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Coronavirus: China trickst bei Zahlen – welches Ausmaß hat Epidemie von Covid-19?

Coronavirus breitet sich aus  

China trickst bei Zahlen – wahres Ausmaß der Epidemie unklar?

03.03.2020, 21:16 Uhr | dpa

 (Quelle: Euronews German)
Coronavirus: WHO spricht von "unbekanntem Gebiet"

Das Coronavirus breitet sich in immer mehr Ländern aus. Die WHO spricht von "unbekanntem Gebiet", das Virus sei nicht mit der Grippe vergleichbar. (Quelle: Euronews German)

Coronavirus: So stellt sich die Situation derzeit weltweit dar, die WHO spricht von "unbekanntem Gebiet". (Quelle: Euronews German)


In China wirft die amtliche Statistik zu Corona-Infizierten Fragen auf. Viele Fälle werden offenbar nicht mitgezählt. In Deutschland gibt es unterdessen in fast jedem Bundesland bestätigte Fälle. 

Weltweit stecken sich immer mehr Menschen mit dem Coronavirus an. In Deutschland gibt es mittlerweile in fast allen Bundesländern nachgewiesene Fälle des SARS-CoV-2 genannten Virus. Außerhalb der Bundesrepublik trifft es weiterhin Südkorea und China am heftigsten. Dabei könnte Peking bei den Infizierten sogar getrickst haben.

So stieg in China die Zahl der Toten um weitere 31 auf 2.943, wie die Behörden mitteilten. Und mit 125 neu registrierten Infektionen nahm die Zahl der Virusfälle auf 80.151 zu. Doch das wahre Ausmaß der Epidemie in China ist unklar, da die Zählweise mehrfach geändert wurde. Das wirkt sich spürbar auf die amtliche Statistik aus.

Wie das chinesische Magazin "Caixin" berichtete, können beispielsweise Personen, die nachweislich infiziert sind, aber keine Symptome der Krankheit zeigen, seit Anfang Februar nicht mehr als neu bestätigte Ansteckungen mitgerechnet, sondern anderweitig aufgelistet werden. Solche Personen können allerdings auch ansteckend sein.

Auch sind klinische Diagnosen ausgenommen worden. Da die DNA-Tests oft fehlerhaft sind, stellt der Arzt dabei nur anhand der Symptome die Infektion fest. Seit der neuen Zählweise hat sich der Anstieg deutlich reduziert. Die Änderungen können nach Angaben von Experten auch Auswirkungen auf statistische Erhebungen wie etwa die Sterblichkeitsrate haben. "Es zeigt, dass es weiter verbreitet und schwieriger einzudämmen sein könnte, als wir denken, was vielleicht die wichtigste Komponente zu diesem Zeitpunkt ist", zitierte "Caixin" den Experten Michael Mina von der Harvard School of Public Health.

Infizierte in fast allen Bundesländern

Derweil gibt es in fast allen Bundesländern in Deutschland nachgewiesene Infektionen mit dem neuen Coronavirus. Insgesamt stieg die Zahl der erfassten Ansteckungen auf rund 170. Mit mehr als 90 Fällen verzeichnet Nordrhein-Westfalen bei Weitem die meisten registrierten Ansteckungen. Noch keine Meldungen gab es lediglich aus dem Saarland, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt.

Erstmals wurden am Montag Fälle aus Brandenburg (1), Thüringen (1) und Sachsen (1) gemeldet. In Berlin, wo der erste Fall am Sonntagabend bekannt wurde, kamen zwei weitere Infektionen hinzu. Da eine Lehrkraft unter den Infizierten ist, bleibt nun auch in der Hauptstadt eine öffentliche Schule geschlossen.

SPD-Politiker Karl Lauterbach: "Sollten wir eine größere Epidemie bekommen, müssten wir mit großer Wahrscheinlichkeit planbare Operationen absagen." (Quelle: imago images)SPD-Politiker Karl Lauterbach: "Sollten wir eine größere Epidemie bekommen, müssten wir mit großer Wahrscheinlichkeit planbare Operationen absagen." (Quelle: imago images)

Der Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (SPD) befürchtet im Fall einer größeren Epidemie Pflegeengpässe in deutschen Kliniken. "Wir haben natürlich Flaschenhälse. Der wichtigste davon ist die geringe Zahl der Pflegekräfte, vor allem derer, die in der Intensivmedizin arbeiten können", sagte Lauterbach der "Passauer Neuen Presse".

"Sollten wir eine größere Epidemie bekommen, was sehr gut möglich ist, müssten wir mit großer Wahrscheinlichkeit planbare Operationen absagen und dann wohl die Krankenhäuser aufteilen in solche, die Corona behandeln, und die, die das nicht tun", ergänzte er. Für Lauterbach sind das aber noch keine aktuellen Problemstellungen. "Zum jetzigen Zeitpunkt sind wir, glaube ich, gut unterwegs."
 

 
Große Kliniken wie die Berliner Charité haben sich schon auf eine größere Epidemie vorbereitet. Bei stark steigenden Infektionszahlen bestehe grundsätzlich die Möglichkeit, geplante Eingriffe zu verschieben, um kurzfristig weitere Bettenkapazitäten zu schaffen, hieß es. Durch die Verschiebung könne auch zusätzliches Personal für die Versorgung von Covid-19-Patienten hinzugezogen werden. Die neun landeseigenen Berliner Vivantes-Kliniken verfügen darüber hinaus nach eigenen Angaben über rund 1.860 isolierfähige Zimmer. Berlin ist mit 3,7 Millionen Einwohnern die größte Stadt Deutschlands.

Doch nicht jeder Infizierte erkrankt auch. Die große Mehrheit der Betroffenen hat Erkältungssymptome oder gar keine Beschwerden. Schwerere Krankheitsverläufe entwickeln nach den bisherigen weltweiten Erkenntnissen bis zu 15 Prozent der Betroffenen. Häufig sind darunter alte Menschen und Patienten mit Vorerkrankungen. Die Isolation der Betroffenen und die Suche nach Kontaktpersonen erfolgt, damit sich die Ausbreitung des Virus möglichst verlangsamt. Dadurch soll möglichst viel Kapazität im Gesundheitssystem erhalten bleiben.

Außerhalb Chinas, wo das Virus seinen Ausgang genommen hatte, ist Südkorea am schwersten betroffen. Die Gesundheitsbehörden meldeten 600 neu nachgewiesene Infektionen. Die Gesamtzahl erreichte 4.812. Die Zahl der Toten, die mit dem neuen Coronavirus in Verbindung gebracht werden, kletterte um 2 auf 28. Wieder wurde die Mehrheit der Fälle in der südöstlichen Millionen-Stadt Daegu und der umliegenden Region erfasst. Die größte Häufung gibt es unter Anhängern der christlichen Sekte Shincheonji-Kirche Jesu, die Verbindungen nach China hat.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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