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"Weltuntergangsuhr": Noch 100 Sekunden bis zur Apokalypse


Noch 100 Sekunden bis zur Apokalypse


Aktualisiert am 21.01.2022Lesedauer: 4 Min.
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Eine Mitarbeiterin des "Bulletin of the Atomic Scientists" enthĂŒllt den neuen Stand der "Weltuntergangsuhr": Die Zeiger stehen auf 100 Sekunden vor zwölf.VergrĂ¶ĂŸern des Bildes
Eine Mitarbeiterin des "Bulletin of the Atomic Scientists" enthĂŒllt den neuen Stand der "Weltuntergangsuhr": Die Zeiger stehen auf 100 Sekunden vor zwölf. (Quelle: Hastings Group/ Bulletin for the Atomic Scientists)

Die Gefahr eines Atomkriegs ist gering. Stattdessen drohen neue Albtraumszenarien. Zum 75. Mal haben Wissenschaftler die "Weltuntergangsuhr" gestellt: Die Menschheit steht demnach kurz vor dem Abgrund.

Es ist rund eineinhalb Minuten vor Mitternacht. Ganz egal, in welcher Zeitzone, in welchem Land oder auf welchem Kontinent man lebt. Das besagt die "Weltuntergangsuhr", die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Donnerstag zum 75. Mal aufgezogen haben. Es ist ihr Weckruf an die Menschheit: Es bleibt kaum Zeit, um die Apokalypse zu stoppen.

Bereits im vergangenen Jahr schlug das internationale Forschungsteam hinter der "Weltuntergangsuhr" den Alarm bei 100 Sekunden vor zwölf. Der Zeiger hat sich seitdem weder vor- noch zurĂŒckbewegt. "Die Uhr hat sich nicht gerĂŒhrt, doch das ist alles andere als eine gute Neuigkeit", fasst Sharon Squassoni die Situation zusammen.

"Wir stecken fest"

Sie ist Forschungsprofessorin an der George Washington University in Washington D.C. und arbeitet gleichzeitig fĂŒr das Fachjournal "Bulletin of the Atomic Scientists", das jĂ€hrlich die sogenannte "Doomsday Clock" neu stellt. "Der Stillstand zeigt: Wir stecken fest. Und zwar in einer gefĂ€hrlichen Situation, die mit StabilitĂ€t und Sicherheit so gar nichts zu tun hat."

Leere Versprechen im Kampf gegen die Klimakrise, der kurzsichtige Umgang mit der Corona-Pandemie, ein drohender Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine und zahlreiche andere Trends seien höchst beunruhigend. Die Wissenschaftler rÀumen zwar auch positive Entwicklungen ein. Doch könnten diese die starken negativen Ereignisse nicht ausgleichen.

Der Informationskrieg lÀhmt alles

Als besonders großes Übel identifiziert das Team hinter der "Weltuntergangsuhr" in diesem Jahr auch die strategische Desinformation, die in vielen Gesellschaften um sich greife: "Das ist ein Informationskrieg", so Squassoni. "Es wird versucht, die Menschen so zu verwirren, dass sie nicht mehr in der Lage sind, Fakten von Falschinformationen zu unterscheiden. Das ist besonders bedrohlich."

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Im deutschen Kontext lĂ€sst das gerade an die VerschwörungserzĂ€hlungen von Impfgegnern denken. Doch ohne Faktengrundlage ist keine Debatte möglich, ohne Debatte kein Konsens darĂŒber, wie der positive Wandel zu schaffen ist. Die Menschheit steckt fest – "100 Sekunden vor Mitternacht".

Die Gefahr ist grĂ¶ĂŸer als im Kalten Krieg

Stand die Uhr 2018 und 2019 noch auf 2 Minuten vor Mitternacht, wurde ihr Zeiger 2020 erstmals auf 100 Sekunden vorgeschoben. Die Gefahr, dass sich die Menschheit durch einen Atomkrieg oder die Klimakrise selbst auslösche, sei so groß wie nie zuvor seit Erfindung der Uhr, hieß es zur BegrĂŒndung. Mitternacht wĂŒrde den Weltuntergang bedeuten.

Allerdings gab es auch schon optimistischere Zeiten in der Geschichte der "Doomsday Clock": Nach Ende des Kalten Krieges stand die Uhr 1991 auf 17 Minuten vor der vollen Stunde – die weiteste Entfernung von Mitternacht in der Geschichte der "Weltuntergangsuhr".

"Die Illusion, dass Zehntausende Atomwaffen eine Garantie fĂŒr die nationale Sicherheit seien, ist ĂŒber Bord geworfen worden", hieß es damals. Seitdem aber rĂŒckt der Sekundenzeiger tendenziell immer weiter auf zwölf Uhr vor.

Atomwaffentests von Indien und Pakistan, die Unvorhersagbarkeit der US-Politik unter Ex-PrĂ€sident Donald Trump, nordkoreanische Raketentests und fehlende AbrĂŒstungsverhandlungen trugen in den vergangenen Jahren unter anderem dazu bei.

Hört ĂŒberhaupt jemand zu?

Die "Weltuntergangsuhr" ist kein wissenschaftliches Instrument, sondern ausschließlich ein Symbol. Seit 1947 wird sie von der Fachzeitschrift der Atomwissenschaftler, dem "Bulletin of the Atomic Scientists", herausgegeben. Schon seit Jahren beteiligen sich neben Kernforschern auch Forscher aus vielen anderen Disziplinen an der Initiative.

Die Herausgeber des "Bulletin" betonen dabei ihre UnabhĂ€ngigkeit. Man sehe sich in der Rolle von Ärzten, die eine Diagnose erstellten, eine parteipolitische Agenda habe man nicht. Dennoch erntet die Uhr neben viel Aufmerksamkeit auch einiges an Kritik.

Die Risiken sind menschengemacht

Der grĂ¶ĂŸte Knackpunkt scheint zu sein, dass die Mahnung der Wissenschaftler jĂ€hrlich erneuert wird. "Nach einer gewissen Zeit hören wir da alle nicht mehr zu", vermutet beispielsweise Andrew Lathem, Wissenschaftler aus Minnesota, im GesprĂ€ch mit der "New York Times". Trotzdem habe die Uhr ihren Sinn.

"Einmal im Jahr erinnert sie uns, dass einige der grĂ¶ĂŸten Gefahren da draußen menschengemacht sind. Das heißt auch: Wir können sie wieder rĂŒckgĂ€ngig machen", so Latham. FĂŒr die Klimakrise dĂŒrfte diese EinschĂ€tzung allerdings nur sehr bedingt gelten.

Erfindung der Atombombe veranlasste "Doomsday Clock"

Das Design der "Doomsday Clock" geht auf die US-KĂŒnstlerin Martyl Langsdorf zurĂŒck. FĂŒr den "Bulletin of the Atomic Scientists" sollte sie knapp zwei Jahre nach den verheerenden AtombombenabwĂŒrfen auf die japanischen StĂ€dte Hiroshima und Nagasaki ein Titelbild entwerfen, das die Bedrohung durch die neue Waffentechnik verdeutlichte.

Langsdorf, deren Ehemann Alexander am amerikanischen Nuklearwaffenprogramm beteiligt gewesen war, entschied sich fĂŒr das obere linke Viertel einer Uhr, der Zeiger auf sieben Minuten vor Mitternacht. Seitdem bewerten Wissenschaftler und Herausgeber des Fachjournals jedes Jahr aufs Neue, wie nah die Menschheit sich auf ihre eigene Auslöschung zubewegt.

Seit 2019 kann man sich diese Warnung auch ganz handfest ansehen: Eine Statue der "Weltuntergangsuhr" steht in der UniversitÀt von Chicago. Zur Einstimmung auf das Thema hat der "Bulletin of the Atomic Scientists" sogar eine Playlist mit Liedern rund um die Apokalypse zusammengestellt.

Verwendete Quellen
  • Videoschalte der Fachzeitschrift "Bulletin of the Atomic Scientists" (20.01.2022): The 2022 Doomsday Clock Announcement
  • Mit Material der Nachrichtenagentur dpa (17.01.2022): "Weltuntergangsuhr' warnt seit 75 Jahren - aber hört noch jemand zu?"
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