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Armbänder und Hygiene: Wie ekelhaft sind Festivalbändchen?

Armbänder und Bakterien  

Wie eklig sind Festivalbändchen?

Von Claudia Hamburger

07.06.2019, 08:26 Uhr
Armbänder und Hygiene: Wie ekelhaft sind Festivalbändchen?. Festivalbesucherin mit elf Festivalbändchen am Arm: Für manche Musikfans sind die Eintrittsbänder Trophäen. (Quelle: dpa/Sophia Kembowski)

Festivalbesucherin mit elf Festivalbändchen am Arm: Für manche Musikfans sind die Eintrittsbänder Trophäen. (Quelle: Sophia Kembowski/dpa)

Für manche Musikfans sind Festivalbändchen mehr als nur eine Eintrittskarte. Sie tragen die Armbänder noch Monate oder gar Jahre nach einem Festival um ihr Handgelenk. Die Bänder werden zum Schmuck, zur Erinnerung. Aber auch zum Nährboden für Keime?

Das Festival ist längst vorbei, aber das Stoffbändchen sitzt immer noch am Arm und erinnert an die schöne Zeit. Viele Festivalgänger tragen die Eintrittsberechtigung auch noch lange Zeit nach der Veranstaltung. Ist das unhygienisch?

Studie macht Bakterien auf Festivalbändchen sichtbar

Schaut man sich eine Studie von der University of Surrey in Großbritannien an – die einzige zu dem Thema – wirkt das auf den ersten Blick so: Dieser zufolge tummeln sich auf den Armbändern jede Menge Keime, und zwar mehr als 20-mal so viele wie auf Kleidung, die regelmäßig gewaschen wird. Das hat Professorin Alison Cottell 2015 herausgefunden. Sie untersuchte zwei Festivalbänder, die rund zwei Jahre lang getragen worden waren. Die Konzentration von Staphylokokken und Mikrokokken auf diesen war besonders hoch.

Diese Bakterien befinden sich allerdings auch ohne Armschmuck auf unserer Haut, wenn auch in einer deutlich geringeren Menge. Sie sind Cottell zufolge in der Regel harmlos. Bei offenen Wunden oder Schnitten könnten sie aber zu Infektionen führen. "Und sie können eine Lebensmittelvergiftung hervorrufen, wenn sie über die Nahrung aufgenommen werden", wird Cottell in einem Artikel der britischen Zeitung "The Telegraph" zitiert.

Festivalbändchen sind keine Gesundheitsgefahr

Stellen die Armbänder also eine Gesundheitsgefahr dar? "In der Regel nicht", gibt Dermatologe Cord Sunderkötter Entwarnung, "wenn man die Bändchen nicht gerade ableckt oder sie dort weiter trägt, wo strenge hygienische Regeln zu beachten sind, also zum Beispiel bei Speisezubereitungen oder bei der Arbeit an Patienten."

Der Direktor der Universitätsklinik und Poliklinik für Dermatologie und Venerologie in Halle erklärt, dass Staphylokokken (vor allem Staphylococcus aureus) zwar eine Reihe von Infektionen verursachen könnten. Aber dazu müssten sie Lücken in der Hautbarriere finden und zudem das körpereigene Abwehrsystem überwinden. "Deshalb macht es in der Regel nichts aus, dass über die Hälfte der Menschen in Mitteleuropa eh mit vielen Staphylococcus aureus besiedelt ist und andere das Bakterium aus der Umwelt aufnehmen", so Sunderkötter.

Hygiene: Infektionsrisiko ist extrem gering

Andreas Podbielski, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie, Virologie und Hygiene in Rostock, sieht das Risiko für eine Infektion als "sehr, sehr gering" an. "Aus hygienischer Sicht ist es relevant, ob es im Zusammenhang mit Gegenständen oder Tätigkeiten zu einer Infektion kommt – und über Infektionen durch Festivalbändchen ist in der weltweiten Fachliteratur nichts berichtet." Armschmuck spielt für den Krankenhaushygieniker infektiologisch eine vollkommen untergeordnete Rolle.


Andere Schmuckstücke werden im Vergleich zu den Einlassbändchen in der Regel viel länger getragen. "Und die werden ja auch nie hygienisch aufbereitet." Vor allem Fingerschmuck sieht der Experte als problematischer an – insbesondere im Bereich der medizinischen Versorgung. "Weil ich mit den Fingern Menschen und Dinge anfasse, und mir damit Keime auflese", sagt Podbielski. "Und je nachdem, wie der Fingerschmuck gestaltet ist, könnten sich darauf und mehr noch darunter Keime ansiedeln und ein eigenes Keimreservoir bilden."

Festivalbändchen aber würden irgendwann sowieso kaputt gehen – "Und dann hat sich das Problem von selbst gelöst". Im wahrsten Sinne des Wortes.

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