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Gambia: Neues Trendziel lockt mit Sonnengarantie

Ideal für Strandurlaube  

Neues Trendziel lockt mit Sonnengarantie

10.09.2019, 10:45 Uhr | Karsten-Thilo Raab/srt

Beach (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)
Gambia: Hier liegt das neue Urlaubs-Trendziel

Ausgedehnte Strände, seltene Tiere und dabei immer Sonnenschein: Ein kleines Land bietet all das – und ist dennoch ein relativ unbekanntes Urlaubsziel.

Gambia: Hier liegt das neue Urlaubs-Trendziel. (Quelle: t-online.de)


Ausgedehnte Strände, seltene Tiere und dabei immer Sonnenschein: Ein kleines Land bietet all das – und ist dennoch ein relativ unbekanntes Urlaubsziel. 

Nicht nur, weil die Sonne so oft lacht, sondern vor allem wegen der offenen, freundlichen Art seiner Bewohner nennt sich Gambia selbst "The Smiling Coast of Africa". Das kleine Land in Afrika, das mit Ausnahme der Atlantikküste komplett vom Senegal umgeben ist, gehört für viele noch zu den weißen Flecken auf der Landkarte. Dabei weiß Gambia mit nahezu ganzjährig konstanten Temperaturen, herrlichen Stränden, ausgedehnten Mangrovenwäldern und faszinierender Natur zu begeistern.

Taxis "Made in Obertürkheim" statt Bus und Bahn

Die Infrastruktur in der ehemaligen britischen Kolonie, die 1961 in die Unabhängigkeit entlassen wurde, ist sicherlich verbesserungswürdig. Es gibt weder eine Eisenbahnlinie, noch ein überregionales Bussystem. Dafür rollen kleine Sammelbusse und Tausende markant gelb-grüner Taxis, meist "Made in Obertürkheim", über die wenigen asphaltierten Hauptverkehrsachsen. Immer wieder flanieren Wasserbüffel gemütlich über die Straßen, die außerhalb der Städte oft von riesigen Reisfeldern gesäumt werden.

Taxistand in Gambia: Weil es in Gambia kein funktionierendes Bus- und Bahnsystem gibt, wählen viele Menschen die charakteristischen grün-gelben Taxis, um von einem Ort zum anderen zu gelangen.  (Quelle: Richard Wareham)Taxistand in Gambia: Weil es in Gambia kein funktionierendes Bus- und Bahnsystem gibt, wählen viele Menschen die charakteristischen grün-gelben Taxis, um von einem Ort zum anderen zu gelangen. (Quelle: Richard Wareham)

Unter schattenspendenden Bäumen sitzen Gruppen von Männern gemütlich beim Plausch zusammen oder waschen liebevoll ihre Autos.
Wichtigste Lebensader in einem Land, das über keine nennenswerten Bodenschätze verfügt, ist der namensgebende Gambia River, dessen Mündungsarm in den Atlantik eine Breite von bis zu 50 Kilometer erreicht.

Über die dunkle Geschichte Gambias lernen 

Die 1.120 Kilometer lange Wasserstraße nimmt auch eine zentrale Rolle in einem der dunkelsten Kapitel des afrikanischen Kontinents ein. Von der mitten im Fluss liegenden St. James Insel wurden ab dem 17. Jahrhundert über Jahrzehnte mehrere Zehntausend Westafrikaner, darunter viele aus dem heutigen Gambia, als Sklaven deportiert. Sie landeten dann in Nordamerika. Ein trauriges Schicksal, das Autor Alex Haley in seinem Bestseller "Roots" literarisch aufgearbeitet hat. Die Verfilmung der bewegenden Geschichte von Kunta Kinteh zog weltweit ein Millionenpublikum in ihren Bann.

In Gedenken an den wohl berühmtesten Sohn Gambias wurde die St. James Insel im Jahre 2011 in Kunta Kinteh Island umgetauft. Heute steht die Gefängnisinsel als Weltkulturerbe unter dem Schutz der Unesco.
"Wer einmal hier gelandet war, für den gab es kein Entkommen", verweist Guide Buba Uf auf die Tatsache, dass es von der Insel bis Albreda, dem nächstgelegenen Ort auf dem Festland, gut fünf Kilometer sind.

Tiere und Kinder spielen um das Mahnmal gegen Menschenhandel

Zur Zeit des Sklavenhandels gab es jedoch kaum Menschen, die so ausdauernde Schwimmer waren. Außerdem waren die Gefangenen auf Kunta Kinteh Island durch Mangelernährung geschwächt und in diesem Teil des Gambia Rivers tummeln sich ganzjährig zahlreiche Haie.

"In Albreda haben die Engländer einen Flaggenmast aufgestellt und jedem, der es bis dahin schaffen würde, die Freiheit versprochen", sagt Buba. Nie hat ein Sklave das rettende Ufer erreicht. Mit traurigem Blick fügt Buba hinzu: "Der Grund des Gambia Rivers ist voll mit den Knochen verzweifelter Schwarzer."

Wie zum Hohn flattert in Albreda noch immer eine Fahne. Nur einen Steinwurf entfernt erhebt sich ein Mahnmal gegen den Menschenhandel, das einen schwarzen Stahlkoloss mit gesprengten Ketten zeigt. Dazwischen tummeln sich Schafe, Ziegen und Dutzende kleiner Kinder, die singen und tanzen, um so ihr nicht vorhandenes Taschengeld mit kleinen Geldspenden der vielen Tagesbesucher aufzubessern.

Mangroven an einem Nebenarm des Gambia River: Besonders imposant sind Kanutouren zum Sonnenauf- oder -untergang. (Quelle: imago images/Imagebroker)Mangroven an einem Nebenarm des Gambia River: Besonders imposant sind Kanutouren zum Sonnenauf- oder -untergang. (Quelle: Imagebroker/imago images)

Kanufahrten über den Gambia River

Wenige Hundert Meter weiter nördlich findet sich mit dem Dorf Juffure der Geburtsort von Kunta Kinteh. Wichtigste Einrichtung ist hier das Haus von Maurel Frères, das als Teil des Unesco-Weltkulturerbes ein kleines Museum beherbergt. Die frei zugängliche Ausstellung widmet sich dem Sklavenhandel im 18. und 19. Jahrhundert, aber auch der Geschichte von Kunta Kinteh und den umfangreichen Recherchen von Autor Alex Haley direkt vor Ort.

Nach dieser zum Teil schwer verdaulichen Geschichtsstunde wird es Zeit, den Gambia River aus einer anderen Perspektive kennen zu lernen. Mit dem Kanu geht es vom Rande des pulsierenden Marktstädtchens Tanji durch den Mangrovenwald. Besonders imposant ist die fast vierstündige Paddeltour zum Sonnenauf- oder -untergang.

Wo seltene Vögel, amüsierte Affen und durstige Moskitos warten 

Vor allem, weil dann in dem weit verzweigten Meer aus buchenartigen Kasuarien die Fauna besonders beeindruckend ist. Allein rund 550 exotische Vogelarten – darunter seltene Raubseeschwalben, der Rotschnabeltoko und zahllose Pelikane – sind in den Mangroven beheimatet. In der salztoleranten Vegetation der Mangroven erheben sich immer wieder auch die mächtigen Baobab-Bäume, auch als Affenbrotbäume bekannt, an den Ufern. Warane dösen teilnahmslos auf dicken Ästen in der Sonne oder lauern auf Beute, während sich ganze Affenstämme scheinbar amüsiert von Ast zu Ast schwingen oder sich genüsslich gegenseitig lausen.

Ein Muss vor jeder Kanutour ist das Auftragen von Insektenschutz. Denn insbesondere in Mangroven tummeln sich Moskitos. Und die fliegenden Blutsauger können gerade in diesem Teil Afrikas Krankheiten übertragen. Daher hat Buba noch einen etwas augenzwinkernden und schmackhaften Tipp parat: "Du musst viel Tonic Water trinken – am besten mit Gin. Das ist die beste Malaria-Prophylaxe", lacht der Guide. Man könne sich damit auch einreiben, von innen helfe das aber auch. Das Geheimnis, so Buba weiter, sei das im Tonic Water enthaltene Chinin.

Heilige Krokodile streicheln für mehr Glück

Abgesehen von den Moskitos gibt es in Gambia kaum gefährliche Tiere. Raubkatzen wie Löwe und Leopard sind hier nicht zu Hause. Vor den Toren von Bakau gibt es jedoch mit dem Kachikally Crocodile Pool einen kleinen See voller angeblich heiliger Krokodile. Rund 100 der Panzerechsen tummeln sich hier. Die Reptilien zu berühren, soll Glück bringen; einen Schluck des brackigen Wassers zu trinken, soll angeblich helfen, unerfüllte Kinderwünsche Wirklichkeit werden zu lassen.

Damit die Krokodile gestreichelt werden können, werden sie täglich mit 200 Kilo Fisch gefüttert. Dadurch verspüren die Tiere kein Hungergefühl und liegen eher träge in der Sonne herum. Zusammen mit einem "Aufpasser" können sich Wagemutige von hinten ausgewählten Krokodilen nähern und deren Panzer streicheln.

Das Umfeld des Kachikally Crocodile Pools mutet eher bescheiden an. Die engen, staubigen Straßen werden von einfachen Häusern mit Wellblechdächern – und meist ohne fließendes Wasser – gesäumt. Schafe, Ziegen, Hühner und Hunde streunen durch die Gassen, dazwischen toben Kinder ohne Schuhe.

Shoppen an der Cape Point Road

Nur einen Steinwurf entfernt liegen die Marktstände entlang der Cape Point Road von Bakau, wo typische Souvenirs und Handwerkskunst angeboten werden. Überhaupt ist ein Gambiabesuch nicht komplett ohne den Besuch eines der vielen Märkte. Diese sind traditionell Treffpunkt vieler Gambier.


Feilgeboten wird ein buntes Potpourri aus Obst, Gemüse, Fisch und Fleisch, aber auch Gewürzen, Stoffen und farbenfrohen Tüchern. Insbesondere die Frauen mit ihren langen, bunten Kleidern sorgen für herrliche Farbtupfer und Hingucker. Dabei wird in den engen Gassen zwischen den einfachen Ständen gehandelt, getratscht und gelacht. Und spätestens hier wird deutlich, warum sich Gambia "The Smiling Coast of Africa" nennt.

Verwendete Quellen:
  • Reiseredaktion srt

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