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Afghanistan: Taliban lösen Frauenprotest mit Warnschüssen auf


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Taliban lösen Frauenprotest mit Warnschüssen auf

Von dpa
Aktualisiert am 13.08.2022Lesedauer: 2 Min.
Demonstration von Frauen und Mädchen in Kabul (Archiv): "Wir befinden uns in einer Apotheke. Sie haben uns hier eingesperrt", sagt eine Frau in einem Video.
Demonstration von Frauen und Mädchen in Kabul (Archiv): "Wir befinden uns in einer Apotheke. Sie haben uns hier eingesperrt", sagt eine Frau in einem Video. (Quelle: Twitter / @penpath1)
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Die Taliban haben die Rechte der Frauen in Afghanistan massiv eingeschränkt. Bei einem friedlichen Protest wurden die Islamisten nun handgreiflich.

In Afghanistans Hauptstadt Kabul haben die radikalislamischen Taliban einen friedlichen Protest von Frauen am Samstag mit Warnschüssen beendet. Auf Aufnahmen, die in Online-Netzwerken verbreitet wurden, war zu sehen, wie Taliban Schüsse abgaben und die Frauen körperlich angriffen. Die mehreren Dutzend Frauen demonstrierten gegen ihre Diskriminierung durch die Islamisten seit deren Rückkehr an die Macht. Vor fast genau einem Jahr, am 15. August 2021, nahmen die Taliban die Hauptstadt Kabul ein.

Nach dem Abzug der internationalen Truppen haben die Taliban grundlegende Rechte der Frauen wieder massiv eingeschränkt – wie in den Jahren vor 2001, als sie schon einmal an der Macht waren. Proteste werden unterdrückt.

Eine Teilnehmerin der Demonstration von Samstag sagte in einem Video: "Wir befinden uns in einer Apotheke. Sie haben uns hier eingesperrt." Die Frauen sangen bei ihrem Marsch durchs Zentrum der Hauptstadt "Essen, Arbeit und Freiheit". Zudem skandierten sie, die Diskriminierung leid zu sein. Ein anderes Video zeigte Frauen, die an einem geschlossenen Ort in die Enge getrieben wurden.

Journalisten festgenommen

Am Rande der Proteste seien ein afghanischer und drei ausländische Journalisten vorübergehend festgenommen worden, sagte ein Sprecher des Verbandes unabhängiger Journalisten in Afghanistan (AIJA) der Deutschen Presse-Agentur. Erst nach mehr als vier Stunden seien sie wieder freigelassen worden. Die Organisation Reporter ohne Grenzen warf den Taliban vor, die Arbeit von Journalisten durch eine Welle von willkürlichen Festnahmen und Zensur zu erschweren.

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Taliban-Minister Mohammad Chalid Hanafi, der die Einschränkungen der Frauenrechte erlassen hat, verteidigte die Vorschriften. Als Minister für die Verbreitung von Tugend und Verhinderung von Lastern sei es seine Aufgabe, die islamische Lehre umzusetzen: "Wenn es das Recht ist, dass ein fremder Mann und eine fremde Frau auf derselben Bank sitzen und sie dies als Frauen- und Menschenrechte bezeichnen, dann erlauben uns unsere Kultur, unsere Tradition, unser Glaube, unsere Religion, Allah und sein Prophet dies nicht."

Explosion in Kabul – Hintergründe unklar

Ebenfalls am Samstag wurden in Kabul bei der Explosion einer Bombe vier Menschen verletzt, darunter auch zwei Taliban, wie ein Sicherheitsbeamter dem Sender Tolo News sagte. Die Bombe sei an einem Motorrad befestigt gewesen. Die Hintergründe waren zunächst unklar.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International beklagte in einem Bericht unter anderem, dass Frauen in Afghanistan größere Reisen nur noch mit männlichem Begleiter unternehmen dürfen. Auch die Flucht vor häuslicher Gewalt hat sich für Frauen erschwert. Höhere Mädchenschulen sind seit der Machtübernahme der militanten Islamisten geschlossen. Ausnahme sind einige Privatschulen sowie öffentliche Schulen in einigen Regionen. Auch viele Berufe bleiben Frauen mittlerweile versperrt.

Hinzu kommen eine desolate Wirtschaftslage und eine drohende Hungerkrise. Das UN-Kinderhilfswerk Unicef fordert für die Bevölkerung mehr Hilfe aus dem Ausland. Im laufenden Jahr sei bislang nur ein Drittel des benötigten Geldes bereitgestellt worden, schrieb Deutschland-Geschäftsführer Christian Schneider, im "Kölner Stadt-Anzeiger" (Samstag). Die Versorgung mit Nahrungsmitteln sei katastrophal, vor allem für Kinder. Mädchen würden von Bildung abgeschnitten. "Wenn der Alltag so unbarmherzig ist wie an diesem Jahrestag, dann ist das Recht auf Bildung besonders wichtig."

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Verwendete Quellen
  • Nachrichtenagentur dpa
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