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Neues Buchstabieralphabet geplant – diese Städte werden wohl aufgenommen

Das ist der Grund  

Neues Buchstabieralphabet geplant

18.08.2021, 16:34 Uhr | dpa, t-online

Neues Buchstabieralphabet geplant – diese Städte werden wohl aufgenommen. Buchstabiertafel: Die alte Tafel hat ausgedient, das Deutsche Institut für Normung arbeitet an einem neuen Buchstabieralphabet. (Quelle: dpa/Christoph Soeder)

Buchstabiertafel: Die alte Tafel hat ausgedient, das Deutsche Institut für Normung arbeitet an einem neuen Buchstabieralphabet. (Quelle: Christoph Soeder/dpa)

Anton, Berta und Cäsar könnten schon bald zu Augsburg, Berlin und Cottbus werden. Das deutsche Buchstabieralphabet soll reformiert werden. Die berücksichtigten Städte sind begeistert. 

"Cottbus" statt "Cäsar" und "Iserlohn" statt "Ida"? 26 Städte in Deutschland können sich über die mögliche Aufnahme ihres Namens ins Buchstabieralphabet der Verwaltung freuen. "Denn dann ist der Name unserer Stadt in aller Munde", sagte ein Sprecher der Stadt Nürnberg, die künftig für den Buchstaben "N" stehen könnte. Das Deutsche Institut für Normung (DIN) arbeitet an einer neuen Fassung der Buchstabiertafel für Wirtschaft und Verwaltung mit Orts- statt Vornamen.

Die DIN 5009 regelt, mit welchen Wörtern einzelne Buchstaben beim Diktieren verdeutlicht werden. Sie wird vor allem in Wirtschaft und Verwaltung genutzt – Rettungsdienste, Polizei oder Luftfahrt sind nicht betroffen. Verpflichtend ist die Nutzung nicht, sie kommt aber in der Ausbildung und in Lehrbüchern vor. Die Tafel umfasst 32 Buchstaben und Buchstabengruppen – von A wie Augsburg bis Z wie Zwickau, außerdem "Ch", "Sch", "Eszett" und die drei Umlaute Ä, Ö, Ü.

"Entspricht nicht der heutigen Lebensrealität"

Bislang werden vor allem Vornamen genutzt – und zwar 16 Männer- und nur sechs Frauennamen. "Das entspricht nicht der heutigen Lebensrealität", teilte das Institut mit. Es sei nicht möglich, alle relevanten ethnischen und religiösen Gruppen und dann auch noch geschlechtergerecht ausgewogen darzustellen. Städtenamen seien ein guter Kompromiss.

In dem Entwurf setzt man vor allem auf Orte, die ein Autokennzeichen mit einem Buchstaben haben. Man habe versucht, westdeutsche und ostdeutsche Bundesländer ausgeglichen auszuwählen. Chemnitz, Görlitz, Jena und fünf weitere der 26 Städte vertreten die Bundesländer in Ostdeutschland. Dazu kommt mit "Vogtland" die einzige Region unter den Bezeichnungen sowie auch Berlin beim Buchstaben B.

Spitzenreiter mit sieben Städten ist Nordrhein-Westfalen, dahinter folgt Bayern mit vier. Das Saarland, Rheinland-Pfalz, Bremen, Hamburg und Sachsen-Anhalt gehen nach derzeitigem Stand leer aus.

Städte in aller Munde?

Viele Städte zeigen sich erfreut: "Vom damit verbundenen Bekanntheitsgrad würden wir als vergleichsweise kleine Stadt besonders profitieren", hieß es aus Tübingen. "Die DIN 5009 wird gerade überarbeitet – und wir sind mit dabei", freute sich Regensburgs Zweite Bürgermeisterin Astrid Freudenstein in der "Mittelbayerischen Zeitung".

"Wir sind überrascht, aber es ist doch schön, dass man an Unna gedacht hat", sagte ein Sprecher der Stadt. Die Wahl dürfte dem Umstand geschuldet sein, "dass es nicht so viele Städte mit U gibt". "Wenn es in den Sprachgebrauch übergeht, ist Xanten in aller Munde", hieß es aus der Stadt in NRW. "O für Oldenburg, klingt doch richtig gut und zwischen Nürnberg und Potsdam fühlen wir uns auch richtig gut aufgehoben", sagte ein Sprecher der niedersächsischen Stadt.

Bei "Eszett" und "Ypsilon" bleibt es bei der einfachen Bezeichnung der Buchstaben. Die Umlaute heißen nicht mehr "Ärger", "Ökonom" und "Übermut", sondern Umlaut-A, Umlaut-O und Umlaut-U.

BuchstabeBisherige TafelNeuer Entwurf
AAntonAugsburg
ÄÄrgerUmlaut-A
BBertaBerlin
CCäsarCottbus
ChCharlotteChemnitz
DDoraDüsseldorf
EEmilEssen
FFriedrichFrankfurt
GGustavGörlitz
HHeinrichHannover
IIdaIserlohn
JJuliusJena
KKaufmannKöln
LLudwigLeipzig
MMarthaMünchen
NNordpolNürnberg
OOttoOldenburg
ÖÖkonomUmlaut-O
PPaulaPotsdam
QQuelleQuickborn
RRichardRegensburg
SSamuel (Siegfried)Stuttgart
ßEszettEszett
SchSchuleSchwerin
TTheodorTübingen
UUlrichUnna
ÜÜbermutUmlaut-U
VViktorVogtland
WWilhelmWuppertal
XXanthippeXanten
YYpsilonYpsilon
ZZacharias (Zeppelin)Zwickau

Relikte aus der NS-Zeit in der bisherigen Tafel

Das DIN arbeitet schon seit vergangenem Herbst an den neuen Diktierregeln. Ausgelöst hat die Reform Michael Blume, Baden-Württembergs Antisemitismusbeauftragter. Ihn stört, dass in der aktuellen Tafel noch immer Relikte aus der Zeit der Nationalsozialisten stecken. Die hatten 1934 alle jüdischen Namen entfernt: Aus David wurde Dora, aus Nathan Nordpol, aus Samuel Siegfried. Zwar wurde die Tafel nach 1945 einige Male überarbeitet. Doch Nathan blieb draußen, Nordpol drin – jetzt könnte daraus Nürnberg werden. Die Stadt teilte mit, gerade aus der Geschichte der Stadt heraus begrüße man den Vorstoß.

Die Ende Juli vorgestellte Fassung mit den Ortsnamen ist ein Entwurf. Interessierte können sich noch mit Ideen und Kommentaren an die Behörde wenden. Die endgültige Fassung wird Mitte 2022 erwartet.

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