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Neustart der Islamkonferenz: Das ewige Reden über den Islam nervt

MEINUNGNeustart der Islamkonferenz  

Das ewige Reden über den Islam nervt

Eine Kolumne von Lamya Kaddor

27.11.2018, 10:36 Uhr
Neustart der Islamkonferenz: Das ewige Reden über den Islam nervt. Das Logo der Deutschen Islamkonferenz: Vor zwölf Jahren wurde die Konferenz ins Leben gerufen. Jetzt bezieht sie auch kleinere Gruppen mit ein. (Quelle: Inga Kjer/Imago)

Das Logo der Deutschen Islamkonferenz: Vor zwölf Jahren wurde die Konferenz ins Leben gerufen. Jetzt bezieht sie auch kleinere Gruppen mit ein. (Quelle: Inga Kjer/Imago)

Bisher brachte die Islamkonferenz wenig zustande. Und wenn doch, schuf sie eher neue Probleme. Doch diesmal könnte alles anders werden.

Morgen, am Mittwoch, startet die Deutsche Islamkonferenz in ihre vierte Phase. Das Bundesinnenministerium als Gastgeber verspricht einen Neustart. Manche Bürger lässt die Nachricht dennoch seufzen: „Oh man, schon wieder der Islam!“ Ehrlich gesagt, geht die Dauerpräsenz des Islams selbst mir  bisweilen auf die Nerven – und ich bin Islamwissenschaftlerin und Muslimin. 

Auch im Kommentarbereich von t-online.de zu meiner Kolumne vom vergangenen Freitag wurde gefragt, warum es so oft um Muslime geht, und nicht um Hindus oder Anhänger der Kirche des fliegenden Spaghettimonsters. Ein Teil der Fragen sind rhetorisch, dahinter verbirgt sich die Ansicht, dass der Islam Träger allen Übels in der („deutschen“) Welt sei und die („ausländischen“) Muslime am besten aus der Wahrnehmung verschwinden sollten. Auf solche Äußerungen muss man nur eingehen, wenn sie ein Fall für die Strafverfolgungsbehörden werden.

Es gibt aber auch Menschen, die aus echtem Interesse fragen. Ihnen sei geantwortet, dass der Islam nicht nur die zweitgrößte Religionsgemeinschaft der Welt ist, sondern mit etwa fünf Millionen Anhängern auch die zweitgrößte Religionsgemeinschaft Deutschlands. Es versteht sich von selbst, dass Muslime stärker im Rampenlicht stehen als etwa die circa 100.000 Hindus im Land.

Muslime fordern keine Sonderrechte

Die überproportionale Öffentlichkeit des Islam ist indes den Islamisten und den zumeist rechten Populisten geschuldet, die ihn für politischen Ziele missbrauchen. Und wo solche Aufmerksamkeit existiert, sind Politiker der Mitte nicht weit entfernt. Schließlich geht es auch ihnen um Zuspruch der Bevölkerung. 

Womit die Popularität des Islam gewiss nichts zu tun hat, ist die Annahme, Muslime würden dauernd Sonderrechte einfordern, wie es der Kandidat für den CDU-Vorsitz, Friedrich Merz, in seiner verunglückten Äußerung zur Religionsfreiheit bei der dritten Runde der Regionalkonferenzen in Thüringen angedeutet hat. Die meisten Muslime wollen einfach als normale deutsche Staatsbürger behandelt werden. 

Diesmal dürfen auf kleinere Gruppen mitreden

Es gibt also genug Dinge, über die man auf einer Islamkonferenz sprechen kann, und zwölf Jahre nach dem Start besteht die berechtigte Hoffnung, dass dabei mehr herauskommt als in der Vergangenheit. Obwohl Bundesinnenminister Horst Seehofer mit dem abgedroschenen Satz, „der Islam gehört nicht zu Deutschland“, schon zum Amtsantritt ziemlich gepoltert hat.

Denn die Islamkonferenz hat sich personell deutlich breiter aufgestellt und beschränkt sich nicht mehr, wie zuletzt, auf die vier großen Islamverbände –  DITIB, Islamrat, VIKZ und Zentralrat der Muslime. Unter den Teilnehmen sind diesmal auch Vertreter säkularer, liberaler und konservativer Strömungen. Das entspricht der Heterogenität des Islam in Deutschland deutlich besser. Offenbar ist inzwischen im Bundestag und in den Länderparlamenten die Botschaft angekommen, dass eine Verengung auf die großen Islamverbände als Ansprechpartner ein Irrweg gewesen ist, der weder in der muslimischen Community noch in der gesamtdeutschen Gesellschaft konsensfähig ist. 

Islamkritische Hardliner werden nicht eingebunden

Zugleich wird darauf verzichtet, Hardliner aus jener Ecke der Islamkritik einzubinden, die mitunter die Grenzen zur Islamfeindlichkeit überschreiten, und Randpositionen innerhalb der Community überzubetonen. 

Nicht nur personell weist der Neustart der Islamkonferenz in eine hoffnungsvollere Zukunft. Es scheint, als habe man unter der Führung des neuen, weltoffen auftretenden Heimat-Staatssekretärs Markus Kerber auch inhaltlich dazugelernt. Die einstige Fokussierung auf sicherheitspolitische Aspekte tritt in den Hintergrund. Dafür rücken Fragen nach vorn, wie wir an einem zeitgemäßem Islamverständnis in Deutschland arbeiten können, an einem Islam, der im Einklang mit dem Grundgesetz steht, nicht vom Ausland dominiert und von der Mehrheitsbevölkerung als selbstverständlicher und harmonischer Bestandteil dieses Landes anerkannt wird.  

Sollte es tatsächlich gelingen, dass die Islamkonferenz weniger zur Bühne für ein ideologisches Schaulaufen vor den eigenen Wählern oder ein Buhlen um Facebook-Likes in eigener Sache wird, sondern sachorientierte Arbeit leistet, könnte sie erstmals echten Nutzen erbringen.

Bisher produzierte die Konferenz vor allem Probleme

Bislang produzierte die Konferenz vor allem Streit um Personen sowie Chaos zwischen politischem Anspruch und gesellschaftlicher Realität. Wenn dann doch einmal konkrete Ergebnisse hervorbrachte, führten sie zu weiteren Problemen.

Bei der Herausbildung einer islamischen Theologie und eines islamischen Religionsunterrichts in Schulen etwa gab die Islamkonferenz entgegen sämtlicher Warnungen von außen die völlig falschen Impulse;  indem sie anregte, in der Praxis unter anderem auf die DITIB-Führung in Köln zu setzen, die heute verteufelt wird. Das führte unter anderem zur gescheiterten Politik der früheren rot-grünen Landesregierung in NRW beim Islamunterricht und zum Trauerspiel um den Aufbau einer Islamischen Theologie an der Berliner Humboldt-Universität.

Diesmal könnte es besser werden. Mit der Aufstellung der neuen Islamkonferenz hat sich das Bundesinnenministerium einige Vorschusslorbeeren erarbeitet. Ob sie diese wird behalten können, wird natürlich kritisch zu prüfen bleiben.  

Lamya Kaddor ist Islamwissenschaftlerin, Religionspädagogin, Publizistin und Gründungsvorsitzende des Liberal-Islamischen Bunds (LIB e.V.). Derzeit leitet sie ein Forschungsprojekt an der Universität Duisburg-Essen. Ihr neues Buch heißt "Die Sache mit der Bratwurst. Mein etwas anderes deutsches Leben" und ist bei Piper erschienen. Sie können unserer Kolumnistin auch auf Facebook oder Twitter folgen.

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