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Verheirateter Lover: Soll er Frau und Kinder verlassen?

Verheirateter Lover: Soll er Frau und Kinder verlassen?

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Verheirateter Lover: Soll er Frau und Kinder verlassen?.  (Quelle: t-online.de)

Affären belasten die Beziehung. (Quelle: t-online.de)

Die Geliebte: Für viele ist sie die hemmungslose, egoistische Verführerin. Aber ist es okay, ihr alle Schuld in die Schuhe zu schieben? Wir haben eine Expertin gefragt.

Meine Freundin Anna fühlt sich mies. Kein Wunder: Sie hat seit einem guten Jahr eine Affäre mit einem verheirateten Mann. Bisher lief alles heimlich, jetzt möchte er sich jedoch endlich von seiner Frau und den Kindern trennen. Damit stellt er nicht nur sich selbst, sondern auch Anna vor eine schwere Entscheidung.

Verliebt oder verführt – heiligt der Zweck die Mittel?

Eigentlich wünscht Anna sich nichts sehnlicher, als ein Ende des Versteckspiels und eine ernsthafte Beziehung zu ihrem heimlichen Geliebten. Die Freude über seine Entscheidung sich zu trennen währt jedoch nicht lange. Anna hat ein schlechtes Gewissen seiner Familie gegenüber. Zudem macht ihr ihr Umfeld oft den Vorwurf, eine Männerdiebin und Familienzerstörerin zu sein. Aber trifft wirklich nur sie die Schuld, liegt die ganze Verantwortung bei ihr? Schwierige Frage – aus meiner Sicht gehören immer mehrere dazu. Diplom-Psychologin Svenja Lüthge aus Kiel bestätigt meine Aussage: „Grundsätzlich trifft in solchen Konstellationen niemanden die alleinige Schuld – wenn man überhaupt von Schuld sprechen kann.“

Alles eine Frage der Ehrlichkeit?

Ich versuche in dieser verzwickten Situation hinter meiner Freundin zu stehen. Schließlich hat sie sich in den Mann verliebt – und ist nicht einfach nur auf ein oberflächliches Abenteuer aus. Die Psychologin geht sogar noch weiter und vertritt die Meinung, dass nicht mal die Absichten der beteiligten Personen – egal welcher Natur diese sind – Vorwürfe oder Schuldzuweisungen zulassen. Jedenfalls solange diese stets offen und ehrlich geäußert wurden. „Es widerstrebt zwar dem allgemeinen Anstandsgefühl, wenn sich eine Frau nur des Spaßes wegen in die Hände eines verheirateten Mannes begibt. Dennoch gehören stets zwei dazu“, so die Psychologin. Der fremdgehende Mann ist kein Opfer – er hat schließlich einen Willen und einen Verstand. „Unfair wird es erst, wenn man nicht ehrlich sagt, auf was man aus ist. Das gilt für jede Art der Beziehung. Ohne ehrliche Aussprachen funktioniert nun mal nichts. Man verleitet sein Gegenüber zu falschen Entscheidungen“, so Lüthge.

Schuldzuweisungen bringen nichts  

Offene Gespräche sind natürlich wichtig, doch genau hier liegt ja die Krux einer Affäre: Selbst wenn das geheime Pärchen offen miteinander redet, heißt das noch lange nicht, dass auch die betrogene Ehefrau Bescheid weiß. Auch hier relativiert die Expertin: „Natürlich ist das nicht fair. Das steht außer Frage. Dennoch wäre es nicht richtig, die alleinige Verantwortung oder den Vorwurf an die heimliche Geliebte zu richten. Es liegt zwar in der Natur des Menschen, den Fehler außen und nicht bei sich selbst zu suchen. Dennoch muss schon vorher etwas in der Ehe nicht in Ordnung gewesen sein." So hart es ist: Man sollte auf die eigene Beziehung schauen und sich fragen, wie es dazu kommen konnte, dass sich jemand von außen hineingedrängt hat.

Was ist das Beste für die Kinder?

Hätte die Ehefrau also einfach besser hinsehen müssen? Vielleicht. Doch was ist mit den Kindern? Anna, selbst ein Scheidungskind, fühlt sich wie ein Monster, wenn sie daran denkt, dass ihr Freund ihretwegen seine Kinder verlässt. „So hart das klingt“, meint die Psychologin, „für die Kinder ist eine saubere Trennung mit Sicherheit weniger belastend, als Eltern die sich ständig streiten oder bei denen eine Affäre immer in die Ehe hineinspielt.“ Was man der Fairness halber aber unbedingt beachten sollte: „Die Kinder sollten den Vater niemals mit seiner Affäre in einem innigen Moment erwischen. So etwas verkraften Kinder nur schwer. Und hier ist wohl der einzige Punkt, an welchem man Schuld zuweisen kann“, sagt Lüthge.

Verheiratet – doch der Geist bleibt frei!

Die Worte der Psychologin klingen vernünftig. Der Bund der Ehe verbindet zwar, er entbindet aber niemanden von seiner Verantwortung und von seinem freien Willen oder Verstand. Die Ehe schützt auch nicht davor, sich in jemand anderen zu verlieben. Ob es daran liegt, dass Mann zu wenig an seiner Beziehung gearbeitet hat, einfach nichts gegen Amors Pfeil tun kann oder tatsächlich den Verführungskünsten der neuen Frau erlag - das ist unterm Strich egal. Wichtiger als der Grund ist doch die Frage, wie man die Situation löst. Am besten mit offenen, fairen Worten. Dann trifft wohl auch niemanden eine Schuld. Jedenfalls objektiv betrachtet. Wäre Anna die betrogene Ehefrau würde vielleicht auch ich die Sache anders sehen. Von außen gesehen ist eben alles einfacher!

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