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Mit Ansage in die Katastrophe

Von Liesa Wölm

Aktualisiert am 09.11.2021Lesedauer: 5 Min.
Covid-Intensivstation (Symbolbild): In Mühldorf am Inn steigen die Infektionszahlen weiter – ohne Aussicht auf Besserung.
Covid-Intensivstation (Symbolbild): In Mühldorf am Inn steigen die Infektionszahlen weiter – ohne Aussicht auf Besserung. (Quelle: Max Stein/imago-images-bilder)
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Mühldorf am Inn bleibt ein Sorgenkind der vierten Corona-Welle. Die Inzidenz in dem bayrischen Landkreis ist auf über 800 gestiegen. Eine Katastrophe mit Ansage – und vorerst ohne Aussicht auf Besserung.

"Ich denke, wir haben den Höhepunkt noch nicht erreicht." Diese düstere Prognose gab Dr. Gregor Zimmermann, Chefarzt der Pneumologie und Beatmungsmedizin am Innklinikum Mühldorf, t-online vor zwei Wochen. Inzwischen ist sie traurige Realität geworden.

Ende Oktober verzeichnete der Landkreis mit einer Inzidenz von 592 bundesweit die meisten Corona-Fälle pro 100.000 Einwohnern. Knapp zwei Wochen später ist die Lage noch schlechter: Am Dienstag meldete das Robert Koch-Institut (RKI) eine 7-Tage-Inzidenz von 828.

Das Ranking der Neuinfektionen führt der Landkreis zwar nicht mehr an. Weniger dramatisch ist die Lage in Mühldorf deshalb aber nicht. Die Krankenhausampel steht auf rot – eine Katastrophe mit Ansage.

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Manchmal wird ein Intensivbett frei, wenn ein Patient stirbt

"Die Intensivstationen sind bis zum Anschlag voll", berichtet Chefarzt Dr. Zimmermann. Jeden Tag kämen zwischen 5 und 15 neue Covid-Patienten, die im Innklinikum oder in einem umliegenden Krankenhaus behandelt werden müssten. "Einige sind so schwer krank, dass sie auf der Intensivstation aufgenommen werden. Und diese Behandlung dauert häufig Tage und Wochen und braucht eben Zeit bis zur Besserung", erklärt der Mediziner. Auf der Intensivstation seien daher kurzfristig nur vereinzelt Kapazitäten frei, zum Beispiel, wenn ein Patient verlegt werden kann – "oder leider auch verstirbt", so Zimmermann.

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Einzelne Patienten hätten bereits in den Norden Bayerns oder nach Baden-Württemberg verlegt werden müssen, da die Kapazitäten in Mühldorf und in den umliegenden Kliniken immer wieder komplett ausgeschöpft sind. "Am Samstag etwa waren wir komplett auf uns allein gestellt, da keine Verlegung trotz größter Anstrengungen ermöglicht werden konnte", sagt der Lungenfacharzt. Und das, obwohl die Covid-Kapazitäten bereits verdoppelt worden seien.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssten nun noch mehr leisten. "Covid-Patienten werden tage-, wochen- oder monatelang intensivmedizinisch betreut, wenn sie intubiert und beatmet werden. Die Therapien sind extrem anstrengend für die Patienten und die Mitarbeiter", sagt Zimmermann.

Dr. Gregor Zimmermann ist Chefarzt der Pneumologie und Beatmungsmedizin am Innklinikum Mühldorf. Der 42-Jährige war zuletzt Leiter und Oberarzt der Pneumologie am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München. Neben seinem Facharzt für Innere Medizin und Pneumologie hat er Ausbildungen als Allergologe und Intensivmediziner abgeschlossen.

Maßnahmen wurden erst spät verschärft

Die Corona-Lage in dem Landkreis ist seit Wochen besorgniserregend, dennoch wurden die lokalen Regeln erst am Wochenende maßgeblich verschärft. Landrat Max Heimerl (CSU) hatte sich im Oktober mit Verweis auf den Impffortschritt noch gegen allzu strenge Maßnahmen ausgesprochen.

Wenige Wochen später schlägt er andere Töne an: "Die Lage in unseren Kliniken ist dramatisch, die Corona-Zahlen steigen weiter. Darauf müssen wir als besonders betroffener Landkreis reagieren. Und zwar sofort, ohne auch nur einen weiteren Tag zu verlieren", sagte Heimerl am Freitag. Dann führte er strengere Regeln wie eine FFP2-Maskenpflicht ein, zwei Tage bevor der Freistaat Bayern die Maßnahmen ohnehin verschärfte.

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Seit Sonntag haben landesweit etwa nur noch geimpfte, genesene oder PCR-getestete Personen Zutritt zu Gasthäusern und geschlossenen Räumen (3Gplus-Regelung), generell muss landesweit wieder FFP2- statt medizinischer Maske getragen werden.

"Ich weiß, dass es in den kommenden Wochen noch schlimmer wird"

Pneumologe Zimmermann kritisiert die späte Reaktion der Politik. "Dass die verschärften Maßnahmen erst sehr spät kommen, war absehbar", sagt er. Es sei zudem nicht förderlich, dass die kostenlosen Corona-Tests abgeschafft wurden. "Sobald wieder mehr getestet wird, kann man die Infektionsketten möglicherweise besser unterbrechen." Dafür, dass es keinen allgemeinen Lockdown mehr gibt, zeigt er Verständnis. "Aber wenn das die Ultima Ratio bleibt, wird auch das zu überdenken sein. Denn der Lockdown ist eine sehr harte, aber auch sehr effektive Maßnahme", sagt Zimmermann.

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"Die Zahlen werden sicherlich noch weiter steigen. Ich gehe davon aus, dass es in den kommenden Wochen in den Kliniken noch schlimmer wird", so der Arzt. Nach wie vor seien es größtenteils die ungeimpften Bürger, die auf der Intensivstation landen. Zwar steige die Anzahl der Erstimpfungen in Mühldorf seit Kurzem wieder an, aber für einige Bürger komme der Impfschutz zu spät.

Mehr Corona-Ausbrüche in Pflegeheimen

"Manche Patienten stolpern im Zieleinlauf, besonders die älteren. Die haben gerade ihre erste Impfung vor einigen Tagen erhalten und sind deshalb noch nicht vollständig geschützt. Dann infizieren sie sich und kommen ins Krankenhaus", so der Lungenfacharzt. Deshalb sollten alle Bürger, die noch zögern, das Impfangebot schnell nutzen. Denn vollständig geimpft sind in Mühldorf immer noch lediglich 63,5 Prozent (Stand: 7. November).

"Mit dezentralen, landkreisweiten Impfangeboten versucht der Landkreis Mühldorf am Inn bereits seit Längerem, die noch Unentschlossenen möglichst niederschwellig zu erreichen", heißt es vonseiten des Landrats Heimerl. Sonderimpftage und die wechselnden Standorte der mobilen Impfteams sollten helfen, die Impfquote zu steigern – doch der große Erfolg bleibt aus.


Das Infektionsgeschehen hat auch Corona-Ausbrüche in mehreren Alten- und Pflegeheimen zur Folge. Aktuell verzeichnet das Gesundheitsamt vornehmlich in zwei Heimen stark steigende Infektionszahlen mit insgesamt 67 Fällen (Mitarbeiter und Bewohner), wie das Landratsamt am Freitag mitteilte. Es seien bereits Todesfälle registriert worden. Aktuell liegt die Inzidenz bei den über 80-Jährigen mit 1.287 am höchsten in dem Landkreis (Stand: 9. November).

Landrat: Müssen über generelle Impfpflicht nachdenken

Angesprochen auf eine mögliche Impfpflicht sagt Chefarzt Zimmermann: "Ich sehe den Vorteil von geimpftem Pflegepersonal." Eine Impfung schütze nachweislich vor einem schweren Covid-Verlauf und geimpfte Personen übertragen das Virus weniger. "Dann bleiben die Leute gesund und es fällt auch nicht so viel Personal aus", so der Arzt. Er kenne einige, die den Verzicht auf die Impfung bereut hätten.

Landrat Heimerl schließt eine Impfpflicht für Pflegepersonal aufgrund der zugespitzten Lage und der drohenden Überlastung der Krankenhäuser inzwischen nicht mehr aus: "Ich bin der Meinung, dass wir über eine generelle Impfpflicht nachdenken müssen." Seines Erachtens sollte sich der Ethikrat mit einer Impfpflicht für Erwachsene befassen. Die Entscheidung für oder gegen eine Impfung sei keine reine Privatsache mehr, so der Landrat.

Auch Gesundheitsamt ist am Limit

Die hohen Infektionszahlen machen sich auch im Mühldorfer Gesundheitsamt bemerkbar. Die Behörde arbeitet am Limit, kommt nicht mehr nach in der Kontaktverfolgung. "Aufgrund der Explosion der Fallzahlen in den vergangenen beiden Wochen kann das Kontaktermittlungsteam trotz bereits abgerufener personeller Verstärkung durch Mitarbeiter aus dem LRA und anderer Behörden derzeit nicht mehr alle Indexfälle am gleichen Tag telefonisch kontaktieren", heißt es vom Landratsamt.

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Bei der Ermittlung der Kontakte werde nun priorisiert. Zuerst würden die Personen kontaktiert, die im Pflegebereich, in einer Kita oder Schule arbeiten. Die Bundeswehr solle die Arbeit des Gesundheitsamtes bald verstärken.

Derweil füllen sich die Intensivstationen in den Kliniken in und um Mühldorf weiter – oder sind schon völlig ausgelastet. "In den kommenden Wochen sehe ich eine ganz dramatische Situation vonseiten der Intensivstationen", prognostiziert Chefarzt Zimmermann. "Die Inzidenz von über 800 ist ein Vorgeschmack darauf, was uns wenig später im Krankenhaus erwartet." Es werde ein sehr bewegender Herbst und Winter. "Ich hoffe nicht, dass wir in zwei Wochen noch einmal telefonieren müssen, weil die Inzidenz bei über 1.000 liegt", so der Mediziner.

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