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Proteste in Russland: Jetzt begehrt auch die Kirche gegen Putin auf

Proteste in Russland  

Jetzt begehrt auch die Kirche gegen Putin auf

18.09.2019, 21:43 Uhr | dpa

Proteste in Russland: Jetzt begehrt auch die Kirche gegen Putin auf. Protest in Moskau: Auf Plakaten fordern Demonstranten die Freilassung des Schauspielers Pawel Ustinow. (Quelle: AP/dpa)

Protest in Moskau: Auf Plakaten fordern Demonstranten die Freilassung des Schauspielers Pawel Ustinow. (Quelle: AP/dpa)

Das ist außergewöhnlich: Russische Geistliche kritisieren offen die Kreml-Führung. Anlass sind die teils drakonischen Strafen für friedliche Demonstranten. Was sagt der Kreml dazu?

Mit einer beispiellosen Welle des Protests haben Medien und Kirchenvertreter die jüngsten Verurteilungen friedlicher Demonstranten zu langer Haft in Straflagern kritisiert. "Gerichte können nicht als ein Mittel benutzt werden, um Andersdenkende zu unterdrücken", hieß es in einem von Dutzenden russisch-orthodoxen Geistlichen unterzeichneten offenen Brief. Auch Vertreter der Kirche im Ausland, darunter in Deutschland, gehören zu den Unterzeichnern. Solche Proteste aus Kirchenkreisen sind außergewöhnlich in Russland.

Oppositions-Aktivistin Ljubow Sobol: Auf dem Banner von Ljubow, das sie vor der Präsidialverwaltung in Moskau zeigt, steht: "Wir sind das ganze Land." (Quelle: AP/dpa)Oppositions-Aktivistin Ljubow Sobol: Auf dem Banner von Ljubow, das sie vor der Präsidialverwaltung in Moskau zeigt, steht: "Wir sind das ganze Land." (Quelle: AP/dpa)

Die Chefredakteure des Radiosenders "Echo Moskwy", der kremlkritischen Zeitung "Nowaja Gaseta" und des Internet-Kanals "Doschd" forderten Generalstaatsanwalt Juri Tschaika auf, die Arbeitsweise des Moskauer Richters Alexej Kriworutschko zu überprüfen. Er soll entlastende Beweise nicht einmal angeschaut haben. In den vergangenen Tagen waren mehrere Menschen wegen Teilnahme an friedlichen Demonstrationen zu mehrjähriger Haft im Straflager verurteilt worden.

Schauspieler muss jahrelang ins Straflager

Unter ihnen ist auch der Schauspieler Pawel Ustinow. Er wurde am Montag zu dreieinhalb Jahren Straflager verurteilt, weil er bei seiner Festnahme einen Polizisten an der Schulter verletzt haben soll. Ein Video von der Festnahme zeigt, wie der Schauspieler ruhig auf der Straße steht und telefoniert und dann von Uniformierten gepackt, zu Boden gebracht und mit dem Schlagstock verprügelt wird.

Vor der Präsidialverwaltung in Moskau standen am Mittwoch Dutzende Menschen an, um eine Mahnwache für Ustinow abzuhalten. Am Nachmittag hätten 120 Menschen trotz Regens angestanden, um jeweils einzeln ihre Solidarität mit Ustinow zu bekunden, berichtete "Echo Moskwy".

Pawel Ustinow bei einer Anhörung in Moskau: Der Schauspieler wurde wegen Gewalt gegen einen Polizeibeamten zu dreieinhalb Jahren Straflager verurteilt. (Quelle: Reuters/Evgenia Novozhenina)Pawel Ustinow bei einer Anhörung in Moskau: Der Schauspieler wurde wegen Gewalt gegen einen Polizeibeamten zu dreieinhalb Jahren Straflager verurteilt. (Quelle: Evgenia Novozhenina/Reuters)

Für den 24-Jährigen setzten sich Dutzende Künstler und Showgrößen ein. Der Schauspieler beteuert, er sei zufällig an dem Ort gewesen. Tausende Menschen waren im August bei friedlichen Protesten gegen den Ausschluss von Oppositionellen bei der Wahl des neuen Moskauer Stadtrats am 8. September festgenommen worden. Die Opposition sieht die Verurteilungen in Moskau als Rache des Kremls.

Kremlsprecher: Putin mischt sich nicht in Justiz ein

Die Justiz in Russland steht seit langem in dem Ruf, für politische Zwecke missbraucht zu werden. Kremlsprecher Dmitri Peskow hatte nach der umstrittenen Verurteilung Ustinows betont, dass die Gerichte unabhängig seien und Präsident Wladimir Putin sich nicht einmische in deren Arbeit. Peskow legte am Mittwoch nach und meinte, Ustinow sollte zunächst die Berufungsverhandlung abwarten.
 

 
Der Schauspieler klagte unterdessen laut der Agentur Interfax, sein Rücken schmerze immer noch. Ärzte behandeln ihn. Der Polizist, der ihn rüde festnahm, wurde nach dem Vorfall Medienberichten zufolge sogar noch befördert.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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