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Mallorca: Die Angst vor fehlenden Touristen steigt

Hochinzidenzgebiet, strenge Maßnahmen  

Die Angst vor fehlenden Touristen auf Mallorca steigt

Von Mauritius Kloft und Sandra Simonsen

25.07.2021, 08:01 Uhr
Wilde Party auf Mallorca – dann greift Polizei ein

Die Corona-Lage in Spanien hat sich in den vergangenen Wochen verschärft. Auch auf der beliebten Partyinsel Mallorca zogen die Behörden jetzt Konsequenzen. Polizeikräfte halfen bei der Umsetzung neuer Maßnahmen. (Quelle: t-online/dpa/Reuters)

Stark gestiegenen Infektionszahle: Auf Mallorca sorgt auch die Polizei für die Einhaltung der verschärften Maßnahmen. (Quelle: t-online)


Lange Zeit gingen die Corona-Zahlen auf Mallorca zurück. Seit einigen Wochen steigt die Inzidenz aber wieder rapide an. Das wirkt sich auch auf Buchungen und Tourismus aus. Die Branche ist verzweifelt.

Als die ersten Touristen nach langen Monaten der Leere wieder nach Mallorca kamen, war die Freude bei Hoteliers und Gastronomen groß. Doch die Sorge davor, dass die Touristen das Virus zurückbringen und die Insel bald wieder dichtgemacht wird, war mindestens genauso groß. Das war Anfang April.

Jetzt, rund vier Monate später, ist der Fall eingetroffen. Seit Ende Juni sind die Corona-Zahlen praktisch überall in Spanien rapide in die Höhe geschossen. Das Land hat mit die schlechtesten Werte in ganz Europa und wurde mit Wirkung zum 27. Juli wieder zum Hochinzidenzgebiet erklärt.

Wie ist die aktuelle Corona-Lage auf Mallorca?

Binnen eines Monats wurden in ganz Spanien rund 475.000 Neuinfektionen gezählt, die Sieben-Tage-Inzidenz stieg von 42 im Juni auf jetzt 333, weit über der Marke von 200, ab welcher Deutschland ein Land zum Hochinzidenzgebiet erklären kann. Auf Mallorca lag der Wert zuletzt sogar bei 365.

In ganz Spanien gab es laut Johns Hopkins University (Stand 23. Juli 2021) bisher mehr als 4,2 Millionen bestätigte Corona-Infektionen und mehr als 81.000 Tote. Zuletzt gab es fast 30.000 Neuinfektionen an nur einem Tag. Auf Mallorca waren es am 22. Juli 644 Neuinfektionen binnen einen Tages. 

In Spanien wurden allerdings schon mehr als 25 Millionen Menschen vollständig gegen SARS-CoV-2 geimpft, was mehr als 53 Prozent der Gesamtbevölkerung entspricht. Entsprechend niedrig sind die Todeszahlen und die Zahlen der Krankenhausaufenthalte im Verhältnis zu den Neuinfektionen. Auf Mallorca sind sogar bereits fast 56 Prozent der Gesamtbevölkerung geimpft. 

Hoteliers und Künstler auf Mallorca sind besorgt

Christoph Heufken betrachtet die aktuelle Entwicklung mit Sorge. Er betreibt seit etwas mehr als 20 Jahren das Boutique-Hotel "Palacio Sant Salvador" im kleinen Örtchen Artà, rund 70 Kilometer von Palma entfernt. t-online hat ihn bereits am Osterwochenende vor Ort getroffen. Nun erreichen wir Heufken telefonisch.

"Seit April ist es uns sehr gut gegangen, daher bin ich auch jetzt optimistisch", sagt er. "Aber die Sorge vieler Menschen hier ist, dass die Buchungen zurückgehen und die Leute ihren Urlaub stornieren, weil die Corona-Zahlen so stark gestiegen sind." Er meint vor allem junge Menschen, die noch nicht geimpft seien oder Familien mit Kindern.

Christoph Heufken: Der Mallorca-Deutsche betreibt ein Hotel in Artà. (Quelle: t-online/Wölk)Christoph Heufken: Der Mallorca-Deutsche betreibt ein Hotel in Artà. (Quelle: Wölk/t-online)

Hotelierverband: 30 Prozent weniger Buchungen

Besorgt zeigt sich auch der Hotelierverband FEHM auf der Insel. Die Pandemieentwicklung habe in den vergangenen Tagen dazu geführt, dass die Urlaubsbuchungen um etwa ein Drittel eingebrochen seien, erklärte die Präsidentin des Verbandes, Maria Frontera, laut "Mallorca Zeitung". 

Die Verlangsamung der Buchungseinträge sei vor allem darin begründet, dass Spanien inklusive der Balearen in Deutschland als Risikogebiet eingestuft wurde und auf der britischen Corona-Ampel jetzt "orange" gekennzeichnet wird. Jetzt habe sich die Lage noch einmal zugespitzt, die Hochstufung zum Hochinzidenzgebiet wird voraussichtlich nicht für eine Entspannung der Situation sorgen. 


Isi Glück: "Eine drohende Vollkatastrophe"

Die Ungewissheit habe dazu geführt, dass bereits geplante Hotel-Wiedereröffnungen erst einmal verschoben werden, wie Maria Frontera in dem Interview berichtete. Mitten in der Hochsaison haben derzeit knapp 85 Prozent der in dem Verband zusammengeschlossenen Hotels geöffnet, normalerweise müssten es knapp 100 Prozent sein. Man wolle versuchen "durchzuhalten", so die Verbandsvorsitzende.

Eine drohende "Vollkatastrophe" sieht die deutsche Sängerin Isabel Buder-Gülck, die auf Mallorca als Isi Glück regelmäßig im Mega-Park an der Partymeile "Ballermann" auftrat. "Wir waren auf einem guten Weg und nun werden viele wieder stornieren", sagte sie. "Das ist ein herber Rückschlag für die Hoteliers und Gastronomen, die eigentlich nichts dafür können."

Positive Rückmeldung von Reiseanbietern

Der Anbieter von Ferienwohnungen "Hometogo" hingegen hat bisher noch keine Stornierungen dokumentiert. "Ich kann aber sagen, dass im Zeitraum vom 1. bis zum 22. Juli im Vergleich zu den drei Wochen davor für das Reiseziel Mallorca mit Check-In im August in Ferienwohnungen und -häuser etwa 50 Prozent weniger Suchanfragen eingegangen sind", erklärt ein Sprecher. Das könne jedoch unterschiedliche Gründe haben. Im Vergleich zum Sommer 2020 ist die Auslastung der Insel in diesem Jahr mit rund 70 Prozent sogar höher. 2020 waren es nur etwas mehr als 50 Prozent im Juli und August. 

Auch der Branchenkollege "fincallorca", der ebenfalls Ferienhäuser auf der Urlaubsinsel anbietet, berichtet Positives: Gerade im Corona-Sommer erfreuen sich Ferienhäuser großer Beliebtheit. Seit der Öffnung Mallorcas zu den Osterferien 2021 kamen demnach alleine über "fincallorca.de" mehr als 10.000 Finca-Urlauber plus Kinder auf die Insel. "Viele Deutsche verbrachten dieses Jahr schon einen ungetrübten Urlaub auf Mallorca", berichtet Benjamin Schleining, Project Manager bei "fincallorca". "Unserem Kenntnisstand nach gab es unter unseren Urlaubern keine einzige Infektion mit dem Coronavirus. Das belegt einmal mehr, dass nicht rein die Inzidenzzahl ausschlagend ist, sondern das individuelle Verhalten vor Ort." Allerdings zeigen aktuelle Zahlen des RKI, das Spanien sehr wohl zu einem Hotspot für Reisende geworden ist. Die meisten infizierten Reiserückkehrer haben Urlaub dort gemacht. 

Ähnlich positiv berichtet aber auch ein Unternehmenssprecher von "Skyscanner": "Nachdem die Reisewarnung für Mallorca im März aufgehoben wurde, verzeichneten wir auf "Skyscanner.de" einen Anstieg von bis zu 600 Prozent bei der Suche nach Flugverbindungen. Dieser extreme Anstieg zeigt deutlich die Beliebtheit Mallorcas bei deutschen Reisenden." Die Daten des vergangenen Monats hätten zudem gezeigt, dass Mallorca immer noch ein beliebtes Reiseziel bei deutschen Reisenden sei, auch wenn es derzeit keine Flugsuchen und -buchungen auf dem hohen Niveau des genannten Anstiegs im März gebe. 

Neue, strengere Corona-Maßnahmen treten in Kraft

Auch die Angst vor den aktuellen Corona-Einschränkungen könne dabei eine Rolle spielen, befürchtet Heufken. Die Regionalregierung der Balearen, zu denen neben Mallorca auch Menorca, Ibiza und Formentera gehören, will ab 24. Juli das Nachtleben stark einschränken.

Vor allem die sogenannten Botellones, Partys im Freien mit viel Alkohol, sollen verhindert werden, indem Strände und Parks zwischen 1 und 6 Uhr geschlossen werden und in der Zeit auch nur Treffen von Menschen aus demselben Haushalt erlaubt sein sollen.

Selbst wenn das Sommergeschäft weiterhin ordentlich laufe, käme ein großes Problem auf viele Mallorquiner zu, sagt Heufken. "Sie müssen Kredite abbezahlen. Viele sitzen auf einem gewaltigen Schuldenberg. Die Rücklagen werden oftmals nicht reichen. Ich erwarte, dass Hotels über den Winter schließen und nie wieder aufmachen", sagt er. Schon jetzt zeige sich diese Entwicklung. "Erst gestern habe ich von einem Restaurant aus dem Ort gehört, das dicht machen musste. Das wird sicher noch schlimmer."

Sorgen auch auf Baleareninsel Ibiza

Die Leiterin eines großen Hotels auf Ibiza, Alicia Reina, sieht ebenfalls schwere Zeiten auf die Tourismusbranche zukommen. Die Tourismusbranche setze aber auf die Impfkampagne, die gut vorankomme.

"Die Daten werden sich hoffentlich bald zum Besseren ändern, während Spanien hart daran arbeitet, die notwendigen Maßnahmen zur Umkehr der Entwicklung umzusetzen", sagte Reina. Man müsse wohl lernen, mit dem Virus zu leben, und dabei vor allem die Lage in den Krankenhäusern und dort auf den Intensivstationen im Blick behalten.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Gespräch mit Christoph Heufken
  • Anfragen Hometogo, Skyscanner, Fincallorca
  • Robert Koch-Institut, Risikogebiete
  • Johns Hopkins University
  • Auswärtiges Amt
  • Mallorca-Zeitung: "Hoteliers auf Mallorca stellen klar: Buchungen um knapp ein Drittel eingebrochen", 22. Juli 2021.
  • Mallorca Magazin: "Das sind die aktuellen Coronazahlen auf Mallorca", 22. Juli 2021. 
  • Mit Material der Nachrichtenagentur dpa
  • weitere Quellen
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