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Geschichte: Frühe Siedler in Nordamerika verspeisten Vierzehnjährige

Jamestown-Siedler verspeisten Vierzehnjährige

02.05.2013, 17:39 Uhr | dpa, t-online.de

Geschichte: Frühe Siedler in Nordamerika verspeisten Vierzehnjährige. Das bei Jamestown gefundene Skelett einer 14-Jährigen beweist: Andere Siedler haben sie gegessen (Quelle: Reuters)

Das bei Jamestown gefundene Skelett einer 14-Jährigen beweist: Andere Siedler haben sie gegessen (Quelle: Reuters)

Hungersnot trieb die ersten dauerhaften englischen Siedler in Nordamerika zum Kannibalismus. Axt- und Werkzeugspuren an Schädel und Schienbein des Skeletts eines 14 Jahre alten Mädchens liefern eindeutige Erkenntnisse dafür, dass die Kolonisten sie gegessen haben. Das erläuterte das Smithsonian-Institut.

Eine kriminaltechnische Untersuchung von Knochen, die bei Jamestown in Virginia gefunden wurden, ließen daran keinen Zweifel. Während des Hungerwinters 1609/1610 starben 80 Prozent der Kolonisten. Saatversuche schlugen weitgehend fehl, an fleischlicher Nahrung mangelte es ohnehin. Offenbar sahen die Siedler keinen anderen Ausweg, um in der Neuen Welt zu überleben, in die sie voller Hoffnung aufgebrochen waren.

Die genaue Todesursache des Jane genannten Mädchens habe den Wissenschaftlern zufolge nicht mehr festgestellt werden können, weil nur ein Zehntel der Knochen gefunden wurde. Mord komme jedoch nicht infrage, eine natürliche Todesursache gilt als wahrscheinlich. Vielleicht ist sie verhungert oder einer Krankheit erlegen.

Schnitte und Hiebe deuten auf Unsicherheit hin

"Die freigelegten Knochen haben ungewöhnliche Spuren von Schnitten und Hieben", sagte Anthropologe Douglas Owsley. Dies deute auf Unsicherheit und mangelnde Schlachterfahrung hin. "Der klare Vorsatz war aber, den Körper zu zerlegen, das Gehirn zu entnehmen und das Fleisch vom Gesicht zu entfernen und zu essen."

Vier oberflächliche Einschnitte an der Stirn sind den Untersuchungsergebnissen zufolge auf einen gescheiterten ersten Versuch zurückzuführen, den Schädel zu öffnen.

Anschließend sei der Hinterkopf von mehreren kraftvollen Schlägen eines kleinen Beils oder Hackmessers getroffen worden, der letzte habe den Schädel gespalten. An ihren Schienbeinknochen habe sich laut Owsley offensichtlich "ein fähigerer Schlachter" zu schaffen gemacht.

Owsley hat für die aus heutiger Sicht unvorstellbare Grausamkeit eine eindeutige Erklärung: "Diese Menschen waren in schwierigster Lage. Jedes verfügbare Fleisch wurde gebraucht." In ihrer Verzweiflung verschlangen die Bewohner nicht nur Pferde, Hunde, Katzen, Ratten und Mäuse, sondern eben auch ihresgleichen.

Beinahe wäre die Kolonie aufgegeben worden

Jamestown war 1607 von 104 englischen Siedlern gegründet worden. Aufgrund von Nahrungsmangel, Dürre und Krankheiten überlebten nur 38 von ihnen die ersten neun Monate. Der Winter 1609/10 raffte noch einmal fast alle übrigen Kolonisten dahin.

Dass es in der Not auch Kannibalismus gab, wird seit Jahrzehnten unter Wissenschaftlern diskutiert. Schriftliche Aufzeichnungen wiesen darauf hin. Nach Ansicht des Smithsonians ist die Frage durch die Untersuchung der Funde nun eindeutig beantwortet.

Entscheidende Hilfe kam von den Indianern

Als sicher gilt zudem, dass die Engländer ohne Hilfe der in der Region lebenden Indianer nicht überlebt hätten. Generationen später fragen sich Teile der auf einen Bruchteil der heutigen Bevölkerung dezimierten Ureinwohner, ob es nicht besser gewesen wäre, alle Kolonisten sterben zu lassen.

Die letzten Überlebenden des Hungerwinters waren ohnehin drauf und dran gewesen, die Kolonie aufzugeben. Die englische Krone wollte das nicht zulassen, über die Siedlung wurde zwischenzeitlich das Kriegsrecht verhängt. Als die Kolonisten sich schließlich doch eingerichtet hatten, setzte der erste große Siedlerstrom ein. 1620 landeten die gottesfürchtigen Pilgerväter im heutigen Massachusetts.

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