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CrossFit - der härteste Drill der Welt

CrossFit - der härteste Drill der Welt

30.01.2015, 13:32 Uhr | Marc Reisner - wanted.de

CrossFit - der härteste Drill der Welt. CrossFit bringt auch starke Männer rasch an den Rand ihrer Leistungsfähigkeit (Quelle: Gregor)

CrossFit bringt auch starke Männer rasch an den Rand ihrer Leistungsfähigkeit (Quelle: Gregor)

CrossFit ist "das härteste Workout der Welt" – so urteilen die Jünger einer noch jungen Fitness-Sportart, die mit zunehmendem Tempo aus den USA nach Europa schwappt. Erfinder Greg Glassman sagt: "Jeder kann CrossFit.“ Und tatsächlich finden sich immer mehr Anhänger zum Gruppentraining zusammen. Wer allerdings zu spät kommt, den bestraft – nein: nicht das Leben – der Coach.

Foto-Serie mit 10 Bildern

"50 Burpees", fordert der Trainer mit beißender Stimme. Hätte ich mich mal schneller umgezogen. Denn Burpees sind mühsame Kombinationen aus Liegestütz und anschließendem Strecksprung. Nach 50 dieser Strafübungen ist das Training eigentlich schon gelaufen. Das Herz wummert, der Brustkorb kann sich beim Luftschnappen gar nicht weit genug heben.

Harter Drill für Cops

Was in diesem Fall so anstrengend begann, ist bei CrossFit Methode. 1980 überlegte sich der frühere Leistungssportler Greg Glassman das Konzept, mit dem er die allgemeine körperliche Fitness der Teilnehmer an seinen Sportkursen verbessern wollte. Als ihn 1995 die Polizei der kalifornischen Stadt Santa Cruz engagierte, um die Beamten auf Vordermann zu bringen, machte Glassman die Methode zum Business-Modell und eröffnete sein erstes CrossFit-Studio, also eine Box.

Dort wie auch in den anderen, mittlerweile gut 11.000 CrossFit-Studios in aller Welt laufen die Trainingseinheiten stets gleich ab. Das beginnt mit einem lockeren Aufwärmen, das die Muskulatur schonend auf die kommenden Belastungen vorbereiten soll. Es folgt das sogenannte "skill development", bei dem das Ausführen bestimmter Bewegungsabläufe im Fokus steht. Dann kommen die berüchtigten, hochintensiven Einheiten, die die Trainierenden an die Grenze der Erschöpfung bringen – und manchmal darüber hinaus. Mit einem Stretching endet die Übungsstunde.

Kein stupides Pumpen

Und das macht Spaß? Ja, meint Leo Löhr von der Berliner CrossFit-Box Myleo: "Das Training zielt auf eine breit angelegte Fitness ab: Schnelligkeit, Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit und Koordination – kein stupides Pumpen." Dabei steht das Gruppenerlebnis im Mittelpunkt, wie Sabrina Schmitt, Inhaberin der CrossFit Kraftmühle Würzburg, bestätigt: "Die meisten Leute gehen allein ins Fitness-Studio, trainieren dort alleine – da ist die Motivation oft nicht so groß. Das Gruppentraining beim CrossFit lebt von der

Dynamik: Wenn der rechts und links von mir noch strampelt, dann strample ich auch noch." Dass der Nachbar "besser" sein könnte, muss dabei niemand fürchten. Alle Übungen sind skalierbar, das heißt: Wer noch nicht so fit ist, macht einfach weniger oder langsamere Wiederholungen. Das gilt auch für CrossFit Mainz – Motto: "Facit Omnia Voluntas – Der Wille entscheidet!“ Das lässt ängstliche Naturen zwar Übles ahnen. Stimmt aber nicht, beruhigt Coach Achim Lausecker: "Bei uns trainieren die unterschiedlichsten Menschen verschiedenster Leistungsklassen. Wir beherbergen Bürohengste, Leistungssportler, Polizisten, Soldaten, Ärzte, Studenten, Arbeitslose, Angestellte, Selbstständige und einen Diakon.“

Und alle hätten das gemeinsame Ziel, fit zu werden oder zu bleiben und Spaß dabei zu haben. Und CrossFit Heidelberg betont: "Die Bedürfnisse eines Athleten und die einer Rentnerin unterscheiden sich lediglich in der Intensität und nicht in der Art.“

Eine eigene Sprache

Und damit’s besser klingt, gibt es für CrossFit-Jünger eine ganz eigene Sprache. Neben den Burpees ist da zum Beispiel "amrap" – das steht für "as many rounds as possible", also für so viele Durchgänge eines Übungsablaufs wie möglich. Diese Abläufe tragen – zumindest in den "unteren" Kategorien – Frauennamen. So steht "Cindy" für die möglichst häufige Abfolge von fünf Klimmzügen, zehn Liegestützen und 15 Kniebeugen in 20 Minuten. Und "Helen" verschafft sich gehörigen Respekt mit insgesamt drei Wiederholungen in möglichst kurzer Zeit: 400-Meter-Lauf, 21 Schwünge mit der 24-Kilo-Kettlebell (eine Kugelhantel) und einem Dutzend Klimmzügen. Und dann gibt es noch das "WoD", das "workout of the day". Dabei handelt es sich um die täglich variierende Trainingsaufgabe. Übrigens: Wenn eine "Hero WoD" auf dem Tagesplan auftaucht, nimmt man sich hinterher besser nichts mehr vor, denn: Diesen Übungen, die die Namen gefallener US-Soldaten tragen, sind nochmal eine ganze Nummer härter.

Da ist zum Beispiel "Adam Brown“ mit zwei Durchgängen in möglichst kurzer Zeit zu je 24 Wiederholungen: Deadlift mit der gut 130 Kilo schweren Langhantel, Sprung auf eine 60 Zentimeter hohe Holzbox, Würfe mit einem Neun-Kilo-Medizinball gegen die Wand, Bankdrücken mit einer 87,5-Kilo-Langhantel, noch einmal Medizinballwürfe, Clean (etwa Reißen im Gewichtheben) mit der 65-Kilo-Langhantel.

Promis stehen auf CrossFit

Dass CrossFit bewirkt, was es soll, davon sind auch immer mehr Promis überzeugt. Brad Pitt und Matt Damon trainieren ebenso in einer "Box" wie Serienstar Trevor Donovan, der österreichische Ski-Profi Marcel Hirscher und Schauspieler Elyas M’Barek ("Fack ju Göhte“): "CrossFit ist ein Fitness-Programm, aber eigentlich eine neue Sportart.“ M’Barek war vor einiger Zeit Markenbotschafter von Reebok, als der US-Sportartikelkonzern auch in Deutschland die Leidenschaft fürs CrossFit wecken wollte. So ganz ist dieser Plan nicht aufgegangen: Während in den USA Tausende von CrossFit-Anhängern in gut 6500 Boxen schwitzen, gibt es in Deutschland noch nicht einmal 150 Studios. Dabei ist es recht simpel, eine CrossFit-Anlage zu betreiben: ein paar Räume mit hohen Decken, der Nachweis eines bestandenen CrossFit-Trainer-Kurses und eine Lizenz, die es für 3000 US-Dollar im Jahr gibt, reichen. Dann darf ein Studio mit der Marke "CrossFit“ werben. Wer ein- bis zweimal pro Woche bei "Eva", "Amanda" oder "Diane" mitmacht, der wird schnell eine gehörige Fitness-Verbesserung bei sich ausmachen. Dass dabei etwaige Fettpölsterchen schmelzen wie Schnee in der Sonne, ist angesichts von durchschnittlich 450 verbrannten Kalorien je Trainingseinheit kein Wunder. Man darf sich halt nicht von Burpees schrecken lassen. Impressionen von Training sehen Sie in unserer Fotoshow.

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