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Schuhe: Cordovan - edle Lederschuhe für Männer

Rolls-Royce an den Füssen

06.08.2013, 10:02 Uhr | Frank Lansky, wanted.de

Schuhe: Cordovan - edle Lederschuhe für Männer. Schuhe: Edle Schuhe für Männer aus Pferdeleder: Cordovan.  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Edle Schuhe für den Mann von Welt. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Es ist edel, es ist teuer und es ist unendlich robust: Pferdeleder begeistert die Freunde edler Leder - es schlägt keine Falten und bricht nie. Wer sich den Rolls-Royce an den Füßen leistet, trägt das Schuhwerk für sein ganzes Leben. wanted.de hat sich informiert.

Foto-Serie mit 10 Bildern

Pferdeleder heißt auch Cordovan, dieser Begriff stammt von der spanischen Stadt Cordoba. Am Anfang stand die militärische Großmacht Spanien: Als die Conquistadores im 15. und 16. Jahrhundert auf ihren Schiffen Süd- und Nordamerika eroberten, nahmen sie ihre Pferde mit. Wenn das Tier starb oder in höchster Not auf dem Atlantik aufgegessen wurde – nicht umsonst heißen Regionen nahe des Äquators "Rossbreiten" – dann fertigten die Spanier aus der Haut Jacken oder Stiefel. Bis in das zwanzigste Jahrhundert hinein war Pferdeleder auch in anderen Ländern preisgünstiger als Kalb- oder Rindleder. Denn Pferde waren weit verbreitet – in der Kavallerie oder als Ackergäule bei Bauern. Neben hohen Militärstiefeln wurden gerne Schuhe aus Pferd für die Jagd im dichten Unterholz gefertigt, sie hielten zuverlässig Dornen ab.

Unkaputtbares Schuhwerk

In der Industrialisierung verschwand Pferdeleder weitgehend.

Zum einen wurden Rösser immer stärker durch Maschinen ersetzt. Zum anderen ist das dicke Leder nur schwierig zu verarbeiten – und das war in Zeiten der Massenproduktion einfach zu teuer. Nur für eines schien ein langer Streifen aus der dicken Haut gut: Für das Schärfen von Rasiermessern, wie es noch in alten Western-Filmen zu sehen ist.

Nun sind Manufaktur-Produkte gefragter denn je, die Nachfrage nach edlen Schuhen steigt. Echtes Pferdeleder ist ein ganz besonderer Stoff: Es ist sehr elastisch und besitzt einen würzigen Duft. Nach der Einlaufzeit schmiegt sich das Leder um den Fuß. Die Schuhe werden im Laufe der Zeit immer weicher und geschmeidiger. Kenner loben die Farbtiefe, die von Mahagonie über Cognac bis Oxblood reicht, das auch nach Jahren noch glänzende spiegelähnliche Finish und die abriebfeste Oberfläche.

Ein Pferd – ein Paar Schuhe

Cordovan ist perfektes Understatement: Es kostet ein kleines Vermögen,

denn nur das Pobacken-Leder von jungen Kaltblütern wird verarbeitet. Die Häute von Reit- und Springpferden sind meist zu dünn. Konkret wandern nur zwei kleine Flächen rechts und links des Schwanzansatzes aus dem obersten Teil des Gesäßbackens, der sogenannten Kruppe, in die Produktion. Nur hier ist die oberste Schicht der Lederhaut, die Papillarschicht, so dick und feinporig, dass sie über Jahrzehnte die Laufbewegungen am Fuß aushält. Die Stücke vom Hinterteil bringen es auf eine Stärke von 1,5 bis 2,2 Millimeter. Zum Vergleich: Rindsleder erreicht eine Dicke von gut 0,5 Millimetern. Die beiden verwendeten Hinterstücke des Cordovan - oder auch Korduan - sind oval und nur etwa jeweils so groß wie ein DIN-A3-Blatt. Die gerundete Form der Stücke erinnert an eine Muschel, deshalb heißt das Material Shell Cordovan. Generell gilt: Ein Pferd – ein Paar Schuhe.
Doch Achtung: Allzuoft werden im Handel vermeintliche Cordovan-Schuhe aus der billigeren Brustpartie des Pferdes angeboten. Dort arbeiten aber nicht die starken Muskeln der Hinterläufe - daher bringt es die sogenannte Horsefront nur auf eine maximale Dicke von 0,8 Millimetern. Dieses Leder kann nur durch eine zusätzliche Unterfütterung, etwa mit Baumwolle, als Oberleder verarbeitet werden.

Schuhe ab 500 Euro aufwärts

Der weltweit bekannteste Zulieferer für hochwertiges Pferdeleder ist die Firma Horween in Chicago, gegründet im Jahr 1905. Ihr Rohmaterial ist so begehrt, dass Manufakturen mitunter bis zu drei Jahre darauf warten müssen. Gegerbt wird über sechs Monate nur mit Pflanzen, die Häute werden von Hand geschoren und kaum bewegt – das Ergebnis ist ein Leder mit dichter und feinfaseriger Struktur. Nach der Trocknung erfolgt das "smearen" – dabei wird ein erwärmtes Pflanzenöl einmassiert. Nach einer 90-tägigen Lagerzeit wird von Hand gefärbt. Zu guter Letzt erfolgt das Glanzstoßen, bei dem das Leder in eine Glas- oder Stahlrolle eingespannt wird. All dies hat seinen Preis: Das Leder für ein Paar Schuhe kostet im Einkauf von der Gerberei weit über 200 Euro. Ein fertiges Paar Cordovan-Schuhe ist bestenfalls ab 500 Euro zu haben – wohlgemerkt für Manufaktur-Größen, nicht für handgefertigte Schuhe. Nur wenige Hersteller haben sich weltweit überhaupt an dieses Nischenthema heran getraut.

Zu den bekannten Marken zählen Alden, Albaladejo, Allen Edmonds, Breitenbach, Church‘s, Cole Haan, Crockett & Jones, John Lobb, Ed. Meier, Florsheim Hanover, Handmacher, Heinrich Dinkelacker, Nettleton, Ludwig Reiter, sowie Silvano Lattanzi.

Zum Schluss noch ein paar Pflegetipps: Wer in ein Sommer-Gewitter gerät oder im Winter durch Pfützen gelaufen ist, muss die Schuhe trocknen – aber auf keinen Fall in der Nähe der Heizung, die macht das Leder spröde. Zeitungspapier in den Schuhen hilft besser. Die Schuhe sollten auf der Seite liegen, damit die Sohle trocknen kann. Wie auch bei anderen Schuhen sollten Schuhspanner aus Zedernholz verwendet werden.
Die so genannten Welts, kleine Bläschen, die sich nach Regen bilden können, verschwinden nach dem Trocknen entweder von selbst oder werden wegpoliert. Durch die Wärme des Fußes oder durch hohe Außentemperatur kann sich ein weißlicher Film an der Oberfläche bilden. Das ist nichts Besonderes - es handelt sich um Fett, das durch die Erwärmung aus dem Leder ausdünstet. Einfach mit einem Tuch wegpolieren.
In unserer Foto-Show können Sie einige Beispiele für Cordovan-Schuhe bewundern.

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