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Vieles ist leichter zu ertragen

Eine Kolumne von Gerhard Sp├Ârl

Aktualisiert am 31.05.2021Lesedauer: 3 Min.
Menschen genie├čen am Wochenende in Berlin und in vielen anderen St├Ądten das Wetter: Durch Lockerungen bei den Corona-Ma├čnahmen sind die Au├čenbereiche von Restaurants und Bars ge├Âffnet.
Menschen genie├čen am Wochenende in Berlin und in vielen anderen St├Ądten das Wetter: Durch Lockerungen bei den Corona-Ma├čnahmen sind die Au├čenbereiche von Restaurants und Bars ge├Âffnet. (Quelle: REUTERS/Annegret Hilse)
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Endlich k├Ânnen wir Pl├Ąne schmieden. Die Viertel der St├Ądte f├╝llen sich mit Menschen, die gerne wieder unter Fremden sein wollen. Die Macht von Covid nimmt ab, die Freiheit hoffentlich bald erheblich zu.

Gestern bin ich durch unser Viertel geschlendert. Die Sonne schien, hoch der knallblaue Himmel, milde W├Ąrme. Ich musste im Zickzack gehen, denn die Leute sa├čen in Stra├čencaf├ęs, Restaurants, Bistros, die so viele Tische wie m├Âglich raustrugen und die Gehsteige verkleinerten, aber das war egal. Gute Laune breitete sich wie ein glitzernder See aus, einfach deshalb, weil man wieder drau├čen essen und trinken und sich unterhalten konnte. Drau├čen und nicht drinnen. Unter Menschen, unter Fremden, unter Freunden. Vor dem vorz├╝glichen Eisladen bildete sich eine lange Schlange, die sich geduldig ziemlich langsam nach vorne schob. Kein b├Âses Blut, keine bl├Âde Bemerkung.

Sachsen-Anhalt, Wernigerode: G├Ąste sitzen in einem Stra├čencafe am Marktplatz.
Sachsen-Anhalt, Wernigerode: G├Ąste sitzen in einem Stra├čencafe am Marktplatz. (Quelle: /dpa-bilder)

Ich lebe in Berlin, das meistens schlecht gelaunt ist, egal ob die Sonne scheint oder der Horizont dunkelt. Viele schrappige S├Ątze beginnen mit: Hamwa nich, kriegen wa nich, wollen wa nich. In keiner anderen Stadt wird so h├Ąufig w├╝st gehupt, so oft der Mittelfinger in Anschlag gebracht, so oft bei Rot Gas gegeben wie hier. Der beliebteste Volkssport besteht im L├Ąstern ├╝ber die Stadtregierung, die Verwaltung, die Polizei, Hertha BSC und jede Person, die sich dazu aufdr├Ąngt wie etwa Franziska Giffey mit ihrer Doktorarbeit.

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Man kann wieder Pl├Ąne schmieden

Wenn Berlin gegen jede Gewohnheit l├Ąchelt, muss etwas Besonderes los sein. Die Macht, die Covid ├╝ber uns aus├╝bte, l├Ąsst nach. Die Macht, die wir ├╝ber unser Leben haben, nimmt zu. Die Inzidenz f├Ąllt, die Zahl der Geimpften w├Ąchst. L├Ąnder wie Deutschland, in denen nicht ├╝berm├Ą├čig, aber gen├╝gend Vakzine vorhanden sind, bereiten sich auf Lockerungen vor. Wie gut, wenn Einschr├Ąnkungen weichen und selbstverst├Ąndliche Freiheiten nach und nach wieder selbstverst├Ąndlich werden.

Darf man sich dar├╝ber freuen? Darf man. Wenn Menschen schon deshalb aufleben, weil sie wieder andere Menschen treffen d├╝rfen, liegt darin ein gutes Zeichen. Was immer noch das Soziale erschwert, wie das st├Ąndige Testen oder der Zwang, den Impfpass blo├č nicht zu vergessen, l├Ąsst sich verkraften. Es wird besser. Man kann wieder Pl├Ąne schmieden, sich was vornehmen. Es geht voran. Warum nicht segeln gehen, Freunde in gr├Â├čerer Zahl treffen, irgendwohin fliegen.

Entschlossen gegen die dritte Welle

Nicht alles ist schon gut. Noch immer sterben Menschen Tag f├╝r Tag an Covid. Das ist schlimm, das ist traurig. Die Gesellschaft darf sie nicht vergessen, das ist wahr. Auch ist die Pandemie nicht vorbei, solange sie in Brasilien oder Indien w├╝tet und Mutanten erbr├╝tet, die auf uns niederkommen.

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Es ist ja einfach so, dass wir immer auf verschiedenen Ebenen wahrnehmen und denken. ├ťber die Freude an der Zunahme an Freiheit vergisst doch wohl niemand, dass sie ein Luxusprodukt des Landes ist, in dem wir leben. Das ist unverdientes Gl├╝ck, es hat sich so ergeben. Dass die dritte Welle der Pandemie bricht, ist eine Folge entschlossenen Handelns, zu dem sich die Regierung nach Z├Âgern und Fehlern aufraffte. Man muss sich nur mal kurz vorstellen, unser Bundeskanzler hie├če Jair Messias Bolsonaro ÔÇô Messias!

Mit guten Aussichten l├Ąsst sich anderes leichter ertragen

Bei allem Gen├Âle ├╝ber die Kanzlerin und Herrn Spahn, ├╝ber zu viel Nettigkeit beim Kanzlerkandidaten Armin und zu wenig Erfahrung bei der Kandidatin Annalena: Es gibt L├Ąnder, milde gesagt, in denen es erheblich unerfreulicher ist zu leben.

M├╝nchen: Zahlreiche Menschen genie├čen das sch├Âne und sonnige Wetter am Ufer der Isar.
M├╝nchen: Zahlreiche Menschen genie├čen das sch├Âne und sonnige Wetter am Ufer der Isar. (Quelle: /dpa-bilder)

Ich pers├Ânlich freue mich jetzt auf die Europameisterschaft und bin gespannt, ob Jogi L├Âw ein gutes H├Ąndchen hat. Die Berlinale findet als Freilichtkinogro├čveranstaltung statt, kann was werden, wenn es w├Ąrmer wird. Gibt es Gerechtigkeit, dann kreuzt Bob Dylan bald in irgendeiner deutschen Stadt auf und ich ergattere Karten. Mit dieser Aussicht l├Ąsst sich dann das andere leichter ertragen: die Wahl in Sachsen-Anhalt, die Schlimmes bef├╝rchten l├Ąsst; die anschwellende Hysterie vor der Bundestagswahl; von Lukaschenkos Ruchlosigkeit oder der bizarren Selbstfeier des Herrn Assad gar nicht zu reden.

In diesen Tagen ist es leichter als sonst, sich ├╝ber die gar nicht kleinen Ver├Ąnderungen zum Besseren zu freuen. Es geht eben nie nur bergab.

Hier finden Sie alle Kolumnen von Gerhard Sp├Ârl.

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