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Klimawandel: Corona-Zeit ist keine Verschnaufpause für das Klima

CO2-Konzentration weiter gestiegen  

Corona-Zeit ist keine Verschnaufpause für das Klima

23.11.2020, 13:44 Uhr | dpa

Klimawandel: Corona-Zeit ist keine Verschnaufpause für das Klima . Kühlturm des Kohlekraftwerk Duisburg-Walsum: Die Energiegewinnung durch Kohle gilt es einer der Hauptverursacher der steigenden CO2-Konzentration (Symbolbild). (Quelle: imago images/Jochen Tack)

Kühlturm des Kohlekraftwerk Duisburg-Walsum: Die Energiegewinnung durch Kohle gilt es einer der Hauptverursacher der steigenden CO2-Konzentration (Symbolbild). (Quelle: Jochen Tack/imago images)

Weniger Treibhausgas-Emissionen dank Corona? Die Experten-Antwort ist eindeutig. Die oberste UN-Klimabehörde bringt nun Atomkraftwerke ins Gespräch.

Die Weltwetterorganisation (WMO) hat Hoffnungen auf eine Verschnaufpause für das Klima im Zuge der Corona-Pandemie zunichte gemacht. Das Ausmaß klimaschädlicher Emissionen wie etwa von Kohlendioxid (CO2) sei in diesem Jahr zwar zurückgegangen. Die Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre verändere das aber weniger als jedes Jahr übliche natürliche Fluktuationen dies täten, schrieb die WMO am Montag im jährlichen Treibhausgas-Bulletin. CO2 bleibt Jahrhunderte in der Atmosphäre.

2019 und 2020 ist die CO2-Konzentration weiter gestiegen, wie aus dem Bericht hervorgeht. Der Wert hat 2019 im globalen Durchschnitt erstmals seit Beginn der Industrialisierung 1750 die Marke von 410 ppm (Teilchen pro Million Teilchen) gebrochen. Die Marke von 400 ppm war erst 2015 durchbrochen worden. CO2 entsteht etwa durch die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas, die Zementproduktion und andere Industrieprozesse sowie im Zuge von Abholzung.

Ähnliche CO2-Konzentration vor drei bis fünf Millionen Jahren

"Die Erde hat zuletzt vor drei bis fünf Millionen Jahren eine ähnliche CO2-Konzentration erlebt", sagte WMO-Generalsekretär Petteri Taalas. Auf den Zustand vor so langer Zeit können Forscher durch Eisbohrungen in uralte Luftblasen und Analysen von Fossilien schließen. "Damals lag die Temperatur zwei bis drei Grad und der Meeresspiegel 10 bis 20 Meter höher. Aber es lebten nicht 7,7 Milliarden Menschen auf der Erde."

Um die Erwärmung wie vom Weltklimarat empfohlen bis Ende des Jahrhunderts auf 1,5 Grad zu begrenzen, müsse die Welt bis 2050 klimaneutral werden, sagte Taalas. Die Trendwende bei den CO2-Emissionen müsse in fünf Jahren einsetzen. Öl, Gas und Kohle müssten als Energiequelle durch Wind, Wasser und Solarenergie ersetzt werden. Vielleicht müssten auch mehr Atomkraftwerke gebaut werden, sagte Taalas.

Corona-Maßnahmen bringen nur "eine winzige Delle"

Der Emissionsrückgang 2020 sei nur "eine winzige Delle" in der nach oben steigenden Kurve. "Wir müssen die Kurve nachhaltig abflachen", sagte Taalas – in Anlehnung an den Ausdruck, den Epidemiologen im Zusammenhang mit den Coronavirus-Infektionen oft nutzen.

Wie stark die Emissionen 2020 zurückgingen, sei noch unklar, so die WMO. In Zeiten, in denen mehrere entscheidende Länder gleichzeitig im Corona-Lockdown waren, dürfte der tägliche Ausstoß etwa 17 Prozent unter dem Niveau vor der Pandemie gelegen haben. Vorläufige Schätzungen gingen von einem Rückgang von 4,2 bis 7,5 Prozent aus. Das verringere die Konzentration in der Atmosphäre allenfalls um Werte zwischen 0,08 und 0,23 ppm. Natürliche Variationen, etwa wie gut CO2 in einem Jahr von der Vegetation absorbiert wird, lägen bei rund 1 ppm.

Teilweise 2020 sogar höhere Messwerte 

Das Treibhausgas-Bulletin nennt für die Konzentration in der Atmosphäre einen Durchschnittswert aus mehr als 100 Messstationen. Einzelne Stationen hätten für 2020 schon höhere Werte registriert als im Jahr davor. Die Station in Mauna Loa auf Hawaii etwa habe im September 411,29 ppm gemessen, verglichen mit 408,54 im vergangenen Jahr. Die Station Cape Grim auf Tasmanien in Australien habe 410,8 ppm gemessen, nach 408,58 im vergangenen Jahr.

Für Europa gibt es jedoch gute Nachrichten: Die Europäische Umweltagentur veröffentlichte ebenfalls am Montag Zahlen, wonach sich die Luftqualität deutlich gebessert habe. Die positive Entwicklung hat Schätzungen zufolge dazu geführt, dass im Vergleich von 2009 zu 2018 unter anderem knapp 60.000 weniger Menschen im Jahr vorzeitig durch die Belastung mit Feinstaub sterben, wie die Behörde in Kopenhagen mitteilte.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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