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Corona-Impfung bei Hausärzten: Diese Herausforderungen gibt es

Impfstart in Hausarztpraxen  

"Der Piks ist nur die Spitze des Eisbergs"

Von David Schafbuch

08.04.2021, 19:00 Uhr
Impfungen beim Hausarzt: "Der Pieks ist nur die Spitze des Eisbergs"

Seit einigen Tagen dürfen Hausärzte in Deutschland Impfungen gegen das Coronavirus durchführen. Die Patienten sind erleichtert, doch noch nicht alles läuft rund. (Quelle: t-online)

"Der Piks ist nur die Spitze des Eisbergs": Ein Mediziner erklärt, wie der Impfstart bei den Hausärzten funktioniert und wo noch nachgebessert werden muss. (Quelle: t-online)


Nach dem Start der Impfkampagne klagen viele Hausärzte über die schlechte Koordinierung und zu viel Bürokratie. Laut dem Vorsitzenden der Berliner Hausärzte geht es vielen Politikern mehr um gute Wahlergebnisse als um schnelle Impfungen.

Wolfgang Kreischer verliert keine Zeit: Gleich 18 Patienten will er am ersten Tag in seiner Praxis in Berlin impfen. Deshalb führt er das Aufklärungsgespräch gleichzeitig mit den ersten sechs Patienten in seinem Wartezimmer. Menschen, die spontan wegen anderen Beschwerden erscheinen, sollen später wiederkommen. In 45 Minuten will er fertig sein, dann folgt schon die nächste Gruppe. Sein Ziel für die erste Woche: 150 Impfungen.

Aufnahmen aus der Hausarztpraxis und Ausschnitte aus dem Interview mit Wolfgang Kreischer sehen Sie oben im Video oder hier.

Damit ist Kreischer bundesweit eher eine Ausnahme: Da seine Praxis an einem Modellprojekt in Berlin teilnimmt, steht ihm mehr Impfstoff zur Verfügung. Insgesamt sollen alle Praxen in der ersten Woche 940.000 Impfdosen des Herstellers Biontech erhalten, das macht pro Arzt 26 Dosen. Kreischer hat zusätzlich auch Impfdosen von Astrazeneca erhalten. Trotzdem reicht es nicht, um alle seine chronisch kranken Patienten sofort zu versorgen: Er schätzt, dass bis zu 600 für eine Impfung infrage kämen.

Großer Mehraufwand

Um möglichst viele zu versorgen, plant der Arzt auch Impfungen am Wochenende. Dabei sei das Spritzen das kleinste Problem: "Es ist nicht nur der kleine Piks, der ist nur die Spitze des Eisbergs", sagt Kreischer t-online. Die Bürokratie rund um die Impfung koste dagegen deutlich mehr Zeit: Jede Praxis muss zunächst selbst die Patienten auswählen und einladen, die laut der Impfreihenfolge infrage kommen.

Trotzdem erkundigen sich viele telefonisch, ob sie einen Termin machen könnten, obwohl sie noch nicht an der Reihe sind. "Wir müssen auch viele Patienten vertrösten, die nicht in den ersten Priorisierungsgruppen sind. Dafür haben nicht alle Verständnis", sagt Kreischer, der auch Vorsitzender des Hausärzteverbandes in Berlin und Brandenburg ist.

Ist ein Termin gefunden, folgt eine Einwilligungserklärung, die sowohl Arzt als auch Patient unterzeichnen. In der Praxis gibt es ein Aufklärungsgespräch, das ebenfalls schriftlich bestätigt werden muss. Jede Impfung muss danach an das Robert Koch-Institut gemeldet werden. Die bürokratischen Hürden verhindern laut Kreischer auch, dass mehr Hausärzte – so wie er – an Modellversuchen mit mehr Impfstoff teilnehmen.

Viele seiner Kollegen hätten sich nicht um einen Platz beworben, denn der Aufwand sei im Vorfeld zu groß gewesen. Grundsätzlich könnten noch viel mehr Ärzte mitmachen: "Da herrscht noch Nachholbedarf, denn noch impfen nicht alle Hausarztpraxen." Die Impfzentren seien dennoch weiter wichtig, da viele Menschen überhaupt keinen Hausarzt besuchen.

Versäumnisse bei Politikern

Das größte Problem sieht Kreischer aber in der Corona-Politik. Bund und Länder hätten keine klare Linie, die Pandemiebekämpfung habe bei vielen nicht die oberste Priorität: "Dass Politiker mehr den Wahlkampf und die Landtagswahlen im Kopf haben als das Impfen, das geht gar nicht." Dadurch gebe es große Unsicherheiten, die am Ende die Ärzte ausbaden müssten.

Bei Kreischers Patienten herrscht dagegen nach den ersten Impfungen große Erleichterung: Als eine der ersten Patientinnen erhält etwa die 54-jährige Fatima Kiesa ihre Spritze. Sie hat nicht nur ein Herz- und Darmleiden – auch zwei ihrer Verwandten sollen bereits nach einer Covid-Infektion verstorben sein.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche vor Ort 
  • Nachrichtenagentur dpa

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