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Arktische Werte am Wochenende: Jörg Kachelmann fürchtet Blütenmassaker

Arktis-Luft am Wochenende  

Wetter-Experte Jörg Kachelmann fürchtet "Blütenmassaker"

Von Lars Wienand

02.05.2019, 19:15 Uhr
 (Quelle: dpa)
So schützen Obstbauern ihre Ernte gegen Frost

Der Frost zur Baumblüte kommt Obstbauern und Kleingärtnern höchst ungelegen, es drohen große Ernteausfälle. Ulrich Harms vom Bauernverband Hamburg erklärte bereits 2017, wie man die Ernte noch retten kann. (Quelle: dpa)

Gefahren durch Frost: So schützen die Obstbauern ihre Ernte. (Quelle: dpa)


Wegen heranziehender eisiger Luft aus der Arktis heißt es von Winzern und Obstbauern: "Drücken Sie uns die Daumen!" Meteorologe Kachelmann spricht von einem drohenden Blüten-, Blümchen- und Knospenmassaker. 

In der Nacht zu Sonntag könnte Frost erhebliche Schäden in Weinbergen, Obstplantagen und in den Gärten und auf den Balkonen in Deutschland anrichten. Winzer und Obstbauern bereiten sich auf Einsätze in der Nacht vor, um Minustemperaturen etwas entgegenzusetzen. Eisiger Wind aus der Arktisregion zieht durch Deutschland.

"Drücken Sie uns die Daumen, dass es nicht wie befürchtet kommt", sagt Werner Ollig, Leiter der Gartenakademie des Landes Rheinland-Pfalz und Vize-Präsident der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft. "Alle hoffen, dass es nicht so schlimm wird." Kleingärtner sollten Vlies über Gemüse- und Salatkulturen decken, "bei Obst haben sie wenig Chance, etwas zu tun."

Jungen Früchten drohen die Schäden

Dabei geht es dort gar nicht vordringlich mehr um die Blüten. Ob Äpfel oder Kirschen, "die Blüte ist fast überall durch". Während dieser Zeit bestand Gefahr, dass Blütennarben zerstört und nicht mehr befruchtet werden können.

Gibt es bereits junge Früchte, dann verkrafteten auch die nur minus 1 oder maximal minus 2 Grad Celsius, sagt Ollig. Modelle der Meteorologen sehen mit Ausnahme Bayerns und Sachsens fast flächendeckend in Deutschland Werte unter null Grad kommen, in der Mitte auch bis zu minus 7 Grad.

Meteorologe Jörg Kachelmann twitterte deshalb bereits am Dienstagabend: "Das gibt ein Blüten-, Blümchen- und Knospenmassaker, wenn kein Wunder passiert bis zur Nacht von Samstag auf Sonntag." Das sei das zweite Problem neben der Trockenheit im Osten.

Beregnung soll Schutz bieten

Bei Werten unter null Grad werden bei Früchten Teile des jungen Zellgewebes geschädigt, das Obst wird unförmig. "Wir haben dann ein Qualitätsproblem", sagt Jens Stechmann, Vorsitzender des Bundesausschusses Obst und Gemüse im Deutschen Bauernverband. Der Nacht sehe man "skeptisch entgegen, bisweilen ängstlich, aber nichtsdestotrotz kennen wir die Situation natürlich".

Er selbst erntet auf 37 Hektar Fläche im Alten Land Kernobst, zum Teil an geschützten Standorten und 25 Hektar mit der Möglichkeit zur Frostschutzberegnung. Pro Hektar und Stunden werden dann 40 Kubikmeter Wasser auf die Bäume gesprüht. Wenn das Wasser friert, setzt das Wärme frei.

Deshalb muss so lange beregnet werden, bis die Lufttemperatur wieder entsprechend hoch ist. Wenn die in seinen Flächen installierten Frostwarner anschlagen, wird Stechmann über den Einsatz entscheiden. "Das kann das eine entscheidende Grad ausmachen."

"Jeder, der Frostschutzberegnung hat und Gefahr läuft, wird alles bereithalten", sagt deshalb Gartenakademie-Chef Ollig. "Da sind dann alle Mann draußen." In diesem Jahr habe es schon mehrere Nächte mit dieser Gefahr gegeben.

Spektakuläre Bilder durch Frostkerzen 

Wenn sich die Modelle bestätigten, werde es am Wochenende an vielen Standorten darum gehen, ob die Wolken aufreißen und wie die Windverhältnisse sind. Vereinzelt setzen Obstbauern auch auf Frostkerzen, verteilen also offene Feuer in Töpfen zwischen ihren Pflanzen. Das gibt spektakuläre Bilder, auf die die Betroffenen aber gerne verzichten würden. Auch Pellets werden vereinzelt angesteckt. 

Frostkerzen in einem sächsischen Weinberg: Die Feuer sollten die Reben in Weinböhla am 11. April vor Schäden durch tiefe Temperaturen bewahren. Am Wochenende könnten viele dieser Feuer brennen.  (Quelle: dpa/Sebastian Kahnert)Frostkerzen in einem sächsischen Weinberg: Die Feuer sollten die Reben in Weinböhla am 11. April vor Schäden durch tiefe Temperaturen bewahren. Am Wochenende könnten viele dieser Feuer brennen. (Quelle: Sebastian Kahnert/dpa)

Obstbauern und Winzer denken aktuell an 2017 zurück. Damals traf es vor allem den Süden, in der Bodenseeregion wurden sogar Werte von fünf Grad unter Null gemessen. Ernst Büscher, Sprecher des Deutschen Wein-Instituts, sagt: "Wir sind alle in Alarmstellung." Vor zwei Jahren sei die Situation ähnlich gewesen – "da hatten wir eine ähnliche Situation und 17 Prozent Ertragsausfall, der weitestgehend darauf zurückzuführen war".

Die Reben seien schon recht weit entwickelt und die Gefahr von Schäden groß. Hanglagen seien weniger betroffen, weil Kaltluft dort nach unten abfließe. Je nach Lage könne versucht werden, mit Hubschraubern wärmere Luft nach unten zu verwirbeln. Einige Winzer setzten auch kleine Gasöfen ein.

Heizdrähte für den Weinberg in der Entwicklung

Experimentiert werde zudem mit beheizbaren Drähten. "Das würde die Wärme direkt an die Blätter bringen." 

Gearbeitet wird daran auch, weil die Winzer Folgen des Klimawandels fürchten: "Wir beobachten, dass der Austrieb immer früher erfolgt. Das erhöht die Gefahr, dass danach Frost Schäden anrichtet." 
 


Versichern könnten sich Obstbauern kaum realistisch gegen den Frost, sagt Obstbauern-Funktionär Jens Stechmann: Die Prämien sind hoch, anders als in vielen anderen Ländern gebe es in Deutschland keine staatlichen Zuschüsse. Für die Verbraucher werde auch eine harte Frostnacht wenig Folgen haben, so Obstbauer Jens Stechmann: "Wir haben eher ein Überangebot an Äpfeln auf dem Markt."

Verwendete Quellen:

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