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Mauritius ist nicht nur etwas fĂŒr All-Inclusive-Urlauber

dpa, Simone A. Mayer

Aktualisiert am 16.10.2018Lesedauer: 4 Min.
Mauritius: Die kulturelle Vielfalt der Insel hat eine lange Geschichte – ausgehend von Seefahrern und Kolonialherren, die die Insel erstmals besiedelten.
Mauritius: Die kulturelle Vielfalt der Insel hat eine lange Geschichte – ausgehend von Seefahrern und Kolonialherren, die die Insel erstmals besiedelten. (Quelle: Bamba/Mauritius Tourism Promotion Authority/dpa-tmn-bilder)
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Mauritius bietet traumhafte StrĂ€nde und malerische Berge aber auch eine spannende kulturelle Vielfalt: Die Bewohner haben europĂ€ische, afrikanische, indische und chinesische Wurzeln – und leben bis heute alte Traditionen.

Was fĂŒr Europa der Fußball ist, ist fĂŒr Mauritius das Segeln: Nationalsport. An jedem Wochenende treffen sich die Menschen rund um die Insel zu Regatten. Es ist ein großes Ereignis, auch fĂŒr Touristen. Die Besucher sitzen am Ufer, lachen, trinken und feiern. Die einfach gebauten Boote mit den farbenfrohen Segeln sind schön anzusehen im tĂŒrkisblauen Meer, vor der markanten KĂŒste von Mauritius mit seinen dunkelgrĂŒn bewachsenen Bergen. Sie haben eine lange Tradition. Schon die frĂŒhen Fischer fuhren mit den Pirogen raus. Irgendwann startete jemand Rennen, Zuschauer kamen, so enstanden Feste mit Markttreiben, Kunst, Kultur und Musik.


Mauritius – Reise in vier Welten

Beim Sega treten hĂ€ufig TĂ€nzer in traditionellen KostĂŒmen auf.
Auf Mauritius hat sich eine vielfĂ€ltige KĂŒche entwickelt.
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GrĂ¶ĂŸte Regatta beim Festival Kreol

Die grĂ¶ĂŸte Regatta findet zum Festival Kreol (17. bis 26. November 2018) statt. Dann feiert die Insel fĂŒr zwei Wochen seine Kultur – mit Segelsport und vor allem Konzert- und Tanzveranstaltungen wie dem Sware Tipik. Das ist so etwas wie ein Konzert mit Picknick. Im Mittelpunkt steht die Musik – der Sega. Er ist entstanden, als sich Sklaven heimlich treffen mussten, um ihre Religion und Musik auszuleben.

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Mauritius ist ein faszinierender Schmelztiegel der Traditionen. Die von Menschen unbewohnte Insel im Indischen Ozean weit vor der KĂŒste Ostafrikas wurde erst durch Seefahrer besiedelt – von den HollĂ€ndern ab 1598 und ab 1715 von den Franzosen. Die wiederum verloren 1810 das 2.040 Quadratkilometer große StĂŒck Land an die EnglĂ€nder. Sie hielten Mauritius als Kolonie, bis es 1968 unabhĂ€ngig wurde.

Die europĂ€ischen Kolonialherren brauchten Arbeiter fĂŒr ihre Plantagen. So kamen erst afrikanische Sklaven und spĂ€ter indische Arbeiter auf die Insel. Irgendwann folgten chinesische Kaufleute.

Das Ergebnis dieser Geschichte ist eine multikulturelle Gesellschaft mit einer Vielzahl an Religionen und Traditionen. Alle Mitglieder feiern gemeinsam das muslimische Opferfest, genauso wie das chinesische Neujahrsfest und das indische Lichterfest Divali.

Kultureller Mix auf kleinstem Raum

Auf dem Markt bei der Segelregatta wird der kulturelle Mix auf kleinstem Raum besonders deutlich. ReisefĂŒhrer Sameer Takun geht durch Reihen mit MarktstĂ€nden und bleibt vor großen SchĂŒsseln stehen. Er entscheidet sich fĂŒr eine Art Rettich, der in kleinen Scheiben im Saft des Tamarindenbaums eingelegt wurde. GewöhnungsbedĂŒrftig, aber ab dem dritten Bissen lecker. Die Scheiben werden genauso wie eingelegte Mangos und Ananas als Bowle im Becher gereicht.

Drei StĂ€nde weiter gibt es auf einem Blatt Riz frite, gebratenen Reis mit Rosinen. "Und jetzt mĂŒssen wir zum Inder", sagt Takun und zeigt auf eine improvisierte GarkĂŒche. Ein Familienbetrieb, acht Menschen tummeln sich auf drei Quadratmetern und braten scharfe Samosas oder backen das Brot fĂŒr Dholl puri. Das in Fladen gewickelte Linsengericht ist so etwas wie das Nationalgericht von Mauritius.

FusionskĂŒche: Auf Mauritius leben verschiedene Kulturen friedlich zusammen – und alle erfreuen sich an der kulinarischen Vielfalt.
FusionskĂŒche: Auf Mauritius leben verschiedene Kulturen friedlich zusammen – und alle erfreuen sich an der kulinarischen Vielfalt. (Quelle: Bamba/Mauritius Tourism Promotion Authority/dpa-tmn-bilder)

Die KĂŒche wird oft als FusionskĂŒche beschrieben. Nicht unbedingt auf den MĂ€rkten und Festen, wohl aber in den gehobenen Restaurants werden auch noch die französische und englische KĂŒche der Kolonialherren angeboten – und gerne alle EinflĂŒsse kombiniert. Man spricht auch von kreolischer KĂŒche. Kreol steht in vielen Regionen der Welt fĂŒr die Mischung, die einst in kolonialen LĂ€ndern entstanden ist, wo verschiedene Völker, ihre Kulturen und Sprachen zusammenkamen.

Aber Fabio de Polo, Inhaber des Restaurants am Chateau de Labourdonnais, ist mit beiden Begriffen nicht ganz einverstanden: "Kreol ist zu allgemein, das sagt eigentlich nichts aus. Ich wĂŒrde von maurizischer KĂŒche sprechen." Die KĂŒche der Insel habe ihre ganz eigene Note, die sie von anderen kreolischen Kulturen unterscheide.

Backpacker lösen All-Inclusive-Urlauber ab

Diese IndividualitĂ€t entdecke Mauritius derzeit erst, sagt de Polo. Der italienische Gastronom lebt seit einigen Jahren auf der Insel und stellt VerĂ€nderungen im Tourismus fest. Das klassische All-inclusive-Ziel werde vermehrt auch von Individualreisenden und Backpackern besucht. "Das verĂ€ndert die Restaurants. Sie können vermehrt auf Touristen hoffen, wenn sie diese ĂŒber die lokalen SpezialitĂ€ten in hoher QualitĂ€t locken."

Das sieht auch Bernard Maurice so: "Es gibt nun mehr Interesse daran, die Geschichte aufzuarbeiten, auch um sie den Touristen zu zeigen und sie aus den Hotels zu locken." Maurice ist Leiter und Kurator des Chateau de Labourdonnais in Mapou. Das alte Kolonialhaus wurde erst vor wenigen Jahren zum Museum umgestaltet und widmet sich der Geschichte der Insel samt Sklaverei und Zuckerrohr-Anbau.

Bernard Maurice: Er ist Leiter und Kurator des Chateau de Labourdonnais in Mapou.
Bernard Maurice: Er ist Leiter und Kurator des Chateau de Labourdonnais in Mapou. (Quelle: Simone A. Mayer/dpa-tmn-bilder)

Sega dominiert die Musikszene

In jener Zeit entstanden viele Traditionen der afrikanischen Bevölkerung im Land. Auch die typische Musik, der Sega. 200 Jahre spĂ€ter erwartet man daher auch eine kleine Zeitreise, wenn man der Werbung der lokalen Tourismusbehörde folgt und zu einem "Sega Lontan" geht. Er findet im Rahmen des Festivals International Kreol statt – mit TV-LiveĂŒbertragung und Tausenden Besuchern.

Sega verbindet alle Generationen und dominiert die Musikszene des Landes. Das wird auch deutlich, wenn man Radio hört.

Was auffÀllt bei einem Sega oder Sware Tipik: Es sind Veranstaltungen, die fast nur Menschen mit afrikanischen Vorfahren besuchen. Es ist ihr Erbe. Die verschiedenen Kulturen auf Mauritius existieren eher parallel, sie vermischen sich kaum.

"Aber zu den Hochzeiten laden wir alle ein, Hunderte von Menschen sind das, und feiern zusammen", sagt Taxifahrer Amir Amja Beegun. Auch die Feiertage der Religionen werden gemeinsam verbracht. "Wir verstehen uns gut, meine Familie feiert viele Feste mit all unseren Nachbarn. Da kommen Inder, Muslime, Chinesen. Ich feiere besonders gerne bei den Muslimen, die kochen sehr lecker."

Mauritius

Anreise: Condor, Lufthansa und Eurowings fliegen von Deutschland aus direkt nach Mauritius. KLM, Air France und Air Mauritius fliegen via Amsterdam, Paris und London auf die Insel.

Reisezeit: Die Tourismusbehörde empfiehlt die Monate April bis Juni sowie September bis Dezember. Von November bis Mai können Zyklone auftreten, im Februar und MÀrz regnet es hÀufiger.

Gesundheit: Es besteht kein Malaria-Risiko. Allerdings ist guter MĂŒckenschutz zur PrĂ€vention von Dengue-Fieber wichtig.

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