Menü Icont-online - Nachrichten für Deutschland
HomePolitikAuslandInternationale Politik

Michail Gorbatschow: Seinen berühmtesten Satz hat er so nie gesagt


Seinen berühmtesten Satz hat Gorbi so nie gesagt

  • Marc von Lüpke-Schwarz
Von Marc von Lüpke

31.08.2022Lesedauer: 3 Min.
Nachrichten
Wir sind t-online

Mehr als 150 Journalistinnen und Journalisten berichten rund um die Uhr für Sie über das Geschehen in Deutschland und der Welt.

Michail Gorbatschow: In Deutschland galt er als Held. Doch seine prorussische Einstellung sorgte für Aufsehen. (Quelle: t-online)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

WM live: Uruguay erhöht gegen Ghana
Symbolbild für einen TextDeutscher überfährt Italien-RadprofiSymbolbild für einen TextSanna Marin: Sind von den USA abhängigSymbolbild für einen TextWM: TV-Schmach für DFB-ElfSymbolbild für einen TextSchauspieler tot auf Straße gefundenSymbolbild für einen TextGasspeicherstand geht leicht zurückSymbolbild für ein VideoPutin scherzt über Beziehung zu JapanSymbolbild für einen TextDiese Stadt ist deutscher Blitzer-MeisterSymbolbild für einen TextDas ist der neue ID.3 von VWSymbolbild für einen TextFritzbox erhält großes Firmware-UpdateSymbolbild für einen TextPflegerin findet tote Seniorin – Mord?Symbolbild für einen Watson TeaserKatar-Behörden machen DFB-Fans ProblemeSymbolbild für einen TextAnzeige: Jahres-LOS kaufen und Einzel-LOS gratis dazu sichern
Anzeige
Loading...
Loading...
Loading...

Mit einem Satz schrieb Michail Gorbatschow 1989 in der DDR Geschichte. Nur hat er ihn selbst so nie gesagt. Wer aber dann?

Die DDR lag im Sterben, sie wusste es nur noch nicht, als Michail Gorbatschow am 6. Oktober 1989 aus der Sowjetunion einschwebte. Der Anlass war wichtig, denn immerhin feierte der Arbeiter- und Bauernstaat am 7. Oktober seinen 40. Geburtstag. Allerdings waren weder Arbeiter noch Bauern noch so richtig glücklich mit DDR und SED.

Die Menschen trugen ihren Unmut und ihren Wunsch nach mehr Freiheit auf die Straße, Mut und Zuversicht hatten sie dabei durch den Aufstieg des Mannes gewonnen, der die DDR zu ihrem "Ehrentag" besuchte: Michail Gorbatschow.


Gorbatschows Leben in Bildern

Der sozialistische Bruderkuss: Michail Gorbatschow und der DDR-Staatsratsvorsitzende Erich Honecker am 6. Oktober 1989 in Berlin.
Start als Mechaniker für Mähmaschinen: Michail Gorbatschow wurde am 2. März 1931 in Priwolnoje im Nordkaukasus geboren, sein Vater ist Bauer.
+17

"Gorbi, Gorbi", schallte es dem Generalsekretär des Zentralkomitees der sowjetischen Kommunistischen Partei in Ost-Berlin entgegen. Und "Gorbi", der der UdSSR mit Glasnost (Offenheit) und Perestroika (Umgestaltung) eine Reform verordnet hatte, lieferte, was die Bürgerinnen und Bürger der DDR hören wollten: "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben." Gute Worte, griffig, eingängig und überzeugend, ein Satz für die Geschichtsbücher. Wo er auch landete.

Allerdings hat der gerade verstorbene Gorbatschow diese Worte so nie gesagt. "Gefahren lauern nur auf jene, die nicht auf das Leben reagieren", äußerte er stattdessen vor der Neuen Wache, wie die "Welt" den damals anwesenden Reporter Heinz Joachim Schöttes von der Deutschen Presse-Agentur (dpa) zitierte. Auch das Fernsehen dokumentierte diese Äußerung, wie es das Standardwerk "Schlüsselwörter der Wendezeit" belegt.

Geburtshelfer eines Jahrtausend-Satzes

Auch kein schlechter Satz, aber doch ein wenig sperrig. Wie kam es dann aber zum genialen Feinschliff mit "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben"?

Fest steht nur, wann der berühmteste Satz der Wende das sprichwörtliche Licht der Welt erblickt hat. Die dpa und die amerikanische Associated Press (AP) versendeten ihn am frühen Abend des 7. Oktober 1989. Bis dahin leisteten Journalisten etwas "Geburtshilfe". Denn wie die "Welt" besagten dpa-Journalisten Schöttes und dessen Kollegen Jürgen Metkemeyer von AP zitiert, sahen sich die an diesem Tag auf ein Statement wartenden Reporter mit einer "verschachtelten Konstruktion" konfrontiert, die ihnen Gorbatschows Sprecher Gennadi Gerassimow präsentierte.

So etwas wie "Gefahren lauern nur auf jene, die nicht auf das Leben reagieren"? Das ist nicht nur spreizig, sondern man braucht auch gleich mehrere Anläufe, um den Sinn restlos zu erfassen. Entsprechend halfen die deutschen Reporter nach. Denn "wer zu spät kommt, den bestraft das Leben", gilt eben auch für den Journalismus.

Wer war es?

"Der Kollege Metkemeyer und ich haben unsere Aufzeichnungen abgeglichen und haben uns dann auf diese Interpretation des Gesagten verständigt", lässt die "Welt" Schöttes zu Wort kommen. Es kursieren allerdings durchaus unterschiedliche Versionen, wer Gorbatschow sprachlich assistiert hat. Sprecher Gennadi Gerassimow steht ebenfalls im Verdacht, in englischer Sprache die überzeugende Formel erdacht zu haben.

Loading...
Symbolbild für eingebettete Inhalte

Embed

Einerlei, dem Weltveränderer Gorbatschow jedenfalls gefiel die brillante Formulierung. Und ebenso der ganzen Welt. Vor allem den Demonstranten in der DDR, die sie wörtlich nahmen. Erich Honecker allerdings war lernunfähig – und wurde tatsächlich vom Leben bestraft wie von seinem Volk verjagt.

Gorbatschow hingegen avancierte endgültig zum Helden. Dass sein berühmtester Satz nicht "ganz" von ihm selbst stammte, ist angesichts seiner historischen Größe ziemlich irrelevant. Denn mehr als Worte zählen Taten. Und in dieser Hinsicht musste sich Gorbatschow wenig vorwerfen lassen im Schicksalsjahr 1989.

Die DDR überlebte ihren Geburtstag nur kurze Zeit. Denn die SED mit Erich Honecker hatte zu spät die Zeichen der Zeit erkannt. Im Mai 1990 hieß es in der nun demokratisch gewählten Volkskammer der DDR: "Erinnern wir uns aber hier des Gorbatschow-Zitats, das gleichsam am Schnittpunkt der Wende mahnend vor der selbstgefällig jubilierenden SED-Führung stand: 'Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben'".

Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Verwendete Quellen
  • Eigene Recherche
  • welt.de: "Gorbatschow hat den berühmten Satz nie gesagt"
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingAnzeigen

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
"Ohne die USA wären wir jetzt in Schwierigkeiten"
Von Patrick Diekmann
Eine Kolumne von Ursula Weidenfeld

t-online - Nachrichten für Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagramYouTubeSpotify

Das Unternehmen
Ströer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverlängerung FestnetzVertragsverlängerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website