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Corona: Kinder- und Jugendärzte schlagen Alarm – Kliniken in Bayern überlastet

Psychiatrien in Bayern überlastet  

Kinder- und Jugendärzte schlagen Alarm

30.11.2021, 22:27 Uhr | t-online, VN

Corona: Kinder- und Jugendärzte schlagen Alarm – Kliniken in Bayern überlastet. Ein verzweifelter Teenager (Symbolbild): Es gibt immer mehr Aufnahmeanträge, doch Bayerns Kinder- und Jugendpsychiatrien sind am Limit. (Quelle: imago images/Gareth Fuller)

Ein verzweifelter Teenager (Symbolbild): Es gibt immer mehr Aufnahmeanträge, doch Bayerns Kinder- und Jugendpsychiatrien sind am Limit. (Quelle: Gareth Fuller/imago images)

Wie sehr belastet die Corona-Krise die jungen Menschen im Land? Die Hinweise sind anekdotisch, jetzt schlagen Kinder- und Jugendpsychiater aus Bayern Alarm. Die Kliniken seien überlastet. 

Zahlreiche depressive, suizidgefährdete Kinder – seit 35 Jahren arbeitet Franz Joseph Freisleder als Kinder- und Jugendpsychiater. Eine Krisensituation wie momentan, die sich über einen solch langen Zeitraum erstrecke, habe er noch nie erlebt, sagte der ärztliche Direktor der Heckscher Klinik in München dem Bayerischen Rundfunk. 

Auch Gerd Schulte-Körne, Chef der LMU-Kinder- und Jugendpsychiatrie, schlägt Alarm: Die Zahl der Notfälle hätte seit Wochen enorm zugenommen, sagte er dem BR. Seine Klinik sei voll, es lägen Matratzen auf dem Boden, um doch noch irgendwie erkrankte Kinder aufnehmen zu können. 

Schon unter normalen Umständen habe das Bundesland Bayern zu wenige Betten für psychisch erkrankte Kinder und Jugendliche, sagte auch der Klinikchef in Würzburg und Vize-Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Marcel Romanos – jetzt verschärfe die vierte Corona-Welle die Situation noch.  

Arzt: Angststörungen am häufigsten 

Die bayerische SPD-Chefin Ronja Endres forderte deshalb nun sogar ein Sofortprogramm, etwa Containerbauten, um kurzfristig den akuten Platzmangel zu lösen. Experten klagen, dass die Kliniken in Bayern überlastet seien, es fehle an Betten und Fachkräften. Familien suchten oft monatelang nach einem Platz für ihr Kind.

Unter den Erkrankungen kämen Angststörungen am häufigsten vor, sagte Gunther Moll, Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Erlangen "Nordbayern.de". Die Angst, nicht zu wissen, wie es weitergehen wird, Angst vor der Zukunft oder die Schule nicht zu schaffen seien nur einige der Gründe, fügte er hinzu. Doch auch Verstimmungen und Depressionen, als Folge der fehlenden Aktivitäten und der Einsamkeit, kämen häufig vor.

Bayern ist Schlusslicht im Bund

Aus Medienberichten wird deutlich: Das Personal in den Einrichtungen versucht, die Situation so gut es geht zu meistern. Sie improvisieren, versuchen extra Betten zur Verfügung zu stellen und alle Patienten zu versorgen. Akute Notfälle – etwa durch Suizidgefahr – werden immer aufgenommen. Doch vielen anderen Familien müssen die Kliniken zunächst absagen.

Nicht nur in Bayern, auch in anderen Bundesländern ist die Lage aktuell dramatisch. Wie der SWR berichtete, sind die Kliniken in Baden-Württemberg extrem belastet. Teilweise liege die Belegung dort bei bis zu 120 Prozent. Bayern ist jedoch im bundesweiten Vergleich das Schlusslicht bei der Anzahl der Betten: Deutschlandweit stehen im Schnitt 7,6 Betten je 100.000 Einwohner zur Verfügung, in Bayern sind es gerade mal 5,4 (Stand 2017, aktuellere Vergleichszahlen liegen nicht vor). Bereits im Frühjahr und Sommer dieses Jahres schlugen Ärzte Alarm und zeigten sich besorgt über die mangelnden Kapazitäten – getan hat sich seit dem wenig. 

Hinweis: Hier finden Sie sofort und anonym Hilfe, falls Sie viel über den eigenen Tod nachdenken oder sich um einen Mitmenschen sorgen.

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