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In Corona-Krise: ADAC kassiert Staatszuschuss – und machte dabei Gewinn

Profit im Corona-Krisenjahr  

ADAC kassiert Staatszuschuss – und macht dabei Gewinn

18.04.2021, 13:16 Uhr
In Corona-Krise: ADAC kassiert Staatszuschuss – und machte dabei Gewinn. Fahrzeug der ADAC-Pannenhilfe: Der Club konnte im Krisenjahr Rücklagen bilden und stabilisiert damit voraussichtlich die Mitgliedsbeiträge. (Quelle: imago images)

Fahrzeug der ADAC-Pannenhilfe: Der Club konnte im Krisenjahr Rücklagen bilden und stabilisiert damit voraussichtlich die Mitgliedsbeiträge. (Quelle: imago images)

Kaum Mitgliederschwund, weniger Einsätze: Der ADAC steht in der Krise gut da. Doch seine Regionalclubs nahmen staatliche Unterstützung in Anspruch. Nun sollen die Mitglieder etwas davon haben. 

Der ADAC profitiert vom Corona-Krisenjahr 2020: Es gab keinen nennenswerten Mitgliederschwund, dafür aber weniger Panneneinsätze.  Das hat laut Informationen von t-online dazu geführt, dass der Club trotz der wirtschaftlichen Turbulenzen sogar einen Gewinn erwirtschaften konnte, der nun die Beiträge stabilisieren soll – während viele seiner Regionalclubs staatliche Zuschüsse durch Kurzarbeit erhielten. 

Kritik an Dividenden der Autobauer

Das ist nicht verboten. Doch erst kürzlich zogen große Konzerne Kritik auf sich, da sie einerseits von Kurzarbeit profitierten und andererseits Gewinne an ihre Anteilseigner ausschütteten. Der Autobauer Daimler erhielt 700 Millionen Euro vom Staat – und erhöhte die Dividenden um 50 Prozent. Aktionäre können sich deswegen über insgesamt 1,4 Milliarden Euro freuen. Ähnliches gilt für BMW und VW. Steuergelder würden also an Aktionäre weitergeleitet, kritisierte die "Bürgerbewegung Finanzwende".

Kommen öffentliche Gelder nun auch den Mitgliedern des größten deutschen Vereins und zweitgrößten Automobilclubs der Welt zugute, der seit Jahren rote Zahlen schrieb und sich deswegen einen Sparkurs und Beitragserhöhungen verordnete?

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Die Antwort darauf ist kompliziert – und der ADAC selbst trägt nicht gerade umfassend zur Aufklärung bei. Auf Anfrage bestätigte die Vereinszentrale in München aber Informationen von t-online, "dass für den ADAC e.V. (Zentrale) von einem positiven Jahresabschluss auszugehen ist, der sich nur zu einem Teil auf Effizienzmaßnahmen zurückführen lässt". Ursächlich für einen Teil der Kosteneinsparungen sei vielmehr die gesunkene Anzahl der Pannenhilfen. 

Kurzarbeit in den Regionen, Gewinne in der Zentrale

Durch das coronabedingte verringerte Verkehrsaufkommen hatten die Pannenhelfer deutschlandweit fast zehn Prozent weniger Einsätze zu fahren, während im Vergleich zum Vorjahr fast gleichbleibend über 21 Millionen Mitglieder Beiträge zahlten. Lediglich um rund 26.500 sank die Zahl der Abonnements, also etwa 0,13 Prozent. Im Frühjahr wurde währenddessen eine Beitragserhöhung beschlossen.  

Der positive Jahresabschluss betreffe allerdings die Vereinszentrale, die keine Kurzarbeit beantragt habe, teilte der ADAC mit – und nicht zwangsläufig auch die Regionalclubs, die den Angaben zufolge die Leistungen in Anspruch nahmen, "um Arbeitsplätze zu erhalten, obwohl Mitarbeiter pandemiebedingt wenig oder kaum arbeiten konnten". 

Dies sei dort der Fall gewesen, "wo zum Beispiel Geschäftsstellen, Reisebüros oder Fahrsicherheitszentren aufgrund behördlicher Anordnungen vollständig schließen mussten, Mitgliederleistungen nicht angeboten werden konnten oder Veranstaltungen komplett abgesagt werden mussten", hieß es in der Stellungnahme weiter.

Großen Wert legt der Club dabei auf die Feststellung, "dass der ADAC ein Verein ist und insofern mit einem (Aktien-)Unternehmen nicht vergleichbar". Das stimmt allerdings nur zum Teil. Die Struktur des ADAC ruht seit einer Reform vor wenigen Jahren auf drei Säulen: dem Verein, der Stiftung und der Aktiengesellschaft.

Im Verein existieren neben der Zentrale in München 18 Regionalclubs, die sich alle gemeinsam durch die Mitgliedsbeiträge finanzieren und Pannenhilfe und Versicherungssteuer gemeinsam stemmen. Dafür fließen jährlich Gelder aus den Regionen an die Zentrale. Die Aktiengesellschaft ADAC SE bündelt währenddessen das kommerzielle Geschäft und schüttet jährlich Gewinne an ihre Anteilseigner aus – den ADAC, seine Regionalclubs und seine Stiftung.

"Sonderposten zur Stabilisierung der Beiträge"

Sowohl die Regionalclubs als auch die Aktiengesellschaft tragen also zum Umsatz des Zentralvereins bei, der nun einen positiven Jahresabschluss vorweisen kann – in welchem Umfang sie im Corona-Krisenjahr von staatlichen Zuschüssen profitierten, beantworteten sie allerdings nicht.

Die Aktiengesellschaft ADAC SE reagierte nicht auf Fragen zu Kurzarbeit und Gewinnentwicklung. Fragen an die Regionalclubs wollte die Zentrale gebündelt beantworten, schrieb dann aber lediglich, die Regionalclubs seien "in sehr unterschiedlichem Maße und in unterschiedlichen Zeiträumen betroffen" gewesen.

Wie sehr das Jahresergebnis der Zentrale also von staatlichen Zuschüssen für die Regionalclubs oder die Aktiengesellschaft beeinflusst wurde, bleibt vorerst unklar. Absehbar sollen von der Gewinnentwicklung allerdings die Mitglieder profitieren, wie die ADAC-Zentrale auf Anfrage mitteilte. Mit der im Krisenjahr gebildeten Rücklage sollen die erst im Frühjahr angehobenen Beiträge stabilisiert werden.

"Für pandemiebedingte Kosteneinsparungen etwa durch sinkende Pannenhilfeeinsätze ist die Einrichtung eines Sonderpostens zur Stabilisierung der Beitragshöhe vorgesehen, damit die Kosteneinsparungen den Mitgliedern zugutekommen", schrieb der ADAC. Darüber entscheide die Hauptversammlung im Mai. Dann werde auch das Jahresergebnis vorgestellt.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherchen

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