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Wie sag ich meinem Partner, worauf ich im Bett stehe?

Von dpa-tmn
08.06.2021Lesedauer: 4 Min.
Gespräche: Einige Paare vermeiden intime Gespräche und somit auch zu sagen, was sie sich im Bett wirklich wünschen.
Gespräche: Einige Paare vermeiden intime Gespräche und somit auch zu sagen, was sie sich im Bett wirklich wünschen. (Quelle: laflor/getty-images-bilder)
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Auf der Kinoleinwand gehört es zur Normalität und viele Lieder handeln davon. Aber selbst mit seinem Partner über Sex reden? Das fällt schwer. Dabei wird Sex besser, wenn man drüber spricht.

Paare, die über ihren gemeinsamen Sex sprechen und eventuelle Wünsche und Vorlieben artikulieren, sind erfüllter. Die Gründe dafür liegen auf der Hand. Schließlich ist es wie fast überall im Leben: Wer über seine Wünsche spricht, hat größere Chancen darauf, dass sie erfüllt werden. Aber warum fällt den meisten Menschen das vor allem dann schwer, wenn es um Sex geht?


Sex-Praktiken: So lieben Sie international

"Brasilianisch" Warum nicht mal in Verkleidung übereinander herfallen? Die Brasilianer mögen's angeblich, beim Sex maskiert zu sein. Wo der weltberühmte "Karneval in Rio" gefeiert wird, ist das ja nicht erstaunlich. Aber auch wir Deutschen können uns so einen Hauch von südamerikanischem Abenteuer in unsere Betten holen!
"Russisch" Diese Variante kann gleich zwei Bedeutungen haben. Entweder geht es beim "Russisch" um Sex in der Badewanne. Oder aber der Mann rasiert seine Partnerin und reibt ihre Schenkel anschließend zärtlich mit Öl ein.
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Die Hamburger Psychologin Nele Sehrt sieht hier vor allem das Risiko als Grund, das man mit einem solchen Gespräch eingeht: "Es kann eine ganz schöne Herausforderung sein, mit jemandem über Sex zu sprechen, mit dem ich mich verbunden fühle. Immerhin riskieren wir ja auch viel – beispielsweise Zurückweisung, Ablehnung oder Disharmonie."

Über Sex reden – für viele ein Tabu

Auch Carsten Müller, Sexual- und Paartherapeut aus Duisburg, erlebt es oft, wenn Menschen in seine Praxis kommen. Sex gleicht für sie einem Tabuthema. "Sexualität ist immer noch etwas, das Scham auslöst. Dabei ist sie, für viele Menschen, ein Grundelement für eine dauerhafte Zufriedenheit in der Partnerschaft." Und deswegen muss über sie gesprochen werden, sagt Sexualmediziner Georg Pfau aus Linz: "Tatsächlich beruhen viele sexuelle Störungen auf einem Kommunikationsdefizit", sagt er und geht sogar noch weiter: "Erst, wenn man darüber reden kann, ist Sexualität möglich."

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Für Nele Sehrt geht es bei dem Austausch über Sexualität erst mal gar nicht plakativ um Pornofantasien wie Dreier oder bestimmte Blowjob-Techniken, sondern darum, was miteinander Freude bereitet und dazu führt, dass das Gemeinsame intensiviert wird. "Das fängt schon bei der Art der Berührung an, bei dem Zauber des ersten Blicks und beim Thema Verführung."

Aber wie stellt man das als Paar am besten an, ohne dass das Gespräch komisch, erniedrigend oder gar peinlich wird? Hier setzt Carsten Müller zum Beispiel darauf, Druck rauszunehmen: "Sex muss gar nicht immer etwas Besonderes sein." Aber er sei eben besser, wenn man darüber spricht – und das am besten so, wie über andere Dinge auch.

Bei der Wahl des Essens etwa: "Wenn ich zum Beispiel weiß, dass mein Partner Spaghetti Bolognese super findet, dann werde ich das vielleicht auch mal zwischendurch kochen. Auch, wenn ich selbst gar keine Lust darauf habe. Ich koche es aber dennoch, weil ich meinem Partner etwas Gutes tun möchte." Und so sei das bei Sexualität im besten Falle auch.

Im Bett über Sex reden? Auf keinen Fall

Und wo spricht man als Paar am besten über Sex? Am Ort des Geschehens, also im Bett? Auf keinen Fall, da sind sich die Experten einig. "Ein solches Gespräch sollte am besten außerhalb der sexuellen Aktion stattfinden", sagt zum Beispiel Nele Sehrt.

Laut Georg Pfau sei aber auch der Frühstückstisch schlecht: "Da sind die meisten Leute nicht bereit, über Sex zu reden." Und unmittelbar vor dem Sex sei eben auch nicht gut. Das sieht auch Carsten Müller so: "Es ist wichtig, dass ein solches Gespräch an einem neutralen Ort und in einer neutralen Situation stattfindet."

Dafür könne das Paar vielleicht sogar einen Termin ausmachen. Dann finde ein bewusstes Erleben von Partnerschaft statt. Und das schaffe Nähe. "Dabei geht es aber nicht darum, jede Fantasie rauszuhauen, die man hat. Es darf auch Dinge geben, die ich dem anderen nicht erzähle."

Georg Pfau rät, vorher dafür zu sorgen, ungestört zu sein und ein erforderliches Ambiente zu schaffen. Und dann geht es darum, die richtigen Worte zu finden: Eine Idee sei laut Carsten Müller, dem Partner vorzuschlagen, drei Fragen zu entwickeln, die wechselseitig beantwortet werden können. "Zum Beispiel: Wie benennen wir unsere Geschlechtsteile? Welche Orte mögen wir? Oder lassen wir lieber das Licht an oder machen Musik an?" Ein solches Gespräch sollte nicht nur einmal stattfinden.

"Das ist ja pervers" ist eine Killerphrase

"Sexualität ist etwas, womit man nie fertig ist", sagt Carsten Müller. Und es ist etwas, was immer wertschätzend kommuniziert werden sollte, sagt Sehrt: "Das ist wesentlich, damit man einander auch zuhören kann." Georg Pfau warnt vor Killerphrasen bei Gesprächen über Sex: "Das ist ja pervers" zu sagen, wenn der andere einem über seine Wünsche erzählt, sei mehr als kontraproduktiv. Eine bessere Aussage wäre hier: "Steh ich nicht so drauf."

Schaffe man es, mit seinem Partner offen, ehrlich und vor allem wertschätzend über Sex zu sprechen, dann bringe das eine Menge Vorteile mit sich, sagt Nele Sehrt. "Aber es ist eben auch eine Herausforderung. Es erfordert eine gewisse Selbstreflexion, sich mit der eigenen Sexualität auseinanderzusetzen. Es erfordert Mut, über die eigenen Bedürfnisse zu sprechen."

Und man müsse auch Ängste überwinden, eventuell in seiner Sexualität nicht angenommen zu werden. Aber das sei ein wesentlicher Teil einer Partnerschaft: Die Nichterfüllung – und die biete auch große Entwicklungschancen.

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