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Sportsakko: Die Alternative zum Anzug

Sportsakko: Auch ohne Anzug gut angezogen

14.09.2015, 13:57 Uhr | Uwe Kauss - wanted.de

Sportsakko: Die Alternative zum Anzug. Ein Sportsakko von Dolzer. (Quelle: Dolzer Maßkonfektionäre)

Ein Sportsakko von Dolzer. (Quelle: Dolzer Maßkonfektionäre)

Lässig, aber nicht nachlässig. Entspannt, aber nicht salopp. Mit dem Sportsakko ist Mann auch ohne Anzug gut angezogen. Aber nur, wenn erstens das Sakko und zweitens der Rest der Kleidung passt. Leonid, Modedesigner des ambitionierten Frankfurter Labels "leonid matthias", erklärt, wie man es trägt und kombiniert.

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Das Sportsakko ist es ein naher Verwandter des klassischen Jacketts. Und so wirkt es einerseits auch. Andererseits haben die Designer ihm die Förmlichkeit und Strenge herausgeschüttelt. "Ein Sportsakko ist vielseitiger und darf viel mehr als ein normales Jackett", sagt Leonid, Modedesigner des Frankfurter Hip-Labels "leonid matthias", das sich in Deutschland mit seinen unkonventionellen, aber alltagstauglichen Kollektionen in der Szene einen Ruf erarbeitet hat. Nachnamen nennen die beiden Inhaber übrigens grundsätzlich nicht - das soll Nähe zum Kunden schaffen.

Sportiver als ein Anzug

Der Mann von Welt sucht heutzutage natürlich auch nach einem Sportsakko. "Es darf lauter sein, mehr Details haben, lockerer aussehen und sitzen, da es bequem und sportlich geschnitten ist", erklärt er. "Die Designer spielen mit Stoffen, Taschenformen, Knöpfen und bei der Verarbeitung. Details wie ein Ärmelbesatz aus Leder am Ellbogen oder Verzicht auf Einlagen, Futter und Schulterpolster sind nicht selten."

Klare Stiltrends sind für Leonid derzeit kaum auszumachen. Alles geht – das ist für ihn der Trend. Nur Cordsakkos gehören derzeit nicht dazu: "Die sieht man derzeit nur noch selten." Von Retro bis Avantgarde seien dutzende Schnitte, Farben, Stoffe und Details in Kombination mit zwei oder drei Knöpfen zu haben. Doch das wichtigste sei: die Kombination. Mann trägt das Sportsakko schließlich eher selten ohne andere Kleidungsstücke. "Überall dort, wo kein Anzug nötig ist, sitzt das Sportsakko richtig."

Man kombiniert es im Büro oder zu Anlässen klassisch mit einer schlichten Stoffhose, einer Chino oder guter Jeans sowie einem farblich passenden Hemd mit oder ohne Krawatte. "Man kann das Sportsakko aber auch mit verwaschener Jeans oder Bermudashorts kombinieren - hier sind keine Grenzen gesetzt", betont der Modedesigner.

Coole Kombinationen "Ausgefallene Hemden, T-Shirts

und Polohemden machen den Look modisch. Oder man trägt einen Pullover drunter - dafür werden die Ärmel guter Sportsakkos oft breiter geschnitten."

Doch auch "auffällige Gürtel, Einstecktücher, Halstücher und Fliegen passen." Bei Krawatten bleibt die Seide in der Schublade – die Strickkrawatte ist nun die richtige Wahl. Nur glänzen darf das Sportsakko für Leonid nicht: "Dann sieht es aus, als würde man das Jackett aus dem Büro auftragen."

Die Schuhe sind aber für ihn elementar: "Sie können die gesamte Kombination ruinieren." Seine Regel: "Zum Sportsakko niemals Chucks oder Laufschuhe anziehen. Da wirkt man wie ein Student." Sport- oder Wildlederschuhe passen für ihn aber ebenso gut wie der klassische Herrenschuh.

Jackett - Sakko - Blazer

Entwickelt hat sich das Sportsakko aus dem Anzugjackett - französisch: jaquet - dessen Schnitt sich im 19. Jahrhundert aus der Reitkleidung des britischen Landadels etablierte. Ein Jackett war früher ein Waffenrock; es gilt heute eher als meliert und wird meist im Winter getragen. Das Jackett trug man anfangs einreihig, fast knielang ohne Taillennaht mit abgerundetem Abstich und paspelierten Kanten. Die Ärmel hatten einen genähten Aufschlag mit Zierknöpfen. Die ersten Sakko - der Begriff stammt vom italienischen "Sack" - waren dagegen zweireihig geknöpft, untailliert, gerade und "sackförmig" geschnitten. Sie wurden mit Hosen aus dem gleichen Stoff von der einfachen Bevölkerung getragen, da das alltagstauglich und kostengünstig war. Der Sakko kam ohne Verzierungen, doppelte Manschetten oder weitere Ausstattung aus. Erst ab etwa 1900 wurde er auf Figur mit den bis heute vorhandenden Klappentaschen und einer schräge Brusttasche geschnitten. Das Jackett wurde von nun an ebenso als Sakko bezeichnet. Die erste sportlichere Variante entstand in England mit dem Blazer. Zu seiner Entstehung gibt es zwei Theorien: Das zweireihige, marineblaue Jackett mit Goldknöpfen habe die Besatzung der Fregatte "HMS Blazer" zum Besuch von Königin Viktoria erstmals 1837 getragen. Die repräsentative Mannschaftsjacke habe sich schnell durchgesetzt. Die einreihige Variante könnte aber auch von den Mitgliedern

britischer Ruderclubs stammen, die Blazer mit dem Clubwappen auf der Brusttasche trugen. Der Name sei von "to blaze" abgeleitet, was "glänzen, strahlen" bedeutet. Nicht nur zum Rudern, auch für den Spaziergang im Herbst ist das Sportsakko ein guter Begleiter: "Ein Modell aus Woll-Tweed ersetzt im Herbst den Mantel", empfiehlt Leonid. Ansonsten eignen sich Stoffe wie beispielsweise Kaschmir, feingepunkteter Donegal, Harris-Tweed, Twill-Schurwolle, feinste Vicuna-Wolle, Merinowolle sowie Leinen mit etwas Seide. Und wenn das Budget keine Rolle spielt, bietet sich vielleicht diese Variante an: Der teuerste Sakko-Stoff der Welt ist die Lotusseide aus den Fasern der Indischen Lotosblume, die in Myanmar hergestellt wird. Für einen laufenden Meter Stoff sind rund 32.000 Blüten notwendig. Der italienische Edelschneider und Stoffproduzent Loro Piana fertigt daraus Maßsakkos ab etwa 7000 Euro. Der Vorteil jeder Maßfertigung: Das Sakko passt – egal, ob die Arme zu kurz, der Bauch zu dick oder der Rücken zu breit ist. Details machen den Unterschied: So lassen sich Zahl und Gestaltung der Ärmelknöpfe, die sich öffnen lassen können, verschiedene Taschenformen, der Stoff und Schnitt des Innenfutters sowie die Gestaltung der Innentaschen ebenso auswählen wie Form und Gestaltung des Revers oder die Farbe des Unterkragens, in dem auch der gestickte Name seinen Platz findet.

Bespoke oder Made to Measure

Zu einer einer echten Maßanfertigung - der Fachbegriff: bespoke - gehören mindestens drei Anproben. Bis das Sakko perfekt sitzt, vergehen meist vier bis sechs Wochen. Das kostet zwischen etwa 550 bis weit über 2500 Euro. Anproben lohnen sich bei renommierten Herrenschneidern wie beispielsweise Alexander Amann und Egon Brandstetter in Berlin, Radermacher in Düsseldorf, Ulf Friedrich sowie Dühnforth und Wulff in Hamburg oder Isabel Loureiro in Wiesbaden. Deutlich günstiger ist Maßkonfektion - made to measure - bei der vorgefertigte Teile je nach Größe zu einem individuell passenden Sakko kombiniert werden. Sie sind schon ab etwa 200 Euro zu haben. Empfehlenswert sind etwa der britische Edelstoffhersteller Scabal in Berlin, "Regent Handtailored" in Weissenburg, "Cove & Co" mit vielen Ateliers in Deutschland, "Xuits" in Frankfurt, Berlin, Düsseldorf, München und Köln, "Dolzer Maßkonfektionäre" in Hamburg mit 18 Filialen sowie "Kuhn Maßkonfektion" mit ebenso vielen Ateliers in Deutschland. Trägt Mann das perfekt sitzende Sportsakko, so muss er Stil beweisen: "Die Taschen sind nicht dazu da, um sie vollzustopfen", warnt Modedesigner Leonid. Schlüssel, Autoschlüssel, Sonnenbrille, Geldbörse und Smartphone müssen woanders hin. "In die Tasche gehört ein Taschentuch. Mehr nicht." Auch der Hemdkragen wird nie über dem Sakko getragen. Alles klar? Fehlt nur noch eins: Nicht nur lässig aussehen. Sondern entspannt zu sein. Anregungen sehen Sie in unserer Fotoshow.

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