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Island platzt aus allen NĂ€hten

Julia WĂ€schenbach/dpa

Aktualisiert am 11.11.2016Lesedauer: 3 Min.
Der Geysir Strokkur.
Der Geysir Strokkur. (Quelle: dpa)
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WĂ€hrend der Fußball-Europameisterschaft eroberten sie die Herzen der Zuschauer und waren die Überraschung des Turnieres. Jetzt schlĂ€gt sich der Hype um die IslĂ€nder auf den Tourismus nieder. Dass Fans der sympathischen Wikinger gen Norden strömen, passt lĂ€ngst nicht allen.

Es gibt einen Spruch, der Islands Fußballtrainer Heimir HallgrĂ­msson schon sein Leben lang verfolgt. "Er handelt davon, dass Island zu wenig Einwohner hat, um jemals die Endrunde eines großen Fußballturniers erreichen zu können", sagt HallgrĂ­msson. Im Sommer hat er seinen Landsleuten das Gegenteil bewiesen. Gemeinsam mit dem damaligen Cheftrainer Lars LagerbĂ€ck fĂŒhrte er Islands Fußballer bis ins Viertelfinale der EM. Der Erfolg der Elf, die jedes Match mit dem Schlachtruf "Hu!" feierte, löste einen weltweiten Hype aus - und hat dem Land eine beispiellose Imagekampagne beschert.


So schön ist Island

Island - Geysir Skolaferdalag
Altstadt von Reykjavik
+4

Das war die beste Werbung

"Eine bessere Werbung fĂŒr Island hĂ€tte man wohl nicht kaufen können", sagt HallgrĂ­msson. "Selbst ein Vulkanausbruch hĂ€tte nicht so einen großen Einfluss gehabt." Nicht nur im Gastgeberland Frankreich flogen den IslĂ€ndern die Herzen zu. 152.000 Artikel in Medien weltweit zĂ€hlte das Tourismus-BĂŒro Promote Iceland im Sommer. Die Webseite Visiticeland.com verzeichnete doppelt so viele Zugriffe wie sonst, als Island die EnglĂ€nder im Achtelfinale schlug. Und in Deutschland googelten Internetnutzer Island wĂ€hrend der EM fast fĂŒnfmal so hĂ€ufig wie zuvor.

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Dabei hĂ€tte sein Land die Gratisreklame gar nicht gebraucht, meint der 49-jĂ€hrige HallgrĂ­msson, der neben seinem Job als Fußballtrainer Zahnarzt ist. Der Tourismus auf der kleinen Insel im Nordatlantik wĂ€chst gerade Jahr um Jahr mit 25 bis 30 Prozent.

Zu viele Menschen?

Rund 1,7 Millionen Touristen erwartet das Land fĂŒr das Jahr 2016 - zu viele, wenn man HallgrĂ­msson fragt. "Jeder kommt nach Island, um sich die Natur anzusehen, und wir zerstören sie, indem wir sie mit Menschen ĂŒberfrachten." Besonders merkt der Nationaltrainer das auf "seiner" Inselgruppe, den WestmĂ€nnerinseln im SĂŒden Islands.

Im Sommer ist die FĂ€hre zwischen diesen Inseln und der Hauptinsel oft völlig ĂŒberfĂŒllt. Manchmal so sehr, dass HallgrĂ­msson nicht mehr nach Hause kommt, erzĂ€hlt er: "Das ist merkwĂŒrdig fĂŒr mich." Bis Island seine Infrastruktur ausgebaut habe, sollte fĂŒr Urlauber ein "Ausverkauft"-Schild am Flughafen hĂ€ngen, meint HallgrĂ­msson.

Doch die Tourismusbranche denkt nicht daran, dem nicht nachlassenden Strom von zahlungswilligen GĂ€sten Einhalt zu gebieten. Die Flugzeuge auf die Insel sind inzwischen auch im Winter voll von Urlaubern, die Nordlichter und schneebedeckte Gletscher sehen wollen.

Auf der Suche nach dem Gleichgewicht

"Derzeit sieht es so aus, dass wir in diesem Jahr im Vergleich zum Vorjahr um 127 Prozent wachsen werden", sagt SkĂșli Mogensen, GrĂŒnder und Chef der Billig-Airline Wow Air. Auch wĂ€hrend der EM hatten die Fluggesellschaften schon mehr verdient als sonst: Mehr als 30.000 IslĂ€nder reisten nach SchĂ€tzungen zur EM-Premiere ihres Landes nach Frankreich. Das sind rund zehn Prozent der Bevölkerung.

"Wir mĂŒssen ein Gleichgewicht finden", sagt Hermann Hreidarsson. Der 89-malige Nationalspieler und England-LegionĂ€r ist heute selbst Hotelbesitzer. Gemeinsam mit seinem Vater fĂŒhrt er das Stracta Hotel in dem kleinen Ort Hella. Das Haus mit 120 Betten liegt nicht weit vom "Golden Circle", einer der grĂ¶ĂŸten Touristenrouten Islands. "Jeder ist sich der Situation bewusst, aber der Tourismus ist einfach eine massive Industrie geworden", sagt der 42-JĂ€hrige.

Das GeschĂ€ft mit den Urlaubern hat den Fischfang lĂ€ngst als grĂ¶ĂŸter Wirtschaftszweig geschlagen. Nach der Finanzkrise und dem Zusammenbruch der Banken 2008 hat sich Island auch dank der vielen Touristen erstaunlich schnell erholt. "Wird die Insel ihren Charme verlieren?", fragt Hreidarsson, der wie HallgrĂ­msson von den WestmĂ€nnerinseln stammt. "Ich glaube nicht."

Der Nationaltrainer hat grĂ¶ĂŸere Bedenken

FĂŒr ihn liegt der grĂ¶ĂŸte Gewinn aus dem sensationellen Auftritt seiner Mannschaft bei der EM ganz woanders: "An den Juni 2016 wird man sich immer als den Monat erinnern, der die islĂ€ndische Nation geeint hat", sagt HallgrĂ­msson. "Politische Feinde haben nebeneinander gesessen und sich umarmt, und eine Oma, die nie in ihrem Leben Fußball gesehen hat, hat sich mit ihren Kindern und Enkelkindern zusammen ganze Spiele angesehen."

Nach der Krise hĂ€tten die Menschen endlich wieder etwas gehabt, ĂŒber das sie sich gemeinsam hĂ€tten freuen können, anstatt ĂŒber einander zu lĂ€stern, meint der Trainer. "Wir haben die Nation glĂŒcklich gemacht." Und das islĂ€ndische Fußballabenteuer, ist er ĂŒberzeugt, ist lĂ€ngst nicht zuende: Das "Hu!" der Wikinger soll auch bei der Weltmeisterschaft in Russland 2018 erklingen. Auf dem besten Wege dahin sind die IslĂ€nder. In ihrer Qualifikationsgruppe liegen sie derzeit punktgleich mit Kroatien auf dem zweiten Platz.

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