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Kolumne: "Fire and Fury" ist der Anfang von Donald Trumps Ende

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MEINUNG"Fire and Fury"  

Dieses Buch ist der Anfang vom Ende

Eine Kolumne von Gerhard Spörl

08.01.2018, 18:11 Uhr
Kolumne: "Fire and Fury" ist der Anfang von Donald Trumps Ende. US-Präsident Donald Trump: Ein neues Buch enthüllt mehr Eigenarten des Republikaners, als diesem lieb ist. (Quelle: AP/dpa/Manuel Balce Ceneta)

US-Präsident Donald Trump: Ein neues Buch enthüllt mehr Eigenarten des Republikaners, als diesem lieb ist. (Quelle: Manuel Balce Ceneta/AP/dpa)

Halb Sieben ins Bett, die Fernseher an und telefonieren: So hält es Donald Trump, der sich ansonsten für nichts interessiert und niemandem zuhört. So steht es im Insiderbuch, das in Amerika helle Aufregung auslöst. Und was fällt dem Präsidenten dazu ein? Ein bombastisches Dementi.

Meine liebste Theorie stammt von einem Autor namens Malcolm Gladwell und beschäftigt sich mit dem Punkt, an dem eine Geschichte, ein Ereignis, eine Karriere, eine Präsidentschaft kippt. Auf Englisch heißt sein Buch „The Tipping Point“. Das trifft es besser, denn oft genügt nach einem langen Prozess ein Antippen und schon wendet sich das Gute zum Schlechten oder das Schlechte zum Guten.

Ich habe eine Wette laufen, dass Trump im Jahr 2018 entweder abtritt oder in einem Amtsenthebungsverfahren steckt. Jedesmal, wenn ich in einer Kolumne darauf hinweise, melden sich Leser (intern wie extern), die dagegen setzen. Alles Verlierer, wenn Sie mich fragen. Nach meiner Prognose erledigt Donald Trump sich selber, weil er so ist, wie er ist. Dazu kann ein Buch beitragen, das am Freitag in Amerika herauskam und für helle Aufregung sorgt. Michael Wolff hat es geschrieben, ein amerikanischer Journalist, der mit einer Biografie über Steve Jobs erstmals auffiel.

„Fire and Fury“ ist das Ergebnis von 200 Interviews in 18 Monaten und Wolffs Begabung, unterhaltsam und spannend zu schreiben. Zum ersten Mal traf er Trump im Mai 2016. Gleich nach der Amtseinführung im Januar 2017 habe er im West Wing „einen semipermanenten Platz auf einer Couch eingenommen“, schreibt er. Er sei sich als Eindringling und nicht als Gast vorgekommen. Manchmal zitiert er seitenweise Dialoge, vermutlich hat er den Recorder laufen lassen; er muss sich gut abgesichert haben, sonst bekommt er Ärger. Er steht im Ruf, dass ihm spannendes Schreiben über Faktentreue geht. Trump selber habe ihn zum Bleiben ermutigt, schreibt Wolff. Natürlich schreit der Präsident jetzt Zeter und Mordio. Das Buch trifft ihn, weil es noch mehr und noch genauer darüber erzählt, wer er ist und wie er ist.

Er liest nicht. Er merkt sich nichts. Er interessiert sich für nichts. Er zieht sich abends um halb sieben ins Bett zurück, macht die drei Fernsehapparate an und telefoniert mit Gott und der Welt. Dann beschwert er sich über die Zeitungen, die ihn nicht mögen, wo er doch nur eines will: gemocht zu werden. Er lässt sich über seine unfähigen Mitarbeiter aus, die es ihm schwer machen, so überlebensgroß zu erscheinen, wie es ihm gebührt.

Am anderen Ende der Telefonleitung sitzen Vertraute, Sponsoren, Mäzene, die dann untereinander telefonieren und vergleichen, was er ihnen erzählt hat und sich darüber wundern, dass er dem einen das eine und dem anderen das Gegenteil davon erzählt. Die Frage ist immer nur: Leert Trump immer aufs Neue seinen Kropf, den heute das eine und morgen das andere füllt, oder weiß er gar nicht, was er dem ersten und dem zweiten und dem dritten am Telefon erzählt hat?

Seine Frau hält sich am liebsten fern und lebt ihr separates Leben. Sehr viel jüngere Ehefrauen hätten den Vorteil, hat Trump laut Wolff gesagt, dass sie es nicht so schwer nähmen, wenn sie betrogen würden.

Trumps Frisur beruht auf einer Operation, bei der die Kopfhaut reduziert wird, wenn das Haar ausfällt. Trump hat nur noch eine Haarinsel oben auf dem Kopf und Reste an den Seiten und vorne und hinten. Freunden gegenüber beschrieb seine Tochter Ivanka die Prozedur des morgendlichen Frisierens: Was an Haar geblieben ist, wird ins Zentrum gezogen und mit Spray gesichert. Die Haarfarbe stammt von dem Produkt „Just for Men“ und hat die Eigenschaft, dass sie mit dem Tagesverlauf das orangene Blond eindunkelt.

In einem der spannendsten Kapitel erzählt Michael Wolff vom Wahlabend des 8. November 2016. The Donald und seine engsten Vertrauten sind felsenfest davon überzeugt, dass er verloren hat, aber das macht aus seiner Sicht nichts, denn erstens gewinnt er immer und zweitens kann er Kapital aus der Tatsache schlagen, dass er angetreten ist. Ein Freund hat ihm den Ratschlag erteilt: Wenn du im Fernsehen durchstarten willst, kandidiere als Präsident. Trump träumt von einem neuen, eigenen Kabelsender; so will er der berühmteste Mensch auf dem Planeten werden.

Seine Vertrauten sind froh, dass er verlieren wird. Alle halten ihn für präsidentenuntauglich. Er ist, wie er ist, 71 Jahre alt, da ändert man sich nicht mehr. Gewohnheitsmäßig redet er nonstop und wiederholt sich andauernd. Wenn ihm jemand etwas Wichtiges erzählt, hört er nur kurz zu, schweift ab, schürzt die Lippen und die Augen werden glasig. Hofiert möchte er werden, nicht belehrt. „What a fucking idiot!“, zitiert Wolff den Mogul Rupert Murdoch, dem unter vielem anderen der Trump-Sender Fox News gehört, nach einem Telefonat.

Dass ein Insiderbuch erscheint, in dem die Gebräuche im Weißen Haus und die Eigenarten des Amtsinhabers zum Vergnügen des Publikums ausgebreitet werden, ist üblich. So erging es allen Präsidenten von Nixon bis Obama. Meistens kommen die Bücher spät auf den Markt und tun dem Amtsinhaber nicht besonders weh. Bemerkenswert an Wolffs Buch ist, wie früh es geschrieben werden konnte. Er saß in diesem Chaos herum, das Trump verursacht, sah viel, hörte viel und schrieb es geschickt auf. Vor allem aber fand er den besten aller Kronzeugen.

Steve Bannon hat den sicheren Wahlverlierer zum Wahlsieger gemacht. Er stieß spät im Wahlkampf als Nothelfer hinzu; ein Milliardär-Mäzen hatte ihn empfohlen. Bannon ist ein ungewöhnlicher Zeitgenosse, der gerne zwei T-Shirts übereinander trägt, das Jackett zerknittert, und die Welt der tadellosen Anzugträger verachtet. Er wohnt in einer kleinen Wohnung in Arlington über einem riesigen McDonald’s, Hunderte Bücher an der Wand aufgestapelt, ohne Regale. Seine Hausmacht ist Breitbart News, das ist der Online-Brandbeschleuniger für das rechte Amerika. „Ich bin der Führer der national-populistischen Bewegung“, sagt er laut Wolff – nicht Trump.

Im Weißen Haus spielte Bannon einige Monate lang eine Sonderrolle mit Direktzugang zum Oval Office. Trump war angewiesen auf Bannons Scharfsinn und provokante Ideen, die darauf abzielen, das linksliberale Amerika in den Wahnsinn zu treiben und auf Dauer zu marginalisieren. Als Bannon nebenbei den großen Zeitungen streute, er sei der eigentliche Präsident, musste er das Weiße Haus verlassen. Trump war böse auf ihn, aber nicht lange.

Bannon kennt Trump so gut wie wenige andere. Der sei „ein warmherziger Affe“ sagte er einmal und ein anderes Mal sagte er, Trump habe die Reife eines Neunjährigen. Kein Wunder, dass Trump sich nun endgültig verraten und verkauft vorkommt. Was macht er? Er lässt sich ein bombastisches Dementi einfallen: Er sei mental stabil und nicht nur schlau, sondern ein Genie. Und von Bannon sagt er, dieser Mann habe den Verstand verloren und wichtig sei er auch nie gewesen. Er kündigt an, dass er seine Anwälte gegen das Buch vorgehen lässt. Na, viel Spaß.

Bannon und Trump waren ein ideales Gespann, Chefideologe und Medium, beide ausgestattet mit einem überirdischen Ego. Bannon glaubt, dass Trump ohne ihn nicht auskommen kann. Trump hasst Abhängigkeit, die man ihn spüren lässt. Bannon denkt über Trump hinaus und will dem weißen, nationalistischen Amerika zu langer Regentschaft verhelfen. Trump denkt nur an sich. Das Buch hat das Gespann getrennt.

Nicht einmal ein Jahr ist The Donald im Amt. Nichts konnte ihm etwas anhaben, nicht die Frauengeschichten, nicht seine Tweets, nicht seine Wutanfälle, nicht seine Gehässigkeiten, nicht seine Ignoranz. Aber das Buch über das Innenleben der Macht tut ihm weh und der Bruch mit Bannon schwächt ihn zum ersten Mal ernsthaft. Der Tipping Point ist noch nicht erreicht, aber irgendwann werden wir sagen: Das war der Anfang vom Ende des 45. Präsidenten der USA.

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