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Wegen Delta-Ausbreitung: Tourismusbranche am Mittelmeer in Alarmstimmung

Wegen Delta-Ausbreitung  

Tourismusbranche am Mittelmeer in Alarmstimmung

24.07.2021, 02:00 Uhr | dru, dpa

Wegen Delta-Ausbreitung: Tourismusbranche am Mittelmeer in Alarmstimmung. Am Playa de Palma auf Mallorca: Die steigenden Infektionszahlen beunruhigen die Tourismusbranche in dem bei deutschen Touristen so beliebten Spanien. (Quelle: imago images/Chris Emil Janßen)

Am Playa de Palma auf Mallorca: Die steigenden Infektionszahlen beunruhigen die Tourismusbranche in dem bei deutschen Touristen so beliebten Spanien. (Quelle: Chris Emil Janßen/imago images)

Mit der Ausbreitung der Delta-Variante wird klar: Auch im Sommer 2021 kehrt die Vor-Corona-Unbeschwertheit noch nicht zurück. Bei den Mittelmeer-Anrainern wachsen deshalb die Sorgen um das Tourismusgeschäft.

Die Delta-Welle rollt durch die Urlaubsländer am Mittelmeer und lässt die Ängste der Tourismusbranche wachsen, dass nach dem Katastrophenjahr 2020 eine weitere Saison zum Vergessen folgt. Italien meldet wieder deutlich steigende Infektionszahlen – wenngleich auf niedrigem Niveau. In der Türkei wurden so viele Neuinfektionen wie seit zwei Monaten nicht mehr registriert. Und Spanien ist ab kommender Woche wieder Hochinzidenzgebiet, was bedeutet, dass nur vollständig Geimpfte oder Genesene bei der Rückkehr nach Deutschland der Quarantäne entgehen.

Auf der iberischen Halbinsel waren die Corona-Zahlen seit Ende Juni rapide in die Höhe geschossen. Vor allem junge, ungeimpfte Menschen infizierten sich bei Partys und Musikfestivals, meist mit der ansteckenderen Delta-Variante. Inzwischen liegt die Sieben-Tage-Inzidenz in Spanien weit über 300.

Zugleich zeigt aber auch die Impfkampagne Wirkung. In Spanien haben 62,6 Prozent der 47 Millionen Einwohner mindestens eine Corona-Impfung verabreicht bekommen, 53,5 Prozent sind vollständig geimpft. Während die Infektionszahlen förmlich explodierten, stieg die Zahl der Corona-Patienten in Krankenhäusern nur von gut 2.800 auf jetzt knapp 8.000. Die Corona-Todesfälle binnen sieben Tagen nahmen von 59 auf 92 zu.

In der Tourismusbranche herrscht dennoch Alarmstimmung. Unternehmen und Touristen befänden sich auf einer Achterbahnfahrt, klagte die Präsidentin des Verbandes der Hoteldirektoren auf den Balearen (AEDH), Alicia Reina. Die Unternehmen würden sich ständig schnell auf neue Situationen einstellen, während die Politik Maßnahmen gegen Infektionen oft zu langsam ergreife. Auf europäischer Ebene müssten die Geimpften von Beschränkungen befreit werden. Deshalb sei die Entscheidung, Spanien zum Hochinzidenzgebiet zu erklären richtig. Denn sie privilegiere die Geimpften.

Reiseverband: Nicht nur Inzidenz betrachten

Beim Reiseverband DRV ist man verärgert darüber, dass Spanien nun wieder Hochinzidenzgebiet ist. Dies mache mitten in der Ferienzeit "zahlreichen Reisenden und insbesondere vielen Familien mit Kindern die Urlaubspläne zunichte", sagte DRV-Präsident Norbert Fiebig. Der Verbandschef forderte, weg von der reinen Inzidenzbetrachtung bei der Einstufung von Zielgebieten zu gehen. Stattdessen sollte die tatsächliche regionale Gefährdungslage für Reisende sowie die konkrete Belastung des Gesundheitssystems in den Mittelpunkt der Überlegungen gerückt werden.

Nach DRV-Angaben machen aktuell etwa 200.000 Pauschalreisende aus Deutschland in Spanien Urlaub. Davon etwa 60 Prozent auf den Balearen, 30 Prozent auf den Kanaren und der Rest auf dem Festland. Hinzu kommen insgesamt geschätzt etwa 200.000 Individualurlauber aus Deutschland in dem Land.

Pauschalurlauber werden dem DRV zufolge von ihrem Veranstalter über die geänderte Situation in Spanien informiert. Sollten Reisende vorzeitig ihren Urlaub beenden wollen, kümmerten sich die Veranstalter um eine Flugumbuchung. Urlauber, die in den nächsten Tagen eine Reise nach Spanien geplant haben, würden von den Veranstaltern sukzessive kontaktiert. Deutschlands zweitgrößter Reiseveranstalter DER Touristik hatte bereits angekündigt, sollte Spanien als Hochinzidenzgebiet eingestuft werden, würden Gästen kostenfreie Stornierungs- und Umbuchungsmöglichkeiten angeboten.

Italien: Zutritt nur mit Grünem Pass

In Italien ist man von derart hohen Inzidenzzahlen noch weit entfernt. Doch auch dort nehmen die Ansteckungen wieder zu. Der Sieben-Tage-Inzidenzwert erhöhte sich auf landesweit durchschnittlich 41 Fälle je 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche, in der Vorwoche waren es noch 19. Vor allem bei jungen Menschen seien mehr Infektionen verzeichnet worden, hieß es am Freitag im wöchentlichen Corona-Lagebericht des Gesundheitsministeriums in Rom. Die Zahl der Corona-Patienten in den Krankenhäusern und auf den Intensivstationen blieb Experten zufolge auf ähnlichem niedrigem Niveau wie in der Vorwoche.

Die ansteckendere Delta-Variante breite sich in Italien weiter aus und sei inzwischen vorherrschend. Die Regierung von Ministerpräsident Mario Draghi hatte am Donnerstagabend bereits mit strengeren Coronaregeln reagiert. Ab dem 6. August ist in dem Land für zahlreiche Aktivitäten im Innenbereich der Grüne Pass notwendig, also ein Impfnachweis, ein negativer Corona-Test oder ein Genesungsnachweis. Zudem wurde der Notstand bis zum 31. Dezember verlängert.

Türkei appelliert an Bürger, sich impfen zu lassen

In der Türkei meldete das Gesundheitsministerium am Freitag 11.094 Neuinfektionen – so viele wie seit Mitte Mai nicht mehr. Innerhalb eines Tages starben 60 Menschen im Zusammenhang mit Covid-19. Das 82 Millionen-Einwohner-Land hatte Anfang Juli alle Ausgangsbeschränkungen wegen der Pandemie aufgehoben. Seitdem steigen die Fallzahlen wieder.

Gesundheitsminister Fahrettin Koca hatte erst kürzlich eindringlich an seine Landsleute appelliert, sich impfen zu lassen. Die Türkei setzt die Impfstoffe des chinesischen Herstellers Sinovac sowie von Biontech/Pfizer ein. Etwa 46 Prozent der Bevölkerung haben mindestens eine Impfdosis erhalten. Mehr als ein Viertel (26 Prozent) sind vollständig geimpft. Der Anteil der Delta-Variante steigt auch in der Türkei. Wie viel Prozent diese zurzeit ausmacht, wurde aber bislang nicht bekannt gegeben.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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