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"Bares für Rares"-Expertin bedauert Tipp: "Tut mir fast ein bisschen weh"

"Tut mir fast ein bisschen weh"  

"Bares für Rares"-Expertin bedauert Expertisen-Tipp

12.08.2021, 09:28 Uhr
 (Quelle: teleschau)
"Bares für Rares": Zehn der kuriosesten Raritäten und Fundstücke

Viel älter als gedacht, viel wertvoller als geglaubt – in der beliebten ZDF-Trödelsendung "Bares für Rares" erleben sowohl Gastgeber Horst Lichter als auch Händler und Verkäufer oft kuriose Momente. Das Video fasst sie zusammen. (Quelle: teleschau)

"Bares für Rares": Das sind die größten und kleinsten Raritäten aus der Sendung. (Quelle: teleschau)


Ein Versicherungsangestellter aus Wuppertal bringt ein besonderes Schmuckstück zu "Bares für Rares", für das sich Expertin Heide Rezepa-Zabel sehr interessiert. Doch einen Ratschlag aus ihrer Expertise hätte sie im Nachhinein wohl lieber nicht gegeben.

"Heide, weißt du, was ich faszinierend finde? Bei dir merkt man richtig, egal wie oft du dir Schmuck anguckst, dass es auch deine Leidenschaft ist. Du wirst dem nicht überdrüssig", sagt "Bares für Rares"-Moderator Horst Lichter, als er seine Kollegin Heide Rezepa-Zabel bei der Begutachtung eines Goldrings sieht. "Das stimmt. Diese ganzen Themen sind unerschöpflich", schwärmt die Schmuckexpertin, die den Ring von Gerd Wichelhaus unter die Lupe nimmt, der als Underwriter bei einer großen Versicherung arbeitet. 

Nach der Begrüßung des Verkäufers möchte Lichter zunächst von ihm wissen, was ein Underwriter genau macht. "Da fährst du raus, besichtigst die Risiken, schätzt sie ein und entscheidest, ob und wenn ja, zu welchen Konditionen der Versicherer dieses Risiko an Bord nimmt", erklärt Wichelhaus, dessen Ring aus dem Familienbesitz stammt.

Expertin staunt über ungewöhnlichen Ring

"Den Ring hat mein Vater vor etwa 20 Jahren an mich weitergegeben. Meine Frau und ich haben ihn jetzt beim Aufräumen gefunden. Sie meinte, er ist nicht ihr Fall – und meine beiden Söhne werden ihn auch nicht tragen", scherzt der 56-Jährige. "Das ist wirklich ein ganz zarter Ring aus der Zeit 1900/1910", stellt auch Rezepa-Zabel fest. "Ungewöhnlich für unsere heutige Vorstellung ist, dass der große Diamant im Altschliff – ein 0,8-Karäter – eingerahmt ist von zwei natürlichen Perlen", sagt die Diamantgutachterin.

Es sei auch deshalb ungewöhnlich, weil es die runde Zuchtperle damals noch nicht auf dem Markt gegeben habe. "Die Züchtung gelang erst 1905, aber patentiert wurde sie erst 1916. Man glaubte damals noch nicht daran, dass die Zuchtperle wirklich angenommen wird", erklärt sie. Perlen seien zudem noch bis in das 19. Jahrhundert hinein ein Privileg des Adels gewesen. "Erst am Ende des 19. Jahrhunderts, als das Bürgertum auch wohlhabend wurde durch die Industrialisierung, konnte sich auch diese Schicht zum ersten Mal Perlen leisten", weiß die Expertin.

Damals seien Perlen etwas ganz Besonderes gewesen. "Man muss sich vorstellen: Es gibt tatsächlich noch Rechnungsbelege darüber, was kurz nach 1900 eingekauft und bezahlt wurde an Perlen. Ein Perlencollier in der Länge eines Perlenstrangs mit etwa 40 Perlen wurde bezahlt mit etwa 30.000 Mark. Das sind heute etwa 100.000 Euro – umgerechnet in der Kaufkraft von damals natürlich", erklärt Rezepa-Zabel, die noch eine interessante Anekdote dazu kennt.

"Es tut mir fast ein bisschen weh"

"Noch 1916, als die runde Perle von Kokichi Mikimoto patentiert wurde, konnte Louis Cartier in New York sein Geschäftshaus im Tausch gegen eine doppelsträngige Perlenkette erwerben. Das hatte ungefähr einen Gegenwert von 1 Million Dollar", sagt die Schmuckexpertin, die betont, dass sich die Wertschätzung der Perlen später natürlich geändert habe. An dem Ring von Wichelhaus gefällt ihr ein Detail allerdings besonders gut. "Hier ist die Zusammenstellung aber deshalb interessant, weil der Diamant den Lüster der Perlen verstärkt – also der Innenglanz wird noch mal aktiviert. Und das wusste man zu schätzen", führt Rezepa-Zabel.aus.

"Jetzt gefällt er mir noch besser als vorher", sagt Lichter, der von Wichelhaus erfährt, dass sein Wunschpreis bei 250 Euro liegt. Damit ist die Schmuckexpertin allerdings nicht einverstanden. "Wenn die Kombination so heute nicht mehr gefällt und wenn das nicht so nachvollziehbar ist – die Schönheit des subtilen Glanzes – könnte man daraus auch leicht einen Solitär machen", schlägt sie als Tipp vor. Ihre Expertise lautet daher: "Ich würde hier weit höher gehen, nämlich 1.000 bis 1.200 Euro." Damit hat Wichelhaus nicht gerechnet und nimmt die Händlerkarte freudig entgegen. 

Als der Verkäufer bereits auf dem Weg zum Händlerraum ist, sagt Lichter zu Rezepa-Zabel: "Das fand ich einen sehr interessanten Tipp, dass man die Perlen rechts und links abtrennen könnte. Denn einen Solitär trägt jede Frau eigentlich sehr gerne." Die Expertin stimmt ihm zwar zu, bedauert ihren Ratschlag aber offenbar selbst schon wieder. "Aber eigentlich ist es auch hübsch so. Es tut mir fast ein bisschen weh", gesteht sie. 

Wunschpreis wird übertroffen

Und noch ein Aspekt aus der Expertise lässt Lichter nicht los. "Wann haben die mit zwei Perlenketten das Gebäude gekauft?", möchte er wissen. "1916. Ich glaube Cartier wusste schon davon, dass die Perle patentiert wurde. Und nach der Weltwirtschaftskrise ist die Naturperle wirklich in den Keller gefallen, dann wollte sie niemand mehr haben", antwortet die Expertin. "Der arme Teufel, der jetzt zwei Ketten im Keller liegen hat", scherzt Lichter.

Auch die Stimmung im Händlerraum ist beim Anblick des Schmuckstücks gut. "Ein wunderschöner Ring und historisch interessant", findet Schmuckhändlerin Susanne Steiger und startet mit einem Gebot von 600 Euro. Nach einem regen Bieterduell bekommt sie schließlich den Zuschlag bei 1.100 Euro.

"Schönes Stück, schöner Altschliff, gute Qualität", muss ihr Kontrahent, Auktionator Wolfgang Pauritsch, neidlos anerkennen. "Ja, Champagner mit zwei Perlen", sagt Steiger. "So fühl' ich mich auch in der Mitte von euch beiden, muss ich euch ehrlich sagen", scherzt Pauritsch, der an diesem Tag zwischen Steiger und Schmuckhändlerin Elke Velten sitzt. 

Verwendete Quellen:
  • "Bares für Rares" vom 11. August 2021

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