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"U 1206": Das Nazi-U-Boot, dem seine Toilette zum Verhängnis wurde


Das Nazi-U-Boot, dem seine Toilette zum Verhängnis wurde

  • Marc von Lüpke-Schwarz
Von Marc von Lüpke

Aktualisiert am 24.05.2021Lesedauer: 3 Min.
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Schema der U-Boot-Klasse VII, U-995 in Laboe (Collage t-online): Das deutsche Unterseeboot "U 1206" sank 1945 wegen Problemen mit seiner Toilette.
Schema der U-Boot-Klasse VII, U-995 in Laboe (Collage t-online): Das deutsche Unterseeboot "U 1206" sank 1945 wegen Problemen mit seiner Toilette. (Quelle: imageBROKER/Goran tek-en (CC BY-SA 4.0)/ullstein-bild)
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Eigentlich sollte "U 1206" vor Schottlands Küste feindliche Schiffe angreifen. Doch dann wurde dem deutschen U-Boot ausgerechnet seine neueste Errungenschaft zum Verhängnis: das stille Örtchen.

Das Leben an Bord eines Unterseeboots ist hart, insbesondere im Krieg. Eingesperrt in einen Hohlkörper aus Stahl, qualvoll beengt, in ständiger Gefahr, von den Feinden angegriffen zu werden, verbrachten die Seeleute Tag für Tag auf und unter dem Meer. Um den Männern Erleichterung im Wortsinne zu verschaffen, hatten deutsche Ingenieure gegen Ende des Zweiten Weltkriegs eine Art Hightech-Unterwasser-Toilette entwickelt.

Denn auch der Gang zum stillen Örtchen war angesichts der Enge und Belegung eines U-Boots nicht so einfach wie an Land üblich. Vor allem die Entsorgung der Hinterlassenschaften war ein großes Problem. Doch dies sollte mit dem neuen Sanitärsystem der Vergangenheit angehören.

Feindfahrt mit Super-Toilette

Derart ausgerüstet lief Anfang April 1945 das deutsche Unterseeboot "U 1206" zur Feindfahrt aus – rund 50 Mann an Bord, kommandiert von Kapitänleutnant Karl-Adolf Schlitt, keine 30 Jahre alt. Da der Krieg für Deutschland schon so gut wie vorbei war, blieb "U 1206" angesichts der feindlichen Übermacht zu Luft und zu Wasser vor allem eines: abgetaucht. Es sollte der einzige Einsatz des erst Mitte März 1944 überhaupt in Dienst gestellten Unterseeboots werden.

Marineoffiziere Erich Raeder und Karl Dönitz: Letzter trieb den Bau der deutschen U-Boot-Flotte seit den Dreißigerjahren voran.
Marineoffiziere Erich Raeder und Karl Dönitz: Letzter trieb den Bau der deutschen U-Boot-Flotte seit den Dreißigerjahren voran. (Quelle: ullstein-bild)
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Denn am 14. April 1945 machte sich ein Besatzungsmitglied, je nach Überlieferung möglicherweise Kommandant Schlitt höchstpersönlich, auf in Richtung Toilette. Kein Problem, nur etwas umständlich. Denn das Hightech-Stille-Örtchen, das die Entsorgung der Fäkalien auch bei größeren Tiefen und entsprechendem Druckverhältnissen nach außen unter Wasser erlaubte, bedurfte aufgrund des komplizierten Systems an Ventilen eines ausgebildeten Fachmanns zur Bedienung.

Eigentlich. Doch nicht am 14. April. Der Toilettengänger versuchte es auf eigene Faust, es klappte nicht so recht, der Experte kam hinzu. Wer auch immer einen Fehler beging – am Ende schoss Meerwasser ins U-Boot hinein. Besonders brisant, weil sich nicht weit entfernt die für die Tauchfahrt wichtigen Batterien von "U 1206" befanden. Kaum mit dem feuchten Element in Kontakt geraten, entstand lebensgefährliches Chlorgas.

Auf den Grund der Nordsee

Die letzten Minuten von "U 1206" begannen. Auftauchen war die einige Chance für die Besatzung, allerdings nicht weniger gefährlich. Denn die Deutschen befanden sich in den Gewässern vor Peterhead an der schottischen Ostküste. Es dauerte nicht lange, bis Flieger der Royal Air Force das feindliche U-Boot entdeckten – und unter Feuer nahmen.

Das Meer war aufgewühlt, dazu kam der gegnerische Beschuss. Schlitt blieb angesichts der Hilflosigkeit von "U 1206" nur eine Wahl: alle Mann von Bord. Eine Flucht, die nicht alle Seeleute überlebten. Vier Mann starben durch Beschuss beziehungsweise wurden Opfer der stürmischen See. Der Rest ging in Kriegsgefangenschaft. "U 1206" hingegen sank auf den Grund der Nordsee.

Es kursieren verschiedene Versionen, wer der Unglücksrabe gewesen ist, der mit dem Ruf der Natur die Katastrophe ausgelöst hatte. Schlitt oder ein anderer Offizier? War es unsachgemäße Bedienung der komplizierten Anlage oder lag ein technischer Fehler vor? Wer weiß.

Aufgespürt wurde das Wrack jedenfalls zweimal. In den Siebzigerjahren bei der Exploration des Meeresgebiets auf der Suche nach Erdöllagerstätten, dann noch einmal 2012, wie die Zeitung "The New Scotsman" berichtete. Unter Tauchern hat "U 1206" aus naheliegenden Gründen einen besonderen Spitznamen, wie www.wrecksite.eu zu entnehmen ist: "The Shitwreck".

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Verwendete Quellen
  • Eigene Recherche
  • John White: Endgame: The U-boats In-shore Campaign 1944-45, Cheltenham 2008
  • Lawrence Paterson: Dönitz's Last Gamble: The Inshore U-Boat Campaign 1944-45, Barnsley 2008
  • Gordon Williamson: U-Boats at War in 100 Objects, 1939–1945, Yorkshire, Phaladelphia 2020
  • The Scotsman: The Nazi U-boat sunk by a toilet malfunction
  • Welt: Bedienfehler in Toilette brachte U-Boot zum Kentern
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Von Angelika Franz
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