon sterben. So geht es aus Daten des Statistischen Bundesamtes hervor. Unfälle sind in Europa die häufigste Todesursache für Kinder ab einem Jahr.

Im frühen Kindesalter passiert ein Großteil der Unfälle im häuslichen Bereich (44 Prozent). Mit zunehmendem Lebensalter und wachsender Mobilität kommen weitere Unfallorte wie etwa in der Kita oder der Schule, auf Spiel- und Sportplätzen, auf öffentlichen Verkehrswegen oder beim Aufenthalt im Freien dazu.

Neben Verkehrsunfällen dominieren vor allem Stürze, die allein bei Säuglingen und Kleinkindern rund 60 Prozent der Fälle ausmachen. Aber auch Vergiftungen durch Reinigungsmittel, Pflanzen oder herumliegende Arzneimittel, Verbrennungen, schlimme Kopfverletzungen und Ersticken kommen oft vor.

Unterschätze Gefahren für Kleinkinder

Neben den offensichtlichen Gefahren im Haushalt gibt es auch solche, an die Eltern oft erst denken, wenn es fast zu einem Unglück gekommen wäre. Diese sechs Gefahren im Alltag werden oft unterschätzt:

1. Zu viel Salz

Schon 0,5 Gramm Kochsalz pro Kilogramm Körpergewicht sind lebensgefährlich. Das gilt für Erwachsene genauso wie für Kinder, nur wird der Wert bei ihnen aufgrund des geringeren Gewichts sehr viel schneller erreicht. Laut dem Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte kann bereits ein Teelöffel Salz tödlich sein. Erste Anzeichen einer Salzvergiftung sind Erbrechen, Herzrasen, aber auch Schläfrigkeit. Auf Salz verzichten sollte man deswegen nicht, kochübliche Mengen sind notwendig und völlig ungefährlich.

2. Zu viel Wasser

Ein Ungleichgewicht zwischen Salz und Wasser im Körper kann auch dann gefährlich werden, wenn ein Baby zu viel Wasser zu sich nimmt. Das passiert oft, wenn es sehr heiß ist und Eltern befürchten, dass Kind könne zu wenig Flüssigkeit zu sich nehmen. Zu viel Wasser können die Nieren im ersten Lebensjahr nicht schnell genug verarbeiten und ausscheiden. So kann es zu einer Überhydrierung kommen, die sich durch ein aufgedunsenes Gesicht, krampfartige Anfälle und Bewusstlosigkeit zeigt.

3. Luftballons

Kleinkinder sollten nicht unbeaufsichtigt mit Luftballons spielen. Sie nehmen alles in den Mund, um es zu erkunden. Der Ballon kann dabei platzen. Dadurch erschrickt das Kind und atmet reflexartig ein. Fetzen des geplatzten Ballons können so in die Luftröhre geraten und zum Ersticken führen. Stoffhüllen eigenen sich hier als Schutz.

4. Ertrinken nach dem Schwimmbadbesuch

Kinder ertrinken still und sollten daher beim Baden niemals aus den Augen gelassen werden. Auch dann nicht, wenn sie Schwimmhilfen anhaben. Eltern sollten zudem im Hinterkopf behalten, dass es noch 24 Stunden nach dem Badespaß zum sogenannten sekundären Ertrinken kommen kann: durch Wasser in der Lunge. Wenn das Kind Stunden nach dem Schwimmbadbesuch hustet, flach atmet, über Schmerzen im Brustkorb klagt und besonders unruhig oder müde ist, dann ist es besser, einen Arzt aufzusuchen.

5. Verbrühungen beim Händewaschen

Der Klassiker bei den Verbrennungen sind vom Tisch gezogene Tassen oder gar Töpfe. Manchmal aber verbirgt sich die Gefahr da, wo man sie nicht vermutet: auf öffentlichen Toiletten. Und zwar dann, wenn das Warmwasser zu heiß eingestellt ist. Bereits Temperaturen von 42 Grad können bei kleinen Kindern schlimme Verbrennungen mit Blasenbildung hervorrufen. Umso wichtiger ist es, die Wassertemperatur immer vorher zu prüfen. Um zu Hause auf Nummer sicher zu gehen, kann man sich für wenige Euro ein digitales Thermometer einbauen, das bei einer zu hohen Temperatur mit einem Alarmton warnt.

6. Spritzwasser und Fett auf dem Boden

In der Küche können Spritzwasser und Fett den Boden gefährlich glatt machen. Kinder sollten dort besser nicht rennen. Denn sie können darauf ausrutschen und sich verletzen.

In die Lage des Kindes versetzen

Viele gefährliche Situationen können Eltern entdecken, indem sie sich einmal in das Kind versetzen und den Raum aus dessen Perspektive betrachten – also zum Beispiel einmal in die Hocke gehen.

Woran könnte sich das Kleinkind hoch- und was könnte es herunterziehen? Welche Ecke ist besonders scharf, welche Schublade gefährlich? Wo hängt vielleicht ein Kabel ziemlich verlockend herunter, wo sind ungewollte Klettermöglichkeiten? Oft ist es nur ein Spiel oder ein Buch, das zu weit oben verstaut ist und das das Kind, das sich im "Ich-will- das-selbst-machen"-Alter befindet, allein herunterholen möchte. Man muss sich nur einmal vorstellen, was passieren kann, wenn das Regal oder der Schrank dann nicht an der Wand gesichert ist.

Herd, Backofen, aber auch Fettspritzer: In der Küche lauern zahlreiche Gefahren für Kleinkinder. (Quelle: Getty Images/ronstik)Herd, Backofen, aber auch Fettspritzer: In der Küche lauern zahlreiche Gefahren für Kleinkinder. (Quelle: ronstik/Getty Images)

Erfahrungen im sicheren Rahmen machen

Experten zufolge ist ein großer Teil der Unfälle durch Prävention vermeidbar. Steckdosenschutz, Treppen- und Herdschutzgitter, FI-Schalter oder Türstopper: In jedem Baumarkt kann man inzwischen zahlreiche kleine Helfer erstehen, um die Welt besonders von Kleinkindern zu Hause ziemlich sicher zu machen. Dabei sollte aber – und das ist ganz wichtig – ihr Aktionsradius nicht eingeschränkt werden. Denn der ist entscheidend für die Entwicklung eines Kindes. Es muss die Welt "begreifen" können. Seine eigenen Erfahrungen machen zu Temperaturen, Höhen und Konsistenzen.

Dementsprechend weist die Bundesarbeitsgemeinschaft "Mehr Sicherheit für Kinder" darauf hin, dass es bei Kindersicherheit nicht darum geht, Kinder in Watte zu packen. Vielmehr sollen durch vorausschauendes Handeln schwere Unfälle vermieden werden.

Ab wann können Kinder Gefahren erkennen?

Bis Kinder ein Verständnis für Gefahren im Haushalt entwickelt haben, dauert es übrigens Jahre. Laut Deutschem Kinderschutzbund erreichen Kinder diesen Entwicklungsstand etwa zwischen neun und zwölf Jahren. Zum einen setzt dieses Wissen geistige Reife, zum anderen aber auch Erfahrungen voraus. Eltern sollten kleine Kinder an brenzligen Stellen im Haushalt also nie alleine lassen.

Häufige Unfälle von Grundschülern

Auch wenn ältere Kinder vernünftiger sind – auch bei ihnen bleiben Unfälle nicht aus. Im Grundschulalter nehmen Schulwegunfälle den ersten Platz ein. Direkt gefolgt von Unfällen beim Sport, mit dem Fahrrad oder den Inlinern. Eine weitere Gefahr, gerade in diesem Alter, ist das Ertrinken.

Im Haushalt sind Stürze aus dem Hochbett aufgrund fehlender Absicherungen oder zu hoher Matratzen, Stromunfälle und Unfälle mit Tieren nicht selten. Dabei leben Jungen deutlich gefährlicher: Laut Statistik verunglücken doppelt so viele Jungs wie Mädchen – nicht zuletzt, weil sie risikofreudiger sind.

Die Risikobereitschaft von Teenagern

Genau die, von denen man eigentlich glaubt, sie seien aus dem Gröbsten raus, leben so richtig gefährlich: die Jugendlichen. In der Altersgruppe von 14 bis 18 Jahren geschehen die meisten Unfälle. Laut Statistischem Bundesamt dominieren neben den Verkehrsunfällen in dieser Zeit vor allem Kopfverletzungen und Knochenbrüche. Erklärt wird dies damit, dass Jugendliche Grenzen austesten wollen. Außerdem gilt Schutzkleidung oft als uncool und risikoreiches Verhalten wird meist von Gleichaltrigen bewundert.  

Um die jugendliche Vorliebe für Risiko in die richtigen Bahnen zu lenken, können sportliche Aktivitäten helfen, wie etwa Skifahren, Mountainbiken oder Klettern.

Verwendete Quellen:

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