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1,5-Grad-Schwelle könnte bis 2026 überschritten werden

Von dpa
Aktualisiert am 10.05.2022Lesedauer: 3 Min.
Vertrockneter Waldboden.
Vertrockneter Waldboden. (Quelle: Sven Hoppe/dpa)
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Genf (dpa) - Die Jahres-Durchschnittstemperatur der Welt könnte schon bis 2026 erstmals mehr als 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau liegen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass dies in dem Fünf-Jahres-Zeitraum 2022 bis 2026 mindestens einmal passiert, liege bei fast 50 Prozent, berichtete die Weltwetterorganisation (WMO) in Genf. Noch vor sieben Jahren galt es als praktisch ausgeschlossen, dass dieser Wert innerhalb von fünf Jahren erreicht wird.

Die Tendenz geht eindeutig nach oben

Das bedeutet nicht, dass die 1,5-Grad-Marke dauerhaft überschritten wird. In den Folgejahren könne der Wert wieder niedriger liegen. So war das heißeste Jahr bislang 2016 mit etwa 1,2 Grad über dem vorindustriellen Niveau (1850-1900), aber danach lag die globale Durchschnittstemperatur wieder etwas niedriger. Die Tendenz ist aber eindeutig: Die Temperaturen steigen seit Jahrzehnten, und die Wahrscheinlichkeit, dass der Temperaturrekord von 2016 bis 2026 gebrochen wird, liegt laut dem WMO-Bericht bei 93 Prozent.

Klimaexperten warnen, dass die Folgen des Klimawandels bei einer Erwärmung von dauerhaft mehr als 1,5 Grad erheblich sind. "Die 1,5 Grad sind nicht irgendeine Statistik", sagte WMO-Generalsekretär Petteri Taalas. "Es ist ein Indikator für den Punkt, an dem die Folgen des Klimawandels für die Menschen und den ganzen Planeten immer schädlicher werden."

Im Pariser Klimaabkommen hatten sich die Länder der Welt im Dezember 2015 darauf geeinigt, Anstrengungen zu unternehmen, um die Erwärmung möglichst auf 1,5 Grad zu begrenzen. "Ein einziges Jahr mit einer Erwärmung von mehr als 1,5 Grad heißt nicht, dass wir die symbolische Schwelle aus dem Pariser Klimaabkommen überschritten haben, aber er macht deutlich, dass wir dem Zeitpunkt immer näher rücken, an dem die 1,5 Grad über einen längeren Zeitraum überschritten werden könnten", sagte der Hauptautor der Studie, Leon Hermanson.

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Die Länder müssen viel mehr tun

Die bisherigen Klimaschutzanstrengungen reichen nach Expertenüberzeugung bei Weitem nicht aus, um die Erwärmung wie angestrebt zu begrenzen. Das hat der Weltklimarat (IPCC) in seinem jüngsten Sachstandsbericht deutlich gemacht, den er seit Sommer 2021 in drei Teilen mit verschiedenen Schwerpunkten veröffentlicht hat. Die Länder müssen mehr tun, um die Treibhausgase in der Atmosphäre zu reduzieren, die die Wärmeabstrahlung der Erde zurückhalten und die höheren Temperaturen verursachen.

"So lange wir Treibhausgase ausstoßen, werden die Temperaturen weiter steigen", sagte Taalas. "Und damit werden die Ozeane weiter wärmer und saurer werden, das Meereseis und die Gletscher werden weiter schmelzen, der Meeresspiegel wird weiter steigen und die Wetterereignisse werden immer extremer werden."

Im vergangenen Jahr lag die globale Durchschnittstemperatur nach dem vorläufigen Klimabericht der WMO 1,1 Grad über dem vorindustriellen Niveau. Den endgültigen Wert veröffentlicht die WMO am 18. Mai.

Die Prognosen für die fünf Jahre bis 2026 hat die britische Meteorologiebehörde mit Hilfe von Experten aus Deutschland und vielen anderen Ländern für die WMO vorgenommen. Sie geht davon aus, dass die Durchschnittstemperatur in diesem und den kommenden vier Jahren zwischen 1,1 und 1,7 Grad über vorindustriellem Niveau liegen wird.

Für dieses Jahr rechnen die Meteorologen damit, dass es in Südwesteuropa und im Südwesten Nordamerikas trockener ist als im Durchschnitt der Jahre 1991 bis 2020. In Nordeuropa, der Sahel-Zone, Nordostbrasilien und Australien dürfte es dagegen feuchter werden.

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