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Deutsche Bahn: Winter als Problem – was wir vom Ausland lernen können


Was Österreich und die Schweiz besser machen


Aktualisiert am 06.12.2023Lesedauer: 4 Min.
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ICE bei Einfahrt in den Münchner Hauptbahnhof: Schnee und Eis verursachen in Deutschland immer wieder ein Bahnchaos. (Quelle: IMAGO/Wolfgang Maria Weber/imago)

Schneewehen auf den Schienen, vereiste Oberleitungen: Die Deutsche Bahn hat immer wieder Probleme mit dem Winter. Wieso rollen die Bahnen im Ausland?

Es ist wieder kalt in Deutschland, vielerorts schneit es, im Süden sogar deutlich mehr als sonst – und die Deutsche Bahn hat wieder Probleme: Vielerorts fallen Bahnen aus, es kommt zu Verspätungen. Im Süden führten extreme Schneefälle zu Verkehrs- und Bahnchaos.

Doch wie lassen sich Verspätungen und Zugausfälle bei Schnee und Eis erklären? Und warum klappt es anscheinend in anderen Ländern wie Österreich, der Schweiz oder Skandinavien so viel besser? t-online hat mit verschiedenen Experten und der Deutschen Bahn über das Thema gesprochen.

 
 
 
 
 
 
 

Funktionierende Bahn-Infrastruktur ist auch eine Kostenfrage

Einer dieser Experten ist Christian Böttger. Er arbeitet als Professor für Verkehrswesen und Eisenbahn an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin (HTW Berlin) und beschäftigt sich unter anderem mit der Bahn-Infrastruktur in Deutschland. Er erklärt: "Das deutsche Bahnnetz ist nicht flächendeckend für Frost ausgelegt – es gibt beispielsweise so etwas wie Weichenheizungen. Andere Länder haben alle Strecken damit ausgerüstet – Deutschland eben nicht flächendeckend." Letztlich sei das natürlich auch eine Kostenfrage.

Das erklärt auch Daniel Pinka, Pressesprecher für die Infrastruktur der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB): "Je mehr investiert wird, desto verlässlicher ist das Netz." Allerdings gibt er auch zu bedenken, dass es keine hundertprozentige Sicherheit gegen Extremwetterverhältnisse geben kann.

"Die letzten Tage waren auch für die ÖBB schwierig. Auch wir sind nicht von Ausfällen verschont geblieben." Sowohl die Österreicher als auch die deutschen Kollegen haben auf Hochtouren an der Reparatur des Netzes gearbeitet.

Auch Rechtslage und Personalmangel führen zu Problemen

Aber es gibt auch einen weiteren Punkt: Immer wieder klagen Fahrgäste Berichten zufolge gegen die Bahn und fordern Schadenersatz – beispielsweise dann, wenn sie wegen umgestürzter Bäume, Schnee, Eis oder auch eines Defekts an der Bahn lange Zeit im – stehenden – Zug ausharren müssen.

Böttger vermutet, dass auch dies dazu führen könnte, dass die Deutsche Bahn Züge lieber ausfallen lässt, als zu riskieren, dass sie auf der Strecke liegenbleiben. In vielen Fällen sei die deutsche Überregulierung ein Problem.

Dazu komme bei der Deutschen Bahn Personalmangel: "Es fehlen beispielsweise Reinigungskräfte, die man bräuchte, um eine Weiche freizuschippen", so Böttger. Und: Die Technik werde immer komplizierter und damit störanfälliger. Gleichzeitig sei nicht bei allen Baureihen von Zügen auf Winterfestigkeit geachtet worden.

Aber auch Böttger bekräftigt: Nicht nur Deutschland habe mit Problemen im Winter zu kämpfen. Der Bahnexperte berichtet beispielsweise von Bussen in Großbritannien, die generell nur mit Sommerreifen ausgestattet seien.

Und dennoch: Was könnte sich die Deutsche Bahn vom Ausland abschauen?

Das könnte die Deutsche Bahn von ausländischen Bahnen lernen

Sowohl die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) als auch die ÖBB scheinen auf den ersten Blick besser mit Schnee und Eis klarzukommen als die Deutsche Bahn. Auf t-online-Anfrage erklärt eine SBB-Sprecherin, das Unternehmen äußere sich grundsätzlich nicht zu anderen Bahnunternehmen, die Verkehrsnetze der Schweiz und Österreich seien kaum miteinander zu vergleichen. Allerdings gibt sie einen Einblick, wie sich die SBB auf den Winter vorbereiten. Auch die ÖBB haben einen festen Winterplan. Dazu gehören beispielsweise laut Angaben der jeweiligen Sprecher folgende Aspekte:

  • In der Schweiz sind bei einem Wintereinbruch rund 360 Mitarbeiter im Einsatz, die sich nur um Schneeräumungen kümmern.
  • Vereisungen an Zügen wird vorgebeugt, indem abgestellte Züge an Heizanlagen angeschlossen werden.
  • Alle klimatisierten Züge der Schweiz werden im Winter im Stand-by-Modus geparkt, damit sie nicht einfrieren und einfacher vorgeheizt werden können.
  • Die SBB betreiben Weichenheizungen an rund 60 Prozent ihrer Weichen, was rund 7.500 Anlagen entspricht.
  • Die ÖBB investieren rund 40 Millionen Euro pro Jahr in den Winterdienst und kontrollieren Lawinen- und Steinschlagschutz sowie Schutzwälder, Fels- und Böschungsflächen.
  • Von rund 13.300 Weichen in Österreich sind rund zwei Drittel mit Weichenheizungen ausgestattet.
  • Zusätzlich gibt es 54 Wetterstationen und 60 Mitarbeiter im Lawinenwarndienst.
  • Zur Schneeräumung nutzen die ÖBB unter anderem Schneeschleudern, Schneepflüge und Schneefräsen sowie -bürsten.

Das sagt die Deutsche Bahn zum Winterchaos auf der Schiene

Doch auch die Deutsche Bahn hat bereits Vorkehrungen getroffen, wie eine Bahnsprecherin auf t-online-Anfrage erklärt. Grundsätzlich bezog sich die Sprecherin jedoch vor allem auf das Schneechaos im Süden Deutschlands: Es sei in München so viel Schnee gefallen wie noch nie seit Beginn der Messungen. "Ein Wintereinbruch dieser Dimension stellt das komplexe Eisenbahnsystem vor besonders große Herausforderungen", erklärt sie.

Dazu zähle beispielsweise, dass Schienen nicht wie Straßen und Rollbahnen einfach bestreut, sondern mit schweren Räumfahrzeugen von Schnee und Eis befreit werden müssten. Zusätzlich seien zahlreiche Bäume unter der extremen Schneelast auf Gleise und Oberleitungen gestürzt. Gefrierender Niederschlag überziehe die Oberleitungen zudem mit "zum Teil fingerdicken Eispanzern".

Es gebe zwar auch in Deutschland Weichenheizungen, doch die könnten nichts gegen den extremen Schneefall ausrichten. Die Deutsche Bahn habe allerdings mehr als 1.500 Räumkräfte an den Schienen und Weichen im Einsatz, und Helikopter überflögen das Streckennetz.

Deutschlandweit sorgen rund 18.000 Mitarbeiter dafür, dass Bahnsteige und Gleise von Eis befreit werden, an strategisch wichtigen Punkten stehen Räumfahrzeuge und schwere Loks bereit. Viele Weichen sind mit Weichenheizungen und Antriebsabdeckungen geschützt, allein in Nordrhein-Westfalen sind mehr als die Hälfte der Weichen (7.300 von 12.400) mit einer Weichenheizung versehen.

Verwendete Quellen
  • Gespräch mit Prof. Dr. Christian Böttger, HTW Berlin
  • Gespräch mit Daniel Pinka, Pressesprecher der ÖBB, Bereich Infrastruktur
  • Anfrage Deutsche Bahn
  • Anfrage SBB
  • deutschebahn.com: "Zahlen & Fakten zum Winterdienst"
  • presse-oebb.at: "Schnee und Eis können kommen – ÖBB bereit für den Winter"
  • news.sbb.ch: "Bereit für den Winter"
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