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Auch Affen haben einen Sinn für Gerechtigkeit

Studie an Schimpansen  

Auch Affen haben einen Sinn für Gerechtigkeit

14.01.2013, 16:40 Uhr | dpa

Auch Affen haben einen Sinn für Gerechtigkeit . Nach neuesten Erkenntnissen haben auch Schimpansen einen Sinn für Fairness untereinander. (Quelle: dpa)

Nach neuesten Erkenntnissen haben auch Schimpansen einen Sinn für Fairness untereinander. (Quelle: dpa)

Warum sollte man teilen, wenn man auch alles für sich alleine behalten kann? Fest steht nun: Der Sinn für Gerechtigkeit ist nicht rein menschlich. Auch Schimpansen verhalten sich oft ziemlich fair.

Schimpansen haben einen Sinn für Fairness. Sie teilen Futter gerecht mit einem Artgenossen - zumindest dann, wenn sie andernfalls selbst Einbußen fürchten müssen. Ein solches Gespür wurde bisher nur Menschen zugeschrieben, berichten US-Forscher in den "Proceedings" der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften ("Pnas). Die Studie zeige aber, dass sich Schimpansen ganz ähnlich wie Menschen in der gleichen Situation verhielten.

Ein Spielstein steht für eine gerechte Futterverteilung

Die Forscher um Darby Proctor von der Georgia State University (Atlanta/US-Staat) hatten mit sechs Schimpansen das sogenannte Ultimatum-Spiel gespielt. Zwei Affen bilden dabei jeweils ein Team. Einer der Schimpansen darf nun zwischen zwei Spielsteinen wählen: den ausgesuchten Stein kann der zweite Affe dann bei einem menschlichen Betreuer gegen eine Futter-Belohnung eintauschen.

Ein Spielstein steht für eine gerechte Futterverteilung: Beide Affen bekommen dabei die Hälfte des Futters. Wählt der erste Affe hingegen den anderen Spielstein, geht der Großteil des Futters an ihn selbst. Allerdings besitzt der zweite Schimpanse die Möglichkeit, den entgegen gereichten Spielstein abzulehnen. In solch einem Fall gehen beide Affen leer aus.

Ergebnisse beinah gleich wie bei Tests mit Menschen

Wie die Experimente zeigen, verhielten sich die Schimpansen in diesem Spiel ziemlich fair. Sie entschieden sich häufiger für den Spielstein, der eine gerechte Verteilung des Futters garantierte. In Experimenten, in denen der zweite Schimpanse keine Möglichkeit der Zurückweisung hatte, agierten die Tiere jedoch in der Regel deutlich egoistischer: Sie entschieden sich für den Spielstein, der ihnen den Großteil des Futters sicherte.

Das Verhalten der Affen sei ganz ähnlich wie das des Menschen in entsprechenden Versuchen, berichten die Forscher. Zahlreiche Untersuchungen hätten gezeigt, dass Menschen aus westlichen Kulturen beim Ultimatum-Spiel ihren Spielpartnern in der Regel die Hälfte der Belohnung zukommen lassen.

Studie auch mit Kindern von zwei bis sieben Jahren

Menschen spielen dabei meist um Geld. Und auch sie sicheren sich in der Regel einen größeren Anteil des Gewinns, wenn ihr Partner keine Möglichkeit des Einspruchs hat. In der neuen Studie spielten die Forscher das Ultimatum-Spiel auch mit Kindern von zwei bis sieben Jahren. Es ging um begehrte Sticker. Und auch die Kleinen teilten nach dem gleichen Muster.

Bis dieser Studie gingen die Verhaltensökonomen eigentlich davon aus, dass das Ultimatum-Spiel nicht mit Tieren gespielt werden könne beziehungsweise dass Tiere stets die egoistische Option wählen würden. "Wir haben gezeigt, dass Schimpansen dem menschlichen Gespür für Fairness nicht nur sehr nahe kommen, sondern dass die Tiere womöglich genau die gleichen Prioritäten setzen wie unsere eigene Spezies", erläutert Mitautor Frans de Waal von der Emory University (Atlanta/US-Staat Georgia).

Fairness als Grundlage für Kooperation mit anderen Artgenossen

Schimpansen sind in freier Wildbahn auf Kooperation angewiesen. Um sich die Vorteile des kooperativen Verhaltens zu sichern, müssen die Tiere vermutlich einen Sinn für Fairness entwickeln, erklären die Forscher. Die Untersuchung lege nahe, dass der menschliche Gerechtigkeitssinn eine lange evolutionäre Geschichte habe.

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