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Coronavirus in Niedersachsen: Zahl der Fälle nach Restaurantbesuch steigt

Virus-Ausbruch in Niedersachsen  

Zahl der Corona-Fälle nach Restaurantbesuch steigt

25.05.2020, 09:21 Uhr | dpa, dru

Coronavirus in Niedersachsen: Zahl der Fälle nach Restaurantbesuch steigt. Restaurant "Alte Scheune" in Leer: Nach einem Empfang Mitte Mai wurden mehrere Gäste positiv auf das Coronavirus getestet. (Quelle: dpa/Lars-Josef Klemmer)

Restaurant "Alte Scheune" in Leer: Nach einem Empfang Mitte Mai wurden mehrere Gäste positiv auf das Coronavirus getestet. (Quelle: Lars-Josef Klemmer/dpa)

Ein Corona-Ausbruch in Ostfriesland sorgt für Aufsehen. Denn mehrere Gäste eines Restaurants haben sich infiziert – und ihre Zahl steigt weiter. Gerät damit der Kurs der behutsamen Lockerungen in Gefahr?

Die Zahl der nachgewiesenen Corona-Infektionen nach einem Restaurantbesuch in Ostfriesland ist auf 18 gestiegen. Im Laufe des Sonntags kamen sieben bestätigte Fälle hinzu, wie der Landkreis Leer am Abend mitteilte. Unter den Infizierten seien 14 Menschen, die am 15. Mai bei der Wiedereröffnung des Restaurants in geschlossener Gesellschaft dabei waren. Vier weitere Menschen hätten sich in der Folge angesteckt. Insgesamt sei für 118 Menschen häusliche Quarantäne angeordnet worden.

Eine Befragung der Gäste, die am 15. Mai im Restaurant waren, habe zudem "Indizien geliefert, dass an dem Abend möglicherweise gegen Corona-Auflagen verstoßen wurde", hieß es vom Landkreis. Diesen Hinweisen werde in einem Ordnungswidrigkeiten-Verfahren nachgegangen, einschließlich einer Anhörung des Betreibers.

Der Inhaber des betroffenen Restaurants in Moormerland hatte am Samstag gesagt, er wisse nicht, ob sich das Virus am 15. Mai beim Eröffnungsabend seines Lokals verbreitet habe. Es sei auch möglich, dass sich die Menschen vor oder nach dem Abend infiziert hätten.

Am Samstagnachmittag war noch von 70 Isolationen die Rede. Einige der Frauen und Männer zeigten bereits Symptome, so dass weitere Infektionsfälle im Zusammenhang mit dem Ausbruch nicht auszuschließen seien, hieß es.

Wirt: Abstandsregeln wurden eingehalten

Für den Betreiber der Gaststätte "Alte Scheune" in der Gemeinde Moormerland im Kreis Leer ist die Entwicklung fatal. Monatelang hatte er das Restaurant renoviert und sich auf die Eröffnung vorbereitet, wie er der Deutschen Presse-Agentur erzählte. Der erste Abend sollte rund 40 ausgewählten Gästen gehören – darunter Vertreter von Firmen, die ihn unterstützt hatten. Der Inhaber stand zunächst als Koch in der Küche. Später gesellte er sich nach eigenen Angaben zu den Gästen, um mit ihnen anzustoßen. Die Abstands- und Hygieneregeln seien eingehalten worden, sagt der Mann, der seinen Namen nicht in den Medien lesen möchte.

Inzwischen kennt er vier Gäste, die wie er positiv getestet wurden. Bei drei Freunden von ihm sei das Virus ebenfalls nachgewiesen worden. Ob sich das Virus am 15. Mai beim Eröffnungsabend für Unterstützer seines Lokals verbreitet habe, wisse er nicht. Eine Party sei der Empfang sicher nicht gewesen, sondern eine Art Testlauf für ihn und sein Team. Denn am kommenden Tag öffnete das Restaurant regulär.

Niedersachsen bleibt bei Lockerungskrus

Der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga zeigte sich bestürzt über den Corona-Ausbruch. Eine Sprecherin sagte NDR 1 Niedersachsen, durch das Hygiene- und Abstandskonzept, das der Verband erarbeitet habe, seien Neuinfektionen in Restaurants eigentlich nicht möglich.

Aus Sicht von Niedersachsens Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) verdeutlichen die neu aufgetretenen Infektionen im Landkreis Leer einmal mehr, dass das Virus nicht besiegt ist. "Es ist noch da und wir müssen weiterhin sehr wachsam sein, um die großen Fortschritte der letzten Wochen nicht zu gefährden."

Einen Grund, vom Lockerungskurs abzurücken, sah sie angesichts des Vorfalls jedoch nicht. Das Land habe immer darauf hingewiesen, dass die Corona-Lockerungen mit einem gewissen Risiko verbunden seien. "Wir werden Ansteckungen auch in Zukunft nicht vollständig verhindern können", sagte Reimann. Entscheidend sei in einem solchen Fall, dass von den Behörden vor Ort konsequent alle Kontakte nachverfolgt würden, um das Infektionsgeschehen so eng wie möglich einzugrenzen. "Genau das passiert nun im Landkreis Leer", betonte die Ministerin.
 

 
Sie forderte alle auf, die Lage weiterhin ernst zu nehmen und sich an die Abstands- und Hygieneregeln sowie die geltenden Maßnahmen zur Kontaktbeschränkung zu halten. "Insbesondere an Orten, an denen nun wieder mehr Publikumsverkehr möglich ist, gilt es für uns alle, besonders vorsichtig und umsichtig zu sein."

Gast ließ sich testen – so wurden andere Infektionen entdeckt

Die "Alte Scheune" hat der Betreiber vorsorglich geschlossen. Nach seiner Quarantäne will er am 4. Juni wieder öffnen. "Vorausgesetzt alle Tests sind negativ", sagte er. "Ich möchte auf Nummer sicher gehen." Um die Ansteckungsgefahr zu reduzieren, braucht es aus seiner Sicht mehr Tests. Hätte ein Gast des Abends sich nicht umgehend testen lassen, hätte er von seiner Infektion wahrscheinlich nichts mitbekommen, erzählt der Inhaber. Diesem einen Gast sei es zu verdanken, dass die anderen Infektionen entdeckt wurden.

Und der Ausbruch in Leer ist nicht der einzige derartige Fall. Bei einem Gottesdienst einer Baptistengemeinde in Frankfurt am Main haben sich ebenfalls zahlreiche Personen mit dem Coronavirus infiziert. Laut Gesundheitsamt der Stadt wurden bislang mehr als 100 Fälle nachgewiesen. Mehr dazu lesen Sie hier.

Verwendete Quellen:


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