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Gedenken an Terror in Paris 2015: "Meine Tochter war lebenslustig und weltoffen"

Gedenken an Terror in Paris 2015  

"Meine Tochter war lebenslustig und weltoffen"

13.11.2020, 13:51 Uhr | AFP

Gedenken an Terror in Paris 2015: "Meine Tochter war lebenslustig und weltoffen". Gedenken an die Opfer der Anschläge: Vor fünf Jahren starben bei einem Terroranschlag im Pariser Bataclan 130 Menschen. (Quelle: imago images/Hans Lucas)

Gedenken an die Opfer der Anschläge: Vor fünf Jahren starben bei einem Terroranschlag im Pariser Bataclan 130 Menschen. (Quelle: Hans Lucas/imago images)

Vor fünf Jahren töteten Terroristen im Pariser Bataclan 130 Menschen – darunter auch die Tochter von Georges Salines. Er hat gemeinsam mit dem Vater eines Attentäters ein Buch geschrieben, um den Dschihadismus zu bekämpfen. 

An diesem Freitag wird Georges Salines intensiver als sonst an seine Tochter Lola denken. Die 28-Jährige starb vor fünf Jahren im Kugelhagel von Islamisten in der Pariser Konzerthalle Bataclan. Lola Salines ist eines der 130 Todesopfer der bisher schwersten islamistischen Anschläge in Frankreich. Fünf Jahre später sind die Angehörigen wegen der Corona-Pandemie weitgehend auf sich gestellt.

Keine Zeremonie mit Angehörigen wegen Corona 

Lebenslustig, weltoffen, mit Freunden verschiedener kultureller und religiöser Prägung: So beschreibt der pensionierte Arzt Salines seine Tochter, die in einem Jugendbuchverlag arbeitete. Der Jahrestag fällt dem Vater schwer: "Wegen der Ausgangssperre gibt es keine Zeremonie mit den Angehörigen", sagt der Ehrenvorsitzende des Opferverbands "13 onze 15" am Telefon. "Wir können uns nur im engsten Familienkreis an Lola erinnern." Nicht einmal sein ältester Sohn kann bei den Eltern sein, er lebt in einem anderen Stadtteil von Paris.

Kurz vor Beginn der Corona-Krise hat Salines das Buch "Il nous reste les mots" (Uns bleiben die Worte) mitveröffentlicht, das in Frankreich für Aufsehen gesorgt hat. Es ist die Aufzeichnung eines ungewöhnlichen Gesprächs: Zwischen dem Vater des Bataclan-Opfers Lola und dem Vater eines der Terroristen, Azdyne Amimour. Dessen Sohn Samy wurde von einem Polizisten am Abend des 13. November 2015 im Bataclan erschossen. Es war Amimour, der Kontakt mit Salines aufnahm, in der Hoffnung, "dass sich ein solcher Schrecken niemals wiederholt".

Dschihadismus ist immer noch da

In ihrem oft schmerzhaften Gespräch loten die Väter der fast gleichaltrigen Kinder Themen aus, die angesichts der jüngsten Anschläge in Wien, Nizza oder Dresden immer noch aktuell sind: Wieso fiel die Radikalisierung Samys seinen Eltern lange nicht auf? Warum gelang es dem liberalen Muslim Amimour nicht, seinen Sohn trotz einer Reise nach Syrien aus den ideologischen Fängen der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) zu befreien? Ist Vergebung möglich?

Paris im November 2015: Opfer des Anschlags versuchen ihre Angehörigen zu erreichen. (Quelle: Reuters/Benoit Tessier)People warm up under protective thermal blankets as they walk on a street near the Bataclan concert hall following fatal attacks in Paris, France (Quelle: Benoit Tessier/Reuters)

Lolas Vater Georges Salines will mit dem Buch gegen "Hass von jeder Seite" ankämpfen – "auch den von Menschen, die den Islam und die Muslime pauschal verurteilen". Durch die jüngsten Anschläge in Europa fühlt er sich zwar "nicht entmutigt". "Aber sie zeigen, dass der Dschihadismus immer noch da ist", betont er.

Höchste Terrorwarnstufe in Frankreich

Für "richtig und ausgewogen" hält Salines die Äußerungen von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). "Wir verurteilen jede Art von religiösem Hass", hatte Merkel am Dienstag nach einer Video-Konferenz mit Macron und anderen EU-Vertretern gesagt. Auch Macron hatte nach anti-französischen Protesten in muslimischen Ländern betont, Frankreich kämpfe zwar gegen den "islamistischen Separatismus, aber niemals gegen den Islam".

Frankreich erinnert an Pariser Terroranschläge: Der Bürgermeister von Saint-Denis, Mathieu Hanotin (l), und der französische Premierminister Jean Castex nehmen an einer Kranzniederlegungszeremonie teil. (Quelle: dpa/Christophe Archambault)Frankreich erinnert an Pariser Terroranschläge: Der Bürgermeister von Saint-Denis, Mathieu Hanotin (l), und der französische Premierminister Jean Castex nehmen an einer Kranzniederlegungszeremonie teil. (Quelle: Christophe Archambault/dpa)

In ganz Frankreich gilt seit den jüngsten Anschlägen wieder die höchste Terrorwarnstufe, während das Land unter dem zweiten Lockdown ächzt und die Krankenhäuser wegen täglich mehr als 400 Todesfällen Alarm schlagen.

Anschläge wie in Nizza befürchtet

Viele Franzosen fürchten weitere Anschläge wie den in Nizza, wo ein Tunesier drei Menschen in einer Kirche ermordete, oder den bei Paris, wo die Enthauptung des Geschichtslehrers Samuel Paty Entsetzen auslöste. Paty hatte im Unterricht die Mohammed-Karikaturen der "Charlie Hebdo" behandelt.

In Erinnerung an die Pariser Terror-Opfer vor fünf Jahren sollen vor dem Bataclan Fotos, Zeichnungen und Blumen aufgestellt werden, zu der offiziellen Zeremonie am Freitag wird Frankreichs Regierungschef Jean Castex erwartet.

Georges Salines und seine Familie sind wegen Corona anders als in den Vorjahren nicht eingeladen. Der Vater setzt auf stilles Gedenken im Familienkreis und weitere Gespräche mit Amimour: "Wir haben das Thema nicht erschöpft", sagt er.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur AFP

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