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Blinder Passagier: 66-Jährige ohne Ticket im Flugzeug

Serien-Schwarzfliegerin erwischt  

Wie eine Amerikanerin kostenlos nach London kam

22.01.2018, 18:36 Uhr | Lars Wienand

Blinder Passagier: 66-Jährige ohne Ticket im Flugzeug. Ohne Ticket im Flieger:  Marilyn H. ist das schon mehrfach gelungen. (Quelle: Reuters/Polizei Chicago/Fotomontage)

Ohne Ticket im Flieger: Marilyn H. ist das schon mehrfach gelungen. (Quelle: Reuters/Polizei Chicago/Fotomontage)

Schwarzfahrer gibt es täglich zigtausendfach. Eine US-Amerikanerin ist zum wiederholten Mal als Schwarzfliegerin aufgefallen. Kommt man mit Geduld und Geschick in ein Flugzeug?

Eine 66-jährige Amerikanerin muss sich wieder einmal wegen Fliegens ohne Ticket und wegen unerlaubten Betretens von Staatseigentum verantworten. Die Frau war in Chicago ohne Papiere an Bord eines Flugzeugs nach London gelangt. Sie versucht das immer wieder – und ihre Erfolge als blinder Passagier werfen Fragen zur Flugsicherheit auf.

Am Flughafen Heathrow in London beim Zoll war Schluss für Marilyn H. aus Grayslake in Illinois. Die 66-jährige Frau mit den graublonden Haaren hatte keinen Pass für die Einreise. Sie hatte auch gar kein Ticket für den Flug, wie sich später herausstellte. Die Frau war trotzdem durch die Sicherheitsschleusen in den internationalen Teil des Flughafens Chicago O'Hare gelangt und hatte die Kontrolle beim Boarding passiert. 

Sicherheitsbehörde überprüft Kontrollen

Der Fall ist peinlich für die Transportsicherheitsbehörde TSA. Nach Bekanntwerden des Falles habe man umgehend Maßnahmen ergriffen, um die Sicherheitspraktiken im gesamten Flughafen zu überprüfen, zitiert die "Chicago Tribune" einen Sprecher.  

Das Gesicht von Marilyn H. sollten die Beamten kennen oder sich merken: Als blinder Passagier in Flugzeugen ist sie Serientäterin. Bei gescheiterten Versuchen ist sie mehrfach festgenommen worden und war deshalb auch bereits im Gefängnis und in einer psychiatrischen Einrichtung. In einem Fall wurde sie einen Tag nach ihrer Freilassung wieder am Flughafen erwischt. Ihr Motiv ist unklar.

Vergleichbarer Fall in Deutschland nicht bekannt

Beim deutschen Flughafenverband ADV ist kein Fall von "Schwarzfliegen" an deutschen Flughäfen bekannt. Wäre das denn möglich? Auf die Frage antwortet der Verband schriftlich mit einer Beschreibung der vorgesehenen Prozedur: "Bevor ein Fluggast seinen Flug antritt, muss er seinen Boardingpass zweimal vorzeigen: vor der Sicherheitskontrolle und vor dem Einstieg in das Flugzeug beim Boarding". 

Es gebe Fälle, in denen Reisende irrtümlich mit einer Bordkarte in falsche Maschinen gelangt sind, berichtet David Haße, Chefredakteur des Portals airliners.de. Ohne Ticket in ein Flugzeug zu gelangen, sei aber fast ausgeschlossen.

24 Stunden im Terminal verbracht

In Chicago haben die Behörden mit Überwachungsvideos nachvollziehen können, wie es dort doch ging: etappenweise, mit viel Geduld. Zuerst gelang es Marylin H. mittags um 14 Uhr, in einem günstigen Moment an zwei TSA-Mitarbeitern bei einer Vorkontrolle der Boarding-Pässe vorbeizuschlüpfen. Danach fiel sie einem Beamten auf, als sie sich beim Boarding für eine Maschine nach Connecticut um eine wartende Passagierin schlängeln wollte. Der sagte aber nur, sie solle sich setzen.

Nun schaffte es die Frau, mit einem Shuttle-Bus an den internationalen Teil des Flughafens zu wechseln. Dort hielt sie sich fast 24 Stunden auf. Die unauffällige ältere Dame kam dann unbehelligt an einer British-Airways-Mitarbeiterin und am Zoll vorbei. Im Flieger versteckte sie sich zunächst auf einer Toilette und setzte sich dann auf einen freien Platz, berichtet die "Chicago Tribune". 

Quellen und weiterführende Informationen:

- Erklärung der Polizei von Chicago
- Bericht der "Chicago Tribune"

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