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Kindesmisshandlung: Serienmord im Kinderzimmer


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Den Serienmord im Kinderzimmer stoppen

t-online, dpa, Maria M. Held

Aktualisiert am 30.01.2014Lesedauer: 4 Min.
Kindesmisshandlung - eine tickende Zeitbombe unserer Gesellschaft!
Kindesmisshandlung - eine tickende Zeitbombe unserer Gesellschaft! (Quelle: Thinkstock by Getty-Images-bilder)
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Kindesmisshandlung ist krank. Für die misshandelten Kinder ist es ein Leidensweg wie bei einer langwierigen chronischen Krankheit. Können sie dem Leiden nur durch ihren Tod entrinnen? Werden aus den geprügelten Opfern prügelnde Eltern? Es ist eine tickende Zeitbombe unserer Gesellschaft, die die Berliner Rechtsmediziner Michael Tsokos und Saskia Guddat entschärfen wollen. Sie erwarten eine große Welle der Empörung als Reaktion auf ihr Buch "Deutschland misshandelt seine Kinder".

Schon der Titel provoziert. Er klagt das System an, das Milliarden verschlingt und doch so wenig effektiv ist. Es wird weggeschaut, beschönigt und totgeschwiegen, sagen die Autoren. "Es geht um tote Kinder, da ist es uns egal, ob wir Politikern auf die Füße treten", betont Saskia Etzold, die unter dem Autorennamen Guddat schreibt, im Interview mit T-online.de. Sie und ihre Kollegen aus der Berliner Rechtsmedizin sind einiges von Tatorten von Gewaltverbrechen gewohnt. Meist geht es um Tote, doch bei Kindern auch um lebende, noch lebende. Denn oft bahne sich die Katastrophe an und das System Jugendhilfe arbeite zu träge, um sie zu verhindern.


Kindesmisshandlung: Deutschland misshandelt seine Kinder

Saskia Guddat und Michael Tsokos wollen mit ihrem Buch "Deutschland misshandelt seine Kinder" Debatten auslösen.
Rechtsmediziner Michael Tsokos: "Jeder hat alles richtig gemacht, keiner hat Schuld, aber am Ende liegt ein totes Kind auf unserem Tisch."
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Viel zu viele Kinder würden in ihren Familien zu Gewalttätern gemacht. Es gibt kein Gewalt-Gen, aber die Erziehung zur Gewalt wirke stark, so dass aus geprügelten Opfern selbst Gewalttäter würden.

Oft tauchen die selben Personen im Lauf ihres Lebens zweimal in den Akten der Jugendhilfe auf, einmal als Opfer, das zweite Mal als Täter, erst als misshandelte Kinder, dann als gewaltbereiter Vater oder überforderte Mutter.

Rechtsmediziner am Tatort

Von einem "schockierenden Ausmaß an Gewalt" schreiben Tsokos und Etzold. Deren Betrachtung basiert auf Studien, Statistiken und eigenen Beobachtungen. Die Autoren haben ihre Beobachtungen aus der Rechtsmedizin zusammengefasst und mit zahlreichen Beispielen belegt. Was der normale TV-Krimi-Zuschauer meist nicht weiß: Rechtsmediziner werden hinzugezogen, wenn Ärzte einen begründeten Verdacht auf Kindesmisshandlung haben. Als Rechtsmediziner sind sie eingebunden in Ermittlungen rund um die Gefährdung von Kindeswohl.

In Zusammenarbeit mit der Polizei klären Rechtsmediziner den medizinischen Befund ab. Ist der zweifelhaft und deutet auf Misshandlung hin, wird ein Ermittlungsverfahren gegen die Erziehungsberechtigten eingeleitet. Doch leider bleibt dies oft aus, beobachten Tsokos und Etzold. Die Zeitbombe tickt weiter.

Realitätsfremder Populismus? Das Buch hat nicht nur Fürsprecher

Pro Woche gebe es in Deutschland drei tote Kinder als Folge von Misshandlung, zumeist durch die Eltern. Der Deutsche Kinderschutzbund bestätigte diese Zahlen der Autoren. Bei der Buchpräsentation weisen die zwei Berliner Rechtsmediziner mit dramatischen Fotos und Fallschilderungen auf das Ausmaß von Kindesmisshandlung in Deutschland hin. Richterbund, Ärzte und Jugendämter halten das Buch und die Positionen der Autoren allerdings für zu populistisch, pauschal und praxisfern.

Generation Kevin ist Vater geworden

Befördern die Autoren Klischees, wenn sie von der "Generation Kevin" sprechen und Fälle aus sozialen Brennpunkten schildern? Im Buch geht es nämlich um die Kinder der Väter aus der "Generation Kevin". Die Mütter aus den zitierten Fällen heißen Denise, Cheyenne und Mandy, die Väter Bruce oder Maik, ihre Kinder Chantal, Robin, Celine und Justice, Kemal, Jamie oder Jaden.

Das gilt aber auch für die Gebildeten der "Generation Kevin”, deren Kinder Maximilian, Gustav, Sophie oder Anton heißen. Denn auch in Villen wird geprügelt, nicht nur in vermüllten Wohnungen in sozialen Brennpunkten. Es wird nur besser vertuscht. So wie beim Baby Sophie, dessen Papa Künstler ist, Vegetarier, Umweltaktivist, Pazifist - und Kindesmisshandler, so beschreiben ihn Etzold und Tsokos.

Der Vater hatte die Nerven verloren und das Baby in den Bauch geschlagen. Sophie wäre fast gestorben an Darmruptur. Andere Kinder werden zu Tode geschüttelt von Eltern, die die Nerven verlieren, verbrennen an heißen Rohren, sterben an eigentlich heilbaren Krankheiten, weil sich keiner um sie kümmert.

Kinderschutz ist ein Ritter mit stumpfem Schwert

7,5 Milliarden bringt der Staat pro Jahr für Jugendhilfe auf. Mehr als 200.000 Kinder werden pro Jahr Opfer von Gewalt durch Erwachsene. 160 Kinder pro Jahr sind Tötungsopfer, mindestens noch einmal so viele gewaltsame Kindertötungen bleiben unentdeckt. Einschließlich derer wären es 350 zu Tode misshandelte Kinder pro Jahr in Deutschland, mit diesen Zahlen argumentieren die Autoren.

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Werden die Milliarden also falsch eingesetzt? Ist der Kinderschutz ein Ritter mit stumpfem Schwert, der versagt? So stellen es die Autoren dar. "Man muss die Kontrolleure kontrollieren", fordern sie. Tsokos und Guddat sind enttäuscht von der Jugend- und Familienhilfe in Deutschland. Burn-out, Depression, Desillusionierung, Abgestumpftheit und Hilflosigkeit lähmen die Hüter des Kinderwohls, so ihre Diagnose des Systems.

Der Serienmord im Kinderzimmer muss verhindert werden - ein Appell an jeden

Sie stellen in ihrem Buch “Deutschland misshandelt seine Kinder" Forderungen und Handlungsempfehlungen vor, wie - nach ihrer Meinung - das System in Gang gesetzt würde, das momentan wirkungslos sei.

Um diesem Serienmord im Kinderzimmer vorzubeugen, fordern sie beispielsweise eine gesetzliche Leichenschaupflicht bei toten Kindern, wie in anderen Ländern üblich. Sie fordern, die Familienhilfe nicht an private Unternehmen auszulagern, die Kindergärten mehr in die Erziehung und die Familien einzubinden. Und gefährdete Kinder müssten früher aus den Familien geholt werden.

Sie wollen ihre Publikation als Appell an jeden verstanden wissen, aufmerksamer auf die Symptome körperlicher und seelischer Misshandlung zu achten und einzugreifen, in Verwandtschaft und Nachbarschaft. Auch Ärzte in den Notaufnahmen - oft unter Zeitdruck, übernächtigt und überfordert - müssten achtsam sein, dürften die Alarmsignale nicht übersehen, die den harmlosen Bruch als Misshandlungsfolge entlarven könnten.

"Hunderttausende Gewaltverbrecher laufen in unserem Land frei herum"

Jährlich werden in unserem Land rund 200.000 Kinder misshandelt, "folglich laufen Hunderttausende Gewaltverbrecher in unserem Land frei herum", so die Mediziner, eine Horrorvorstellung, die die Gesellschaft aber akzeptiert. Die Autoren sind überzeugt: "In Wahrheit verhält es sich so, dass an den Händen der deutschen Jugendämtern Blut klebt."

Mit ihrer Streitschrift "Deutschland misshandelt seine Kinder" wollen die Autoren Debatten auslösen und überfällige Überlegungen zum Thema Kindesmisshandlungen in unserem Sozialstaat befördern.

Es ist ein zorniger Insiderbericht mit Handlungsaufforderung - gegen die Tabuisierung, Bagatellisierung und Verleugnung der Kindesmisshandlungen durch Ärzte, Sozialarbeiter, Richter, die Gesellschaft. Die Autoren werden ihre Positionen in nächster Zeit häufiger vertreten müssen: Sie sind Gäste in diversen TV-Talkshows.

Buchtipp: "Deutschland misshandelt seine Kinder". Michael Tsokos und Saskia Guddat (mit Andreas Gößling): Droemer Verlag, München. 256 Seiten, 19,99 Euro

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